Bürgerliche akzeptierten zu viel

17.05.2019 • 16:51 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Widerstand gegen das NS-Regime hatte eine breite Mehrheit gegen sich.

Sachbuch Das Spektrum, derjenigen, die sich der Ideologie der Nazis verweigerten, war breit. Angesichts von Millionen überzeugter Nazis und angepasster Mitläufer waren die, die sich zum Widerstand entschlossen, allerdings eine verschwindend kleine Minderheit, wie der Historiker Wolfgang Benz in seinem Buch „Im Widerstand. Größe und Scheitern der Opposition gegen Hitler“ nachweist. Eine gemeinsame breite Widerstandsbewegung gab es nicht. Die Motive, die Ziele und die Vorstellungen über die Zeit nach der NS-Diktatur waren so unterschiedlich wie die Überlegungen dazu, wie sie umzusetzen seien. Versuche, solche Differenzen zu überwinden, waren die Ausnahme. Das machte den Nazis und der Gestapo die Verfolgung leichter. Es gab zum Widerstand entschlossene Nazigegner von links, aus der Arbeiterbewegung, der SPD und KPD, Oppositionelle aus dem politischen Katholizismus und aus dem konservativem Bürgertum. Es gab mutige Einzelpersönlichkeiten. Es gab Widerstandsgruppen, in denen sich Beamte, Künstler, Intellektuelle, Konservative wie Kommunisten zusammenfanden. Und es gab Nazigegner in Teilen der katholischen und evangelischen Kirchen, die ihre Mitglieder allerdings nicht geschlossen zum Widerstand aufriefen. Die bürgerlichen Eliten waren in den ersten Jahren der NS-Diktatur mit vielem einverstanden, was die neue Führung politisch vorgab. Waren sie blind für die Gefahren, die von den Nazis ausgingen? Benz lässt keinen Zweifel daran, dass der Widerstand zwar vielfältig war, aber eben doch die Ausnahme: „Wer sich, aus welchen Motiven auch immer, zum Widerstand gegen das NS-Regime entschloss, nahm das Unverständnis der Mehrheit auf sich.“ Nicht nur die Nutznießer der Diktatur, die Claqueure, die direkt Beteiligten passten sich geschmeidig an, betont Benz: „Widerstand gegen die Obrigkeit findet auch keine Zustimmung bei den Naiven, den Teilnahmslosen und schon gar nicht das Verständnis derer, die die Augen vor Rechtsbruch und Missachtung der Menschenrechte schließen.“

„Im Widerstand. Größe und Scheitern der Opposition gegen Hitler“, Wolfgang Benz, C. H. Beck, 556 S.