Ein starkes Zeugnis: der Streit um das Felder-Denkmal

Kultur / 17.05.2019 • 20:09 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Schoppernau So stritten unsere Urgroßväter: Der liberale „Verein der Tiroler und Vorarlberger“ in Wien wollte 1874 auf dem Schoppernauer Friedhof ein Denkmal für  den frühverstorbenen Schriftsteller, Sozialreformer und Bauern Franz Michael Felder (1839–1869) aufstellen. Der Ortspfarrer Johann Georg Rüscher, der Felder schon zu Lebzeiten heftig bekämpft und als „Freimaurer“ und „Ketzer“ diffamiert hatte, wehrte sich mit allen Mitteln dagegen. Schoppernau war zweigeteilt: Auf der einen Seite standen der Pfarrer mit seinen Anhängern und die konservative Gemeindevertretung unter dem Ortsvorsteher Berlinger, auf der anderen das liberale Denkmalkomité und Felders Verwandte, Freunde und Anhänger, wie der frühere Vorsteher Anselm Albrecht, Kaspar Moosbrugger, Kaspar Oberhauser und Hermann Sander. Der Streit schlug weit über Schoppernau hinaus Wellen: Der Landeshauptmann, die Landesregierung und selbst die Statthalterei in Innsbruck waren beteiligt, juristische Gutachten wurden erstellt und die Presse berichtete. Selbst der Bischof wurde in die Angelegenheit verwickelt.

In Abwesenheit des Pfarrers

Sogar andere Orte, wie etwa Bezau oder Bregenz, bewarben sich um die Installierung des Denkmals, das schließlich in Abwesenheit des Pfarrers, der gerade verreist war, und des Ortsvorstehers 1875 auch mit Hilfe von einigen Männern aus dem Nachbarort Au auf dem Friedhof von Schoppernau an gut sichtbarer Position aufgestellt wurde. Der Denkmalstreit und das Verhalten Pfarrer Rüschers und seiner Anhänger führten immerhin dazu, dass bei den Gemeinderatswahlen 1876 wieder der frühere liberale Vorsteher Anselm Albrecht zum Bürgermeister gewählt wurde. Es handelt sich jedenfalls um ein spannendes Kapitel aus der Lokalgeschichte der österreichisch-ungarischen Monarchie, das zeigt, was ein fanatischer Geistlicher in einer Gemeinde anrichten kann oder wie liberale und konservative Kreise agierten.

Unter dem Titel „Schoppernauer Weltgeschichte. Der Streit um das Denkmal für den Schriftsteller Franz Michael Felder (1839-1869)“ hat die Vorarlberger Schriftstellerin und Literaturexpertin Ulrike Längle die Vorgänge und ihre Folgen anhand von zahlreichen Dokumenten, Briefen und Presseberichten ausführlich dargelegt. Der 80-seitige Band wurde kürzlich vom Franz-Michael-Felder-Verein, dem Felder-Museum und der Gemeinde Schoppernau aufgelegt.