Bregenzer Festspiele: Schwarzacher Firma Rieger baut Orgel für eine Festspielproduktion

Kultur / 23.05.2019 • 15:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Alexander Moosbrugger gab bei Rieger-Orgelbau Einblicke in seine Oper für die Bregenzer Festspiele.  BF/Koehler
Alexander Moosbrugger gab bei Rieger-Orgelbau Einblicke in seine Oper für die Bregenzer Festspiele. BF/Koehler

Geheimnis gelüftet: Die Oper von Alexander Moosbrugger heißt „Wind“.

SCHWARZACH Kurz die Vorgeschichte: 2017 hat der in Berlin lebende Bregenzerwälder Komponist und Organist Alexander Moosbrugger (46) den Auftrag erhalten, für das zum zweiten Mal gemeinsam mit dem KUB durchgeführte Opernatelier der Bregenzer Festspiele eine Oper für die Saison 2020 zu schreiben, übrigens sein erstes Werk dieser Gattung. Wie in diesem Format üblich, geben Einblicke Aufschluss in den kreativen Prozess. Nach zwei Terminen im Vorjahr war klar, dass Moosbrugger sein Werk auf der Grundlage des geheimnisumwitterten Buchs „Hypnerotomachia Poliphili“ des Dominikaners Francesco Colonna von 1499 schreiben wird und dass er sich dabei der Mitarbeit der aus dem Kosovo stammenden bildenden Künstlerin Flaka Halitis versichert hat.

Der dritte Einblick eröffnete dem zahlreich erschienenen Publikum nun Entscheidendes. Es ging diesmal um „Das Instrument“, Schauplatz war deshalb die Werkshalle der Orgelbaufirma Rieger in Schwarzach. Denn nichts weniger als die Spezialanfertigung eines Instruments dieser Firma wird im nächsten Jahr im Zentrum der Opernuraufführung auf der Werkstattbühne stehen. „Das gab es noch nie bei den Festspielen“, ist selbst Dramaturg Olaf A. Schmitt baff, der als Musikexperte gekonnt durch intensive eineinhalb Gesprächsstunden führte.

Wendelin Eberle als Geschäftsführer der Firma Rieger gab zunächst Einblick in die faszinierende Funktion dieser Instrumente, in denen heute uraltes Handwerk mit modernsten elektronischen Spielhilfen und spektakulären, dem Raum angepassten architektonischen Lösungen verbunden wird. Instrumente des Weltmarktführers werden seit Jahrzehnten international nachgefragt. Bekannteste Beispiele derzeit sind die 2011 errichtete Orgel für den Wiener Musikverein und die Orgel für den Wiener Stephansdom, die mit ihren 10.000 Pfeifen zu Ostern 2020 eingeweiht werden soll.

Und Moosbrugger? Der spielt zunächst auf einer alten Truhenorgel Frescobaldi, also Alte Musik, auf die er sich in seinen eigenen Werken gerne beruft. Dann zeigt er aber auch, verbal und an praktischen Beispielen, welche Vielfalt an unerhörten und experimentellen Tönen sich aus einer Orgel mit ihrem scheinbar statischen Klang hervorzaubern lässt. Das erfolgt mit Hilfe von für das Normalohr leicht verstimmt klingenden „Schwebungen“, mit der Beeinflussung von Obertonreihen, die dem Klang erst seinen Charakter geben, mit der Verwendung historischer Stimmungen und Veränderungen der Luftzufuhr in die Pfeifen, in der Fachsprache „Wind“ genannt. Moosbrugger spricht und agiert mit Leidenschaft von seiner wundersamen Welt der Klänge, ein Tüftler, der in seine Klangspiele verliebt ist, bei denen auch Live-Elektronik und Sinustöne eine große Rolle spielen.

Besetzung steht großteils fest

Er verrät auf Befragen auch erstmals wichtige Details über Konzeption und Besetzung seiner Oper. Das Libretto dazu ist schon sehr weit gediehen. Die beiden Hauptpartien des Liebespaars Poliphilo und Polia werden mit einem Bariton, der auch das Fach des Countertenors beherrscht, und einem Sopran besetzt. Für diese Partie konnte bereits Hanna Herfurtner gewonnen werden, die Papagena aus der „Zauberflöte“ am See von 2013, die auch den weiteren Entwicklungsprozess aktiv begleiten wird. Jan Eßinger, der heuer im Opernstudio „Eugen Onegin“ inszeniert, wurde als Regisseur für spezielle Aufgaben verpflichtet. Zur Erweiterung des Tonhöhenspektrums wird es auch ein Streichquartett geben, in diesem Fall das auf Neue Musik spezialisierte Quatuor Diotima. Auch für seine Orgel im Stück hält Moosbrugger detaillierte Bauvorgaben bereit. Nachdem die Buchvorlage 172 Holzschnitte enthält, sollte auch das Instrument analog ebenso viele Pfeifen besitzen. Erst ganz am Schluss lüftet er auch das letzte Geheimnis um seine Oper. Sie wird „Wind“ heißen, was neben der Luftzufuhr für die Orgel auch viele weitere interessante Assoziationen zulässt. Fritz Jurmann


Nächster Einblick ins Opernatelier der Festspiele: 11. August, KUB, Musik von J. S. Bach, Olivier Messiaen, Rebecca Saunders, Alexander Moosbrugger (Ensemble Phace).