Begegnung mit dem klugen Aufmüpfigen

Kultur / 24.05.2019 • 21:49 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Dornbirner Künstler Edmund Kalb als Kriegsheimkehrer. archiv Sagmeister
Der Dornbirner Künstler Edmund Kalb als Kriegsheimkehrer. archiv Sagmeister

Dem Vorarlberger Künstler, Denker und Rebell Edmund Kalb ist auch ein neues Katalogbuch gewidmet.

Christa Dietrich

wien, Bregenz „Kalb war vor allem ein vielseitiger Forscher und Denker von beeindruckender geistiger Unabhängigkeit. Seine Beschäftigung mit Philosophie, Psychologie, Mathematik, Physik, Ökologie etc. ist keine Anekdote seines Künstlertums, sondern ein Charakteristikum. Ihn interessierten vor allem Probleme und wenn es auf dem Gebiet der Zeichnung gerade keine zu lösen gab, beschäftigte er sich eben mit einem der Mathematik oder der Landwirtschaft“, erläutern die Kunsthistoriker Kathleen und Rudolf Sagmeister Bestrebungen des Vorarlberger Künstlers Edmund Kalb (1900-1952). Sie haben ihn vor Jahrzehnten schon mit mehreren Ausstellungen dem Vergessenwerden entrissen und haben nun dafür gesorgt, dass sein Werk – wie bereits berichtet – mit einer großen Ausstellung im Leopold Museum in Wien im Umfeld von Schiele, Gerstl und Kokoschka entsprechende Anerkennung erfährt. Den für die Wiederentdeckung des Künstlers, Denkers und Rebells Edmund Kalb so wichtigen früheren Publikationen (für die Rudolf Sagmeister auch einmal den jetzigen Albertina-Chef Klaus Albrecht Schröder gewinnen konnte) wurde nun zudem eine weitere, sehr umfangreiche hinzugefügt. Der künstlerische Direktor des Leopold Museums, Hans-Peter Wipplinger, sowie Kathleen und Rudolf Sagmeister fungieren als Herausgeber und Autoren eines zweisprachigen Werks, der Verlag Walther König gewährleistet eine weite Verbreitung.

Widerstand

Aufschlussreich nachzulesen sind Passagen über die Auseinandersetzung mit dem Menschsein an sich und über den Widerstand, den Edmund Kalb leistete.  Kalbs Außenseitertum und sein künstlerischer und menschlicher Werdegang wurden, so die Kunsthistoriker, durch seine Erlebnisse in der Kindheit und Jugend bestimmt. Er sei sich dessen bewusst gewesen und daraus sollte in späteren Jahren auch seine eindringliche Beschäftigung mit Kindern resultieren. Eine Fotografie von einem nachdenklichen Knaben hatte er auf der Rückseite mit folgendem Satz beschriftet: „Das Erfindende im Menschen entwickelt sich aus ungewöhnlich starkem und unverstandenem Drange der Jugend zu innerem Schauen, zu Wirklichkeit.“

Als Soldat hat ihn sein Widerstand mehrere Inhaftierungen und fast das Leben gekostet. Nach Kriegsende ist Kalb, wie es die Historiker schildern, in der „verhassten Uniform“ mitten durch die Stadt Dornbirn zu einem bekannten Fotografen marschiert. Dort ließ er sich dann in voller Montur mit Rückkehrergepäck fotografieren. Sagmeister: „Das war sozusagen ein Dokument eines vollzogenen Schlussstrichs unter einen endgültig abgeschlossenen Lebensabschnitt.“

Edmund Kalb hat Hunderte von Selbstbildnissen und Porträts geschaffen, die als Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten der Kunst zu lesen sind, die mit seiner Beschäftigung mit Naturwissenschaften einhergeht. Zuletzt befasst er sich zukunftsweisend mit der Abstraktion. Als scharfer Beobachter seiner Umwelt zog er sich zurück.

Die seit Samstag, 25. Mai, zugängliche Edmund-Kalb-Ausstellung im Leopold Museum in Wien umfasst rund 130 Werke. Leopold Museum
Die seit Samstag, 25. Mai, zugängliche Edmund-Kalb-Ausstellung im Leopold Museum in Wien umfasst rund 130 Werke. Leopold Museum

Die Ausstellung im Leopold Museum in Wien ist bis 18. August geöffnet. Das Katalogbuch ist im Verlag Walther König erschienen.