Südkorea feiert erste Goldene Palme

Kultur / 26.05.2019 • 18:05 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Film von Bong Joo-Ho setzt auf Sozialkritik im Kleid einer Komödie. afp
Der Film von Bong Joo-Ho setzt auf Sozialkritik im Kleid einer Komödie. afp

Auch „Little Joe“ der Österreicherin Jessica Hausner war erfolgreich.

Cannes Es wurde doch einer der Favoriten: Die Goldene Palme der 72. Filmfestspiele Cannes ging am Samstagabend an einen der wenigen unter den 21 Wettbewerbsfilmen, bei denen gelacht werden durfte. Freilich bleibt einem das Lachen irgendwann im Hals stecken, denn „Parasite“ des Südkoreaners Bong Joon Ho kippt gegen Mitte in einen Thriller, in dem viel Blut fließt. „Ich fühle mich sehr geehrt. Ich war immer sehr inspiriert vom französischen Kino“, sagte der 49-Jährige, der als erster Regisseur seines Landes den Hauptpreis des Festivals entgegennehmen durfte. 

Sein Film setzt auf Sozialkritik im Kleid einer Komödie. Er zeigt eine unter ärmlichen Verhältnissen lebende Familie, die sich in einer Art von Home-Invasion in das Leben und das Haus eines erfolgreichen Unternehmers einschleicht. Der Sohn bewährt sich zunächst als Englischlehrer der Tochter des reichen Mannes, doch schon bald ist dank einiger Betrugs- und Täuschungsmanöver auch der Rest der Familie als Chauffeur, Haushälterin und Kunst-Therapeutin engagiert, ohne dass die Arbeitgeber die familiären Bande zwischen ihren neuen Angestellten ahnen.

Beste Schauspielerin in „Little Joe“

Während die Filme der US-Stars Terrence Malick und Quentin Tarantino ganz leer ausgingen, konnte „Little Joe“ der Österreicherin Jessica Hausner einen schönen Erfolg landen: Der Preis für die Beste Schauspielerin ging an die Hauptdarstellerin, die in Manchester geborene Emily Beecham. Sie spielt in der ästhetisch beeindruckenden Mischung aus psychologischem Thriller und Science-Fiction eine alleinerziehende Gentechnikerin, die eine schöne, aber offenbar auch gefährliche Pflanze entwickelt hat.

Zwei der vier Regisseurinnen im Wettbewerb wurden mit Preisen bedacht: Der Große Preis der Jury, der zweitwichtigste Preis, ging an Mati Diop für „Atlantique“, der Drehbuchpreis ging an die Französin Celine Sciamma für „Portrait on a Lady on Fire“. Den Regie-Preis erhielt das belgische Brüderpaar Jean-Pierre und Luc Dardenne für „Le jeune Ahmed“, das Porträt eines sich radikalisierenden 13-jährigen Muslims.