Produktion „Bus“ des Ensembles Café Fuerte: Einsteigen und drauf abfahren

Kultur / 27.05.2019 • 21:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Tobias Fend ist nicht nur Schauspieler, Autor und Sänger, sondern jetzt auch Busfahrer. CAFE FUERTE/FUKSA

Bei der witzigen und lehrreichen Produktion „Bus“ des Ensembles Café Fuerte gilt der Ein- und Umsteigspaß in vielerlei Hinsicht.

Christa Dietrich

Hittisau Für die Young Urbans wäre das kein Thema, wer in den Bus, in die Straßenbahn oder die U-Bahn steigt, ist weder uncool, noch zu alt oder zu arm für den Erwerb des Führerscheins oder eines Autos. Im städtischen Umfeld ist die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel eine pragmatische Entscheidung. Der Geldbeutel und die Umwelt dankt es einem, und meistens kommt man so ohnehin rascher von A nach B, nur eine kleine Schicht ist sich zu gut dafür. Das Klischee, dass nur jene in den Bus steigen, die das Auto gerade in der Werkstatt haben, die aufgrund von Raserei oder alkoholbedingt den rosa Lappen los geworden sind oder erst gar keinen haben, hält sich auf dem Land offenbar immer noch. Die Mitglieder der in der Region verankerten Theatergruppe Café Fuerte haben das Ohr allerdings nahe bei der Bevölkerung, somit wird schon etwas dran sein.

Nach der im Montafon spielenden Theater-Soap „Die Montanahls“ nach einem Mitterer-Stück oder der Aufarbeitung von derart ernsthaften Themen wie der Vergangenheitsbewältigung mit „Alarmtauchen“ widmet man sich nun dem Busfahren bzw. propagiert diese Variante der Fortbewegung. Sich von Umweltschützern oder dem Verkehrsverbund vor den Karren spannen zu lassen, ist schließlich nichts Ehrenrühriges, es könnte sich bei geringerer Kreativleistung nur als Stolperstein erweisen. Ein konkretes Ziel vor Augen zu haben, die Besucher zu unterhalten, zum Nachdenken anregen und im Grunde genommen für etwas überzeugen zu wollen, kann schnell unspannend oder eben uncool werden. Regisseurin Danielle Fend-Strahm schickt mit Tobias Fend ein schreibendes, spielendes, singendes und temperamentvolles Multitalent ins Rennen und überholt mit ihm, mit Ausstatter Matthias Strahm, der nur auf einige Details achten muss, und dem Musikarrangeur Florian Wagner jeden auch noch so eleganten Flitzer aus dem Repertoire der Theaterstücke, die ein ähnliches Ziel verfolgen.

Authentizität

Fends Strategie nennt sich Authentizität. Als Kumpel, der für den Weg zur Arbeit kurzzeitig auf das Auto verzichten muss, steigt er in den Bus, legt sich mit dem Fahrer an, ärgert sich über die Wadelbeißereien unter Kollegen in der Firma, verpackt die Geschichte des immer größer werdenden Individualverkehrs in eine charmante Erzählhandlung und landet mit einer Beschwingtheit, die man ihm erst einmal nachmachen muss, im Surrealen. Der Bus droht abzustürzen.

Mehrere Stationen

Wie sich das alles zur Erkenntnis fügt, dass es doch ganz gut bzw. mehr als nur vernünftig sein kann, den Benzin- oder Stromfresser einfach einmal stehen zu lassen, muss man gesehen haben. Und das ist eigentlich ganz leicht, denn nach der Uraufführung auf dem Dorfplatz von Hittisau gibt es Folgeaufführungen in Dornbirn, Götzis, Mäder, Frastanz, Koblach usw. Auch im Oberland und über der Grenze in der Schweiz oder in Liechtenstein soll der Theaterbus in nächster Zeit Halt machen. Die Produktion kommt somit quasi ins Haus. Das Mitfahren ist in mehrerer Hinsicht gewährleistet. Die Gruppe Cafe Fuerte macht es dieses Mal nämlich auch Theatereinsteigern ganz leicht und schafft es mit witzigen Ideen, auch die bereits mit vielen Wassern gewaschenen Fortgeschrittenen zu überraschen und zu amüsieren.

Nächste Auffürung am 5. Juni, 20.30 Uhr in der Schulgasse in Dornbirn und am 6. Juni am Dorfplatz in Hittisau sowie zahlreiche weitere: www.cafefuerte.at