Homunculus-Festival in Hohenems: Große Themen auf kleinen Bühnen

Kultur / 27.05.2019 • 20:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Bei „Dracula“ durfte es politisch werden. HOMUNCULUS/BÖCKLE

Beim Homunculus-Festival zeigt sich die enorme Bandbreite des Figurentheaters.

Hohenems Nach dem Auftakt mit „rostigem“ Objekttheaterspiel von TamTam, den multikulturellen Bremer Stadtmusikanten von Rike Schuberty als Österreichpremiere, sorgten die Handmaids mit ihrem Spiel beim Homunculus-Festival, das noch bis 31. Mai dauert, für Standing Ovations.

„Der Dracula Komplex – oder kein schöner Land“ erwies sich als Parabel auf politische Strömungen, Fluchtbewegungen und den Ausverkauf der Heimat. Im Mittelpunkt steht ein neues Freizeitbad mit Baumängeln und ein perfider Vampir, der statt Blut zu saugen seinen Opfern „die Zukunft nehmen und sie in die Vergangenheit“ führen möchte. Denn: Wenn der Wolf kommt, kannst du nie weit genug rechts stehen. Ulrike Langenbein und Marie Bretschneider bewiesen als „Handmaids“ große Spielfreude und wussten das Publikum auf ihrer Seite.

Actionreich und humorvoll ging es bei Das Weite Theater aus Berlin zu: Das Stück „Bei der Feuerwehr wird der Kaffee kalt“ passte perfekt zum 150-Jahr-Jubiläum der Feuerwehr Hohenems. Chanconniere Tina Teubner und der Pianist Ben Süverkrüp lieferten zuverlässig einen perfekten Chansonabend, bei dem sich Lebensweisheiten und spritzige Dialoge abwechselten.

Rasende Marionetten

Pierre Schäfers neues Stück „Irgendwo ein Licht“, ein Wintermärchen nach H.C. Andersen, ist weniger traurig als seine literarische Vorlage. Gemeinsam mit der jungen Puppenspielerin Leonie Euler führte er die Marionetten mit atemberaubendem Tempo und ließ sie tanzen, juchzen, Fahrrad fahren und für einen Sneaker-Fanboy shaken. Entgegen der Märchenvorlage spielt hier eine zum Jahreswechsel aus dem Heim ausgebüxte Seniorin mit Hang zu Zündhölzern und Raketen die Hauptrolle. Bis zur Entzündung der großen, mit Hartnäckigkeit ergatterten Rakete ist der Weg weit und sind die Erinnerungen schön. Das detailverliebte Spiel mit den Marionetten, die u.a. ein Smartphone bedienen konnten, machten das Werk zum perfekt inszenierten Figurentheaterstück.

Kleine Vorschau

Am Dienstag und Mittwoch geht es mit „Der standhafte Zinnsoldat“ und Stefan Wey erstmals ins Eventcenter. Das Theater Handgemenge mit Pierre Schäfer und Peter Müller ist mit dem Klassiker „Höchste Eisenbahn“ am Mittwoch zu sehen, und mit „Fünf Gründe warum Delfine böse Tiere sind“ steht am Feiertag wieder eine Österreichpremiere auf dem Programm. Das 28. Homunculus-Festival dauert insgesamt bis 31. Mai. VN