Das Saisonfinale gehört den Jungen

Kultur / 31.05.2019 • 19:55 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Mit „Der Flüchtling“ ist dem Vorarlberger Landestheater eine herausragende Umsetzung des Stücks von Fritz Hochwälder gelungen.VN/Paulitsch
Mit „Der Flüchtling“ ist dem Vorarlberger Landestheater eine herausragende Umsetzung des Stücks von Fritz Hochwälder gelungen.VN/Paulitsch

Landestheater beendet Saison mit kleinen Projekten und großem Programm zu „Der Flüchtling“.

Bregenz, Lustenau Zwei Kinder wohnen zwar direkt gegenüber, doch in unterschiedlichen Welten: Sabah entstammt einer muslimischen Migrantenfamilie aus Algerien, Romans Eltern zeigen eine Tendenz zu rassistischen Gedanken. Beide Kinder sind allein mit ihren Träumen inmitten einer von Vorurteilen gezeichneten und ignoranten Erwachsenenwelt. Voller Neugierde auf die Fantasiewelt der bzw. des anderen freunden sie sich an und unternehmen einige Erkundungen ihrer Umwelt. Die Eltern beenden jedoch diese Freundschaft. Erst Jahre später versucht Roman, mittlerweile ein erwachsener Mann, Sabah wiederzufinden. Das Stück „Die Zertrennlichen“ des Franzosen Fabrice Melquiots wurde im Vorjahr mit dem Deutschen Kindertheaterpreis ausgezeichnet. Martin Brachvogel inszeniert es am Vorarlberger Landestheaters das die Produktion zum Schulschluss jeweils am Vormittag ab 12. Juni in der Box am Bregenzer Kornmarkt anbietet. Die Musik zum Stück stammt vom Vorarlberger Musiker, Autor und Theatermacher David Baldessari.

Eine weitere kleine Produktion wird in Kooperation mit dem interkulturellen Verein Motif in Bregenz und dem Jugendclub 13+ des Landestheaters realisiert. Ausgehend von historischen Aufständen von Bregenzerwälderinnen gegen die Obrigkeit geht es in dem Stück „An der Schwelle“ um mutige Frauen, die sich weltweit zu demonstrieren trauen, auf die Barrikaden gehen, sich in Kriegswirren durchsetzen und entschieden Widerstand leisten. Zum Schutz ihrer Heimat, zum Schutz von Schwächeren oder einfach, um größeres Unglück abzuwenden, riskierten und riskieren sie ihr Leben, stellen sich einem überlegenen Feind entgegen und durften später nicht selten erfahren, dass sie in den Geschichtsbüchern dann doch keine Rolle spielen.

Vorarlberger Autorin

Diese Mechanismen streift das neue Stück, das die bekannte Vorarlberger Autorin Daniela Egger entworfen hat. Sie erzählt und beleuchtet die Gründe für weiblichen Heldenmut und die Geschichten von Frauenschicksalen hier wie dort. Wahre Geschichten, wie es vonseiten des Theaters heißt, die genau jetzt vor dem Vergessen bewahrt werden müssen, während sie gleichzeitig ganz aktuell fortgeschrieben werden. Michael Schiemer inszeniert das Werk, die Produktionsleitung hat Yener Polat vom Verein Motif inne. Gespielt wird ab 14. Juni im Theater Kosmos.

Grenzerfahrungen

Nach der Premiere der hervorragenden Produktion „Der Flüchtling“ von Fritz Hochwälder vor einer Woche bietet das Landestheater (www.landestheater.org) nun ein umfangreiches Rahmenprogramm zum Thema Flucht an. Im Foyer des Kornmarkttheaters sind Erzählungen von Zeitzeugen nachzuhören, deren Flucht vor den Nationalsozialisten über Vorarlberg in die Schweiz führte. Die Texte wurden vom Jüdischen Museum in Hohenems produziert. Am 4. Juni schildert der Schweizer Autor Gabriel Heim Erlebnisse von Einwanderern in die Schweiz. Nach der Aufführung von „Der Flüchtling“ am 6. Juni findet ein öffentliches Gespräch zum Thema Empathie statt, bei dem über gegenwärtige Fluchterfahrungen berichtet wird. Am 22. Juni wird eine Dialogführung an den Alten Rhein angeboten. VN

Die Premiere von „Die Zertrennlichen“ findet am 12. Juni in der Box am Kornmarkt statt, „An der Schwelle“ wird am 14. Juni im Theater Kosmos in Bregenz gestartet.