Franz Michael Felders Freunde und Feinde

Kultur / 01.06.2019 • 08:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Für die Felder-Ausstellungen wurden von Max Lang auch literarische Texte erarbeitet, die Schauspieler des Landestheaters vortragen. Privatsammlung, Felder-Archiv, Stadt Dornbirn
Für die Felder-Ausstellungen wurden von Max Lang auch literarische Texte erarbeitet, die Schauspieler des Landestheaters vortragen. Privatsammlung, Felder-Archiv, Stadt Dornbirn

Felder-Ausstellungen an drei Orten in Vorarlberg bieten Aufschlussreiches über den Dichter und Reformer.

Christa Dietrich

Dornbirn, Bregenz, Egg Von Schwärmern verniedlicht, von den Deutschnationalen bis hin zu den Nationalsozialisten wegen seiner antiklerikalen Haltung vereinnahmt und schließlich von Experten – darunter neben Literaturfachleuten auch Juristen – ins entsprechende Licht gerückt: So lässt sich umschreiben, was dem Schriftsteller, Bauern und Reformer Franz Michael Felder (1839–1869) widerfahren ist. Wenige Jahre nach einer umfassenden Ausstellung im Vorarlberg Museum in Bregenz bieten zwei Daten, nämlich der 150. Todestag und der 180. Geburtstag, nicht nur Jürgen Thaler, Leiter des Felder-Archivs in Bregenz, sondern auch drei Museumsleitern Anlass zu einer gemeinsam gestalteten Ausstellung an drei Orten. „Menschen, Orte Spuren“, heißt es ab 4. Juni im Stadtmuseum Dornbirn, ab 7. Juni im Martinsturm in Bregenz und ab 14. Juni im Egg Museum im Bregenzerwald. Vorangestellt ist einem von Petra Zudrell (Dornbirn), Andreas Hammerer (Egg) und Thomas Klagian (Bregenz) gestalteten Projekt, in dessen Rahmen es vor allem viel nachzulesen und zu hören gibt, die Tatsache, dass Felder, wie es der Generalkurator Jürgen Thaler ausführt, „gut vernetzt“ war. In Dornbirn besuchte er beispielsweise seinen Schwager Kaspar Moosbrugger, der hier am Gericht tätig war. Freundschaftlich verbunden war er auch Johann Georg Waibel, einem liberalen Arzt. In Bregenz traf er sich mit Politikern und musste vors Gericht. Au muss ihm lieber gewesen sein als Schoppernau, aus dem Ort stammte seine Frau Nanni.

Dass eine Vorarlberger Felder-Landkarte viele Punkte hat, ist als Bild inspirierend und es überdeckt auch jegliche, wie Jürgen Thaler betont, längst überholte Vorstellungen von einem einsamen Dichter in Schoppernau, der sich wegen der erzkonservativen Stimmung in seinem Heimatort zurückzieht. „Reich und Arm“, „Sonderlinge“, „Nümmamüllers und das Schwarzokaspale“, „Aus meinem Leben“ – das Werk Felders sei, so Thaler, mittlerweile gut präsent. Felder werde gelesen, in Hinkunft auch im Ausland, denn neben einer Übersetzung ins Französische erscheine demnächst eine englische Ausgabe der Autobiografie.

Literarischer Zugang

Was dieses Ausstellungsprojekt so interessant macht, sind nicht nur die Netzwerke des Dichters und politisch engagierten Reformers, auch ein Teil des Konzeptes dürfte und sollte Interesse wecken. Der bekannte Schriftsteller Max Lang macht nämlich Freunde, Feinde und Vereinnahmer Felders in literarischer Form präsent. Die kurzen Texte verstehen sich als Extrakt der Reaktionen. Vorgetragen von Schauspielern des Landestheaters findet sich der Besucher in einem dokumentarischen Setting, das nur noch getoppt werden kann, wenn das Vorhaben gelingt, ein Felder-Stück von Max Lang auf die Bühne zu bringen. Pfarrer Rüscher etwa, der ihn als Freimaurer brandmarkte, was damals einer Verurteilung gleichkam, sieht ihn bei Lang schon „verloren im Bund mit Satan“, Aurelius Polzer, ein Antisemit und völkischer Dichter, erlaubte sich, Felder wegen seiner kritischen Haltung zur katholischen Kirche gar als Gleichgesinnten zu verleumden. Und der Unternehmer Gallus Moosbrugger, dessen Handelsmonopol Felder im Bestreben um bessere Arbeitsbedingungen in der Landwirtschaft zu zerschlagen wusste, wünscht den Schriftsteller nach dem Motto „Wer das Geld hat, hat die Macht“ zurück aufs Feld, „wo er hingehört, zu seinen Kühen“.

Ausstellungen im Stadtmuseum Dornbirn (4. Juni bis 6. Jänner), Martinsturm Bregenz (7. Juni bis 31. Oktober) und im Egg Museum (14. Juni bis 27. Oktober)