Großer Applaus für den Vorarlberger Komponisten Richard Dünser

Kultur / 03.06.2019 • 17:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Komponist Richard Dünser dirigiert die Aufführung seiner Werke. STADT BREGENZ/MEUSBURGER

Bregenz Konzerte mit Neuer Musik (mit großem N) hatten einmal den Ruf, nur für ein meist schwarzgekleidetes, intellektuelles Spezialpublikum mit fast sektiererischem Ernst attraktiv zu sein. Dass das heute ganz anders ist, bewies das Geburtstagskonzert für Richard Dünser im Martinsturm und im Magazin 4. Der international renommierte 60-jährige Bregenzer Komponist, Professor für Musiktheorie in Graz, schreibt selbst sehr sinnliche, die Tradition von Klassik und Romantik weiterentwickelnde Neue Musik: Festspielfreunde erinnern sich sicher an die Aufführung seiner Oper „Radek“ im Jahr 2006. Die exzellenten Musikerinnen und Musiker des Ensembles Plus mit ihrem Impresario Andreas Ticozzi erwiesen sich in wechselnden Formationen als ideale Interpreten sowohl für die Kompositionen aus dem 20. und 21. Jahrhundert im ersten als auch für Dünsers Brahms-Bearbeitungen im zweiten Teil des Abends.

Geburtstagsgruß

Apart als Geburtstagsgruß war André Jolivets archaisch inspirierter „Chant de Linos“ zum Auftakt (in der Fassung für Flöte, Harfe und Streicher), eine Totenklage im Wechsel von rhythmisch heftig akzentuierten, wilden Teilen und elegischen Passagen. Hier brillierte die Flötistin Anja Nowotny-Baldauf, die die vertrackten Läufe ebenso souverän meisterte wie sie den Trauerklängen geradezu magische Wirkung verlieh. In Anwesenheit des Lindauer Komponisten Nikolaus Brass, der sich selbst als „Adoptivkind der Vorarlberger Neue-Musik-Szene“ bezeichnete,  wurde sein filigranes Duo für Violine und Viola aus den „Dialoghi d’amore“ von der vorzüglichen Salzburger Geigerin Michaela Girardi und vom heimischen Bratschenvirtuosen Andreas Ticozzi aufgeführt, ein Stück, das die fragilen Aspekte der Liebe betont und über weite Strecken mit Flageoletttönen gestaltet ist (die etwas an das Fiepen von Rehgeißen erinnerten, die in der Brunftzeit so die Böcke anlocken). In Richard Dünsers zweisätzigem Streichtrio „Canta en el viento frio“ nach einer Zeile aus der „Ode an den Regen“ von Pablo Neruda, das Michaela Girardi gewidmet ist und im Winter in Salzburg uraufgeführt wurde, gesellte sich die Cellistin Jessica Kuhn als dritte dazu, die mit dem satten Klang ihres meisterlich gespielten Cellos von Joseph Gaffino aus dem 18. Jh. aufhorchen ließ. Girardi und Kuhn interpretierten dann mit virtuosem Schwung und Spielfreude die „Suite nach serbischen Volksmelodien“ der in München lebenden Komponistin Dijana Bošković, an deren Komposition Kuhn mitbeteiligt war. Von Glissandi über col-legno-Partien und Arpeggien bis zu Gesangseinlagen der beiden Damen war da alles drin.

Der zweite Teil war Dünsers Bearbeitungen der „Vierzehn deutschen Volkslieder“ von Brahms gewidmet, die ursprünglich für Klavier und Singstimme geschrieben sind. Dünser, der selbst dirigierte, setzt ein Bläserquintett, zwei Geigen, Bratsche, Cello, Kontrabass und Harfe ein und verleiht diesen Kompositionen damit ein ungleich farbigeres Gewand. Die Sopranistin Elisabeth Breuer mit ihrer schlanken, ausdrucksfähigen Stimme und ihrer suggestiven Mimik machte aus jedem Lied eine eigene kleine Szene. Großer Applaus – dann folgte noch eine ebenso humorvolle wie informierte Laudatio auf Richard Dünser, gehalten vom Klarinettisten Martin Schelling, der etwa berichtete, dass Dünser wegen seiner traditionsfreundlichen Komponierweise von den Wiener Symphonikern als „Vor-Alban-Berger“ bezeichnet wurde.  Ulrike Längle