Direkte Konfrontation mit dem Publikum

Kultur / 05.06.2019 • 20:47 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Was in den letzten 25 Jahren bei Tanz ist unter der Leitung von Günter Marinelli ist gezeigt wurde, soll in einer Installation erfahrbar werden. VN/Steurer
Was in den letzten 25 Jahren bei Tanz ist unter der Leitung von Günter Marinelli ist gezeigt wurde, soll in einer Installation erfahrbar werden. VN/Steurer

Günter Marinelli, Leiter des Tanz ist-Festivals, verstärkt die Zusammenarbeit mit den Schulen.

Dornbirn Der Umfang des Programms soll nach Möglichkeit so bleiben, die Zusammenarbeit mit Vorarlberger Schulen will Günter Marinelli (59), wie er im Gespräch mit den VN erläutert, jedoch ausbauen. Vor Beginn der aktuellen Auflage des Tanz ist-Festivals vom 6. bis 16. Juni am Spielboden in Dornbirn steht einmal kein Rückblick, sondern ein Ausblick. Das Interesse von Jugendlichen und Pädagogen an seinem Angebot stimmt den Tänzer, Choreografen und mittlerweile seit zweieinhalb Jahrzehnten erfolgreichen Kulturvermittler zuversichtlich: „Hinter uns liegt ein langer Kampf, aber mittlerweile kommen die Schulen auch selbst auf uns zu.“

In fünf Gymnasien des Landes, darunter ist jenes in Egg, in Lauterach und in Dornbirn, werden in der kommenden Woche namhafte Tänzer zugegen sein, um Workshops durchzuführen. Bekanntester Leiter neben Nicole Berndt-Caccivio und Aiko Kazuko Kurosaki ist der britische Tänzer und Choreograf James Wilton, dessen Vokabular unter anderem im brasilianischen Kampftanz Capoeira verwurzelt ist. Marinelli: „Das gefällt den Jungen Leuten sehr, Wilton vermittelt ihnen sofort einen Zugang, ich konnte selbst erfahren, wie gut das funktioniert.“ Im Mittelpunkt der selbstverständlich immer eingeholten Rückmeldungen steht die Aussage, dass die Jugendlichen jeweils selbst überrascht sind, was sie bei entsprechender Anleitung und Motivation zu leisten imstande sind. „Gerade die Burschen waren am Anfang sehr skeptisch und dann erstaunt, was alles möglich ist.“ Und natürlich werde danach getrachtet, die jungen Menschen dann auch zum Besuch von Aufführungen zu ermuntern. Mindestens ein Projekt dürfte in diesem Jahr auf jeden Fall auf dem Terminkalender von Schülerinnen und Schülern stehen.James Wilton zeigt mit seinem Ensemble am 14. und 15. Juni als Österreich-Premiere am Dornbirner Spielboden nämlich das Stück „The Storm“. Tänzerinnen und Tänzer lassen dabei Emotionen scheinbar außer Kontrolle geraten.

Internationaler Tanznachwuchs

Namen von Vertretern der jungen Szenen, die heuer auf dem Programm stehen, verweisen auch auf die Zukunft. Marinelli will zeigen, was international abgeht bzw. mit wem man rechnen muss. Redouan Ait Chitt aus Holland ist ebenso dabei wie Shailesh Bahoran aus Surinam. Und weil ein Verweis auf die Tanz ist-Geschichte, die mit Performances im Bregenzer Festspielhaus begann, nicht fehlen soll, tritt mit Chris Haring heuer auch ein Künstler auf, der in Vorarlberg einige Projekte realisierte. Zu sehen ist „Foreign Tongues – Babylon (Slang)“, ein Stück, das in direkter Konfrontation mit dem Publikum abläuft und in dem verschiedene Mundarten, auch Dialektbegriffe aus Lustenau, verarbeitet wurden. Im Ausblick auf den Herbstteil des Festivals taucht der Name Renate Graziadei auf. Mit der aus der Schweiz stammenden, seit Jahren erfolgreichen Tänzerin, hat Günter Marinelli im Jahr 1994 sein Tanz ist-Abenteuer begonnen. VN-cd

„Die Jugendlichen zeigen sich immer überrascht, wie viel sie zu leisten imstande sind.“

Auftakt am 6. Juni mit „Foreign Tongues“ von Chris Haring. Weitere Aufführungen bis 16. Juni am Spielboden Dornbirn: www.spielboden.at