Musiktipps. Von Fritz Jurmann zur Schubertiade in Schwarzenberg

Kultur / 06.06.2019 • 19:01 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

KÜNSTLER Cuarteto Casals

ALBUM Inventions – Beethoven-Streichquartette, Vol. 1

LABEL harmonia mundi (3 CDs)

Beethovens Streichquartette bilden als gewaltiger Kosmos so etwas wie die Königsklasse der Kammermusik. Die Beherrschung dieses Genres von höchster geistiger Durchdringung war eine Domäne Beethovens, mit der er zum meist unerreichten Leitbild geworden ist. Das Cuarteto Casals aus Barcelona hat den mutigen Schritt gewagt, den zahlreichen Einspielungen dieses gewaltigen 16-teiligen Gesamtwerkes eine neue Deutung beizufügen, die klanglich und interpretatorisch durchaus aufhorchen lässt. Auch darin, dass Beethovens Quartette nicht in chronologisch langweiliger Reihenfolge, sondern bereits in Vol. 1 mit den jeweils ersten Werken seiner drei Schaffensperioden veröffentlicht werden, zeigen sich Abgründe und Spannungen in der Entwicklung seiner ausgefallenen wie erhabenen Tonsprache. Die Katalanen werden dabei eins mit dem Titanen in seinem Streben nach absoluter Vollendung. Konzert 22. Juni, 16 Uhr

KÜNSTLER Renaud Capuçon, Violine

ALBUM Cinema

LABEL ERATO

 

Er ist unbestritten ein Publikumsliebling bei der Schubertiade, der fabelhafte französische Geiger Renaud Capuçon, der seit 2003 in bislang 39 Auftritten mit seinem beseelten Spiel die Herzen der Schubertianer im Sturm erobert hat. Sein breites Repertoire und seine unverkrampfte Sichtweise auf die Musik beweist er in diesem aktuellen Album mit unvergessenen Filmmelodien aus der Unterhaltungsschublade. Kein Problem für ihn, denn alles, was Capuçon da mit den Brüsseler Philharmonikern unter Stéphane Denève präsentiert, zeugt durchwegs von gutem Geschmack, Stilempfinden und Qualitätsbewusstsein. Auch unter den Komponisten findet man so klingende Namen wie Nino Rota, Michel Legrand, Henry Mancini oder Ennio Morricone. Das reine Vergnügen also für Leute, die sich einmal eine gute Stunde lang Kinovergnügen ohne Bild, dafür im perfekten Soundtrack gönnen wollen. Konzerte 25. Juni, 16 Uhr, 26. Juni, 20 Uhr

KÜNSTLER Elisabeth Kulman, Mezzosopran, Eduard Kutrowatz, Klavier

ALBUM Lieder von Schumann, Schubert, H. Reiter

LABEL ORFEO

Diese Aufnahme wurde im Schwarzenberger Angelika-Kauffmann-Saal produziert, der so wie der Markus-Sittikus-Saal in Hohenems immer mehr von Künstlern und Plattenfirmen für diesen Zweck nachgefragt wird. Es ist der Live-Mitschnitt eines umjubelten Liederabends vom August 2017 mit der gefeierten Mezzosopranistin Elisabeth Kulman, die sich zwei Jahre zuvor in bemerkenswerter Konsequenz vom oftmals lauten Regietheater verabschiedet hat und nur noch den Liedgesang pflegt. Gemeinsam mit ihrem vertrauten Klavierpartner Eduard Kutrowatz ist sie seitdem bekannt für ihre eigenwillige Liedauswahl, diesmal mit Bruchstücken aus Schumanns „Frauenliebe und Leben“ und Klavierstücken. Kulman verschmilzt solche Kontraste mit größter Natürlichkeit und Wärme ihres kostbaren Mezzo, dass man auch über den bloßen Hör­eindruck meint, die Zeit sei stillgestanden. Konzert 26. Juni, 16 Uhr

KÜNSTLER Till Fellner, Klavier

ALBUM Beethoven, Liszt

LABEL ECM New Series

 

Der Wiener Pianist Till Fellner gehört seit 1994 zum geschätzten festen Bestand der Klavierkünstler bei der Schubertiade, sein jugendliches Aussehen ist seit damals fast unverändert. Der Schüler des großen Alfred Brendel hat sich heute längst das große Konzertrepertoire und die bedeutendsten Säle der Welt erobert. Die vorliegende CD vereint eine zeitlich, örtlich und stilistisch weit auseinanderliegende Mischung zweier Livemitschnitte. Liszts „Premier Année“ mit Eindrücken aus der Schweiz wird kontrastiert mit Beethovens letzter Klaviersonate Nr. 32. Liszt wurde 2002 im Wiener Musikverein aufgenommen, Beethoven 2010 im US-amerikanischen Middlebury. Beide Einspielungen zeigen Fellner in einer Mischung aus jugendlicher Frische und routinierter Abgeklärtheit, mit der von ihm stets bekannten technischen Überlegenheit und seinem eher vorsichtig überlegten gestalterischen Zugang. Konzert 27. Juni, 20 Uhr.