Theaterfestival Luaga & Losna: Stücke, die stark machen

11.06.2019 • 19:49 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Gruppe  Töchter der Kunst brachte am gestrigen Auftaktabend „Verdrehte Welt Wunderland“ in den Ramschwagsaal nach Nenzing.  Oliver Lerch
Die Gruppe Töchter der Kunst brachte am gestrigen Auftaktabend „Verdrehte Welt Wunderland“ in den Ramschwagsaal nach Nenzing. Oliver Lerch

Theaterfestival Luaga & Losna widmet sich heuer dem Glück, denken zu können.

Christa Dietrich

Nenzing Die Gruppen kommen dieses Mal vor allem aus Deutschland, aber auch aus der Schweiz, Belgien und Österreich, geboten wird bei „Luaga & Losna“ seit nunmehr 30 Jahren Theater für Menschen ab etwa drei Jahren, wobei die eigentliche Zielgruppe Schülerinnen und Schüler sind. Ein umfangreiches Repertoire hat man somit auch in der 31. Saison aufzubieten, die am gestrigen Dienstagabend begann. Laut Johannes Rausch, Gründer und Leiter eines Festivals für die Region, das seit Anbeginn diesen Vorsatz schon im Namen trägt, geht es bei Zuschauen und Zuhören (womit der sinnvolle Dialekt-Titel für alle hoffentlich auch von auswärts Kommenden übersetzt sei) dieses Mal um das Glück. Vielleicht auch um das Glück, gelegentlich laut denken und nachdenken zu dürfen oder in der Lage zu sein, Vernunft wirklich definieren zu können, Manipulation zu entlarven und echte Empathie, also Mitgefühl, zu entwickeln.

Weltliteratur

Damit wäre man bei den großen Themen der Zeit, die auch das Auftaktstück im Ramschwagsaal in Nenzing in den Fokus stellte. Töchter der Kunst nennt sich ein österreichisches Ensemble, das oft im kleinen Wiener Theater Drachengasse auftritt und dessen Mitglieder auch akrobatische Fähigkeiten mitbringen. Nicht übermäßig, das heißt nicht so eingesetzt, dass das Staunen plötzlich vor dem Luaga und Losna gefragt wäre, verleihen Trapezakte und Jonglage dem Werk „Verdrehte Welt Wunderland“ einen märchenhaften Touch. Diesen treibt Stephan Lack, der Texter der Truppe, seiner Vorlage „Alice im Wunderland“ von Lewis Carroll nämlich aus, wenn er den Klassiker mit dem bekannten Nonsense und einigen Anspielungen auf gesellschaftliche Verhältnisse zur handfesten Politsatire heranwachsen lässt. Dass Spiel und Botschaft in schöner Balance daherkommen, dass „Verdrehte Welt Wunderland“ zu den Stücken zählt, die stark machen, dafür sorgt mit Nico Wind eine Regisseurin, die ihrer Gruppe viel Handwerk abverlangt, das auch gutes Figurentheater auszeichnet. Bis die Geschichte um Mechanismen der zunehmend diktatorischen Herrschaft, die zu Beginn von einigen gar als recht bequem empfunden werden, doch noch positiv, also mit beglückender Aussicht auf Freiheit, ausgeht, müssen sich viele kleine Verwandlungs- und Spielszenen zu einem fantasiereichen Ganzen fügen.

Während das deutsche Theater Wolkenstein am Mittwochvormittag den Kleinkindern Freude am Vorlesen vermittelt, richtet sich die belgische Gruppe TOF am Nachmittag an mindestens Achtjährige mit einem Werk, das wiederum die Menschlichkeit in den Mittelpunkt stellt. Am Donnerstag kommt mit „Hannah Arendt auf der Bühne“ Philosophie hinzu.

Dramatikerbörse

Johannes Rausch, seinen Mitstreitern Sabine Wöllgens und Matthias Bitschnau und vor allem auch dem Einsatz des bekannten Schriftstellers Gerhard Ruiss ist es zu verdanken, dass wieder eine Dramatikerbörse angeboten wird. Mit Analysen von Stücken, die Kinder stark machen, schärfen heuer elf Autoren ihre Kenntnisse.

Die Aufführungen bei Luaga & Losna finden bis 15. Juni im Ramschwagsaal in Nenzing statt. Nächste Produktion, 12. Juni, 10 Uhr, „Lippalabelle“ für Kinder ab drei Jahren.