Das Glück wuchert weiter

14.06.2019 • 18:44 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Aljoscha wurde 2017 im Kunstraum Dornbirn präsentiert.VN/Steurer
Aljoscha wurde 2017 im Kunstraum Dornbirn präsentiert.VN/Steurer

Maximilian Hutz bringt den Künstler Aljoscha in die Wirke.

Hard Es ist ein Ort der Entschleunigung, der diesem mitunter strapazierten Begriff absolut gerecht wird. In einem Ortsteil der Bodenseegemeinde Hard, in dem bis vor einigen Jahren Textilien produziert wurden und in dem sich nun kleinere Betriebe, Dienstleister oder Büros in fachgerecht adaptierter Architektur angesiedelt haben, hat auch die Kreativität ihren Platz bekommen. Neben dem Veranstaltungsraum Spannrahmen mit der Adresse In der Wirke repräsentiert die Galerie Maximilian Hutz diese Entscheidung. Dass in einem großzügig gestalteten, hohen und lichtdurchfluteten Gebäude, obwohl ursprünglich vorgesehen nun doch keine alten Autos zur Schau gestellt werden, erwies sich für den Vorarlberger Galeristen als besonders günstig. Den jüngeren Vertretern der zeitgenössischen Kunst hat sich Hutz verschrieben und der Glücksfall der Standortfindung kommt in der gegenwärtigen Ausstellung wohl im Besonderen zum Ausdruck.

Biologie und Philosophie

Man erinnere sich. Vor eineinhalb Jahren lud der Kunstraum Dornbirn den ukrainischen Künstler Aljoscha (geb. 1974) in die Montagehalle neben der inatura. Eintreten und glücklich sein, hieß es damals. Vom Ergebnis seiner Auseinandersetzung mit der synthetischen Biologie und Philosophie, mit biochemischen Prozessen oder der Tatsache, dass die Menschen entstanden sind, weil wohl irgendwann in einem Wachstumsprozess ein Zufall eintrat, der zu einer Abweichung der Form führte, war Maximilian Hutz so fasziniert, dass er Kontakt mit Aljoscha aufnahm und ihn für eine Arbeit in der eigenen Galerie zu gewinnen versuchte.

Es hat geklappt. Das Ergebnis füllt einerseits den Raum und konfrontiert die Besucher mit einzelnen Skulpturen und Wandobjekten, die unwillkürlich an Evolution, Gene, Biologie, an Wucherungen oder ganz einfach an die Filigranität unseres Lebens denken lassen. Daneben bieten Aljoschas Skulpturen und Installationen die Möglichkeit, sich schlicht und einfach einmal dem ästhetischen Genuss hinzugeben.

Akribisch aufgebaut

Mit „Geschwindigkeitsbeschleunigung der Evolution“ ist die Schau überschrieben. Freilich stellt sich der Eindruck ein, dass diese an der Natur angelehnten, aber höchst kunstvoll überhöhten Gebilde einmal alles überwuchern könnten. Aber was bedeutet das schon? An die Gesellschaft habe er gedacht, als er völlig transparente Formen aus Polymethylacrylat mit farbigen Teilen kombinierte, als seien bunte Vögel in eine Gruppe von angepassten vorgedrungen. Die kleinen Objekte, die an Werke erinnern, mit denen er einmal martialische Monumentruinen aus dem Sowjet-System begrünte, werden akribisch Tropfen für Tropfen mit Acryl aufgebaut.

Aljoscha wurde in Glukhov in der Ukraine geboren, hat unter anderem in Düsseldorf studiert und lebt dort bereits seit einiger Zeit. Neben zahlreichen Einzelausstellungen in Deutschland waren die Arbeiten des Künstlers etwa in Russland, Bulgarien und eben auch in Österreich zu sehen. Nicht selten sind es historische Räume, die er zu bespielen versteht. In der Galerie Maximilian Hutz liegen zahlreiche Kataloge auf, darunter jener, der vom Kunstraum Dornbirn herausgebracht wurde, aber auch eine kleine Broschüre, in der ein Projekt dokumentiert ist, das der Künstler in einer Schule in Kenia realisierte. „Die Menschen sind dann glücklich, wenn sie etwas Neuartiges entdecken. Besonders sieht man das Kindern an“, bemerkte er bei seinem ersten Auftreten in Vorarlberg. Seine Arbeiten beflügeln die Fähigkeit, etwas geistig zu erfassen. Es daneben auch Kindern gleichzutun, kann ebenfalls eine beglückende Erfahrung sein. VN-cd

Rundum Business, mittendrin eine Kunstoase, das ist die Galerie Maximilian Hutz. Galerie/König
Rundum Business, mittendrin eine Kunstoase, das ist die Galerie Maximilian Hutz. Galerie/König

Die Ausstellung mit Arbeiten von Aljoscha ist in der Galerie Maximilian Hutz in Hard (In der Wirke 4) bis 27. Juli geöffnet, Do und Fr, 16 bis 18 Uhr; Sa, 10 bis 12 Uhr.