Kindern Zugänge zur Musik ermöglichen

Kultur / 14.06.2019 • 19:51 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Vorarlberger Schülerinnen und Schüler sowie Studierende organisieren gemeinsam das Musikprojekt „Weltklänge – Musik, die verbindet“. TaS
Vorarlberger Schülerinnen und Schüler sowie Studierende organisieren gemeinsam das Musikprojekt „Weltklänge – Musik, die verbindet“. TaS

Junge Musikerinnen und Musiker haben ein Musikvermittlungsprojekt erstellt.

Feldkirch Lea und Hannah lernten sich im Jugendsinfonieorchester Dornbirn kennen. Sie besuchten gemeinsam das Musikgymnasium Feldkirch und organisierten gemeinsam den interkulturellen Musiksommer 2018. Lea Christa (21 Jahre) studiert mittlerweile Philosophie und Psychologie an der Universität Wien. Hannah Eberle (21 Jahre) studiert Violoncello am Vorarlberger Landeskonservatorium. „Mithilfe der Musik wollen wir uns auf den Weg machen und Kindern Zugänge zur Musik ermöglichen, unabhängig von deren kulturellem, religiösem, sprachlichem oder ökonomischem Hintergrund.“ 

 

Sie haben beide das Musikgymnasium in Feldkirch besucht. In welcher Form begleitet Sie denn die Musik noch heute?

Eberle Nachdem Lea und ich die Matura geschafft hatten, hatte ich das Glück, bei einem musikalischen Sozialprojekt in Namibia, beim APC in Tsumeb, Erfahrungen als Cellolehrerin zu sammeln. Danach war klar für mich, dass ich die Musik als Beruf weiter ausüben möchte.

Christa Ich studiere jetzt Psychologie, Politikwissenschaft und Philosophie an der Universität Wien, aber Musik ist nach wie vor eine meiner großen Leidenschaften geblieben. Die Musik begleitet mich schon mein ganzes Leben lang und ist nach wie vor ein wichtiger Bestandteil meines Lebens. Ich mache Kammermusik, spiele gelegentlich Orchesterprojekte oder übe Viola.

 

Im vergangenen Sommer haben Sie ein dreitägiges Musikvermittlungsprojekt für Kinder in der Region angeboten. Was waren Ihre Beweggründe dafür?

Christa Meine Freundin Ola L. und ich haben beide in unserer Kindheit viel musiziert. Sie hat in Damaskus Violine gelernt. Ola musste u. a. ihre Violine in Syrien lassen, als sie 2015 nach Österreich gekommen ist. Ihr fehlte das Musizieren und wir hatten dann die Idee einen Musiksommer zu veranstalten. Uns war zum einen das gemeinsame Musizieren und zum anderen der kostenfreie Zugang ein Anliegen.

 

Welche Ziele verfolgen Sie mit der Musikvermittlung?

Christa Ich persönlich verfolge keine konkreten Ziele. Wir sind ein Team, das gerne Musik macht, das Beisammensein genießt und Solidarität zeigen möchte. Wir wollen Räume der Begegnung schaffen, in denen Freundschaften geknüpft werden können. Dazu haben wir ein Leitbild verfasst, das auf unserer Seite zu finden ist. Für viele ist Musik ein wunderbares Mittel zur Integration oder dient als Vorbereitung für den Arbeitsmarkt. Das ist es für uns nicht. Wir machen Musik, weil wir das gemeinsame Singen und Musizieren lieben.

 

Wie ist das Projekt bei den Kindern angekommen?

Eberle Ich habe die Kinder bei dem Projekt voller Freude erlebt. Wir haben gesungen, getanzt, getrommelt und gespielt. Vor allem wurden auch neue Freundschaften geknüpft, viele Kinder vom letzten Jahr werden auch dieses Jahr wieder dabei sein.

Christa Das Projekt ist sehr gut angekommen und wir hatten eine unvergessliche Zeit in Klaus. Am letzten Tag waren manche Kinder sehr traurig, weil es schon vorbei war. Andere Kinder waren sehr inspiriert und wollten unbedingt ein Musikinstrument lernen. Ich habe ihnen versprochen, dass ich versuchen werde, den Musiksommer erneut zu organisieren. Es war mir letztes Jahr ein Anliegen, dass es bei einem erneuten Stattfinden über die musikalischen Aktivitäten im Sommer hinaus geht. Wir wollen eine nachhaltige Veränderung im Leben der Kinder schaffen. Ich freue mich sehr, dass das Projekt 2019 erneut stattfinden wird und wir nach dem Musiksommer regelmäßigen Unterricht anbieten können.

 

Was ist für den kommenden Sommer geplant? Wer und wie kann man sich anmelden?

Christa Im August ist ein internes Fortbildungswochenende für das Team geplant. Da werden wir uns vorbereiten und aktuelle Themen besprechen. Anschließend starten wir vom 26. bis 30. August eine musikalische Weltreise. Wir haben das Projekt „Weltklänge – Musik, die verbindet“ genannt, weil wir mit den Kindern um die Welt reisen werden und jeden Tag einen anderen Kontinent besuchen wollen. Wir werden Lieder in verschiedenen Sprachen singen, Essen aus aller Welt kennenlernen und den Sommer genießen. Wir werden die kulturellen Unterschiede kennenlernen und uns gleichzeitig spielerisch mit dem Konzept Kultur und Identität kritisch auseinandersetzen und Gemeinsamkeiten suchen. Ola und ich haben während unserer Freundschaft gemerkt, dass wir viel mehr gemeinsam haben als wir anfangs dachten, da wir der gleichen Klasse angehören und ähnliche Themen haben, die uns beschäftigen. Ich hoffe, dass viele Menschen ähnliche Erfahrungen wie ich machen können und ich denke, dass der Weltklänge-Sommer so ein Ort sein wird. Anschließend werden wir jeden Samstag kostenfreien Musikunterricht (Chor- sowie Instrumentalunterricht) anbieten. Unterrichtet werden die Kinder von Studierenden des Vorarlberger Landeskonservatoriums. Mookho Boitumelo Rankhala wird gemeinsam mit anderen Studierenden den Chor leiten. Das Projekt richtet sich an alle Kinder, die gerne Musik machen möchte und es sind keine Vorkenntnisse notwendig.

 

Wer ist an diesem Projekt beteiligt? Wer unterstützt und finanziert Sie?

Christa In der Vorbereitung aber auch Umsetzung des Projektes sind derzeit rund 25 Personen beteiligt. Was uns eint, ist die Liebe zum gemeinsamen Musizieren und unsere Überzeugung, dass Zugang zu Bildung frei sein sollte. Finanziell werden wir durch eine Förderung vom Europäischen Solidaritätskorps, einer Initiative der EU, unterstützt. Sie fördert das Engagement junger Menschen in Projekten und Aktivitäten, die der Gemeinschaft zugutekommen. Dafür sind wir sehr dankbar, denn ohne diese Förderung könnte das Projekt nicht stattfinden. Unser Projekt ist sehr ambitioniert und die EU-Förderung von 4000 Euro reicht nicht aus, um das Ganze langfristig zu finanzieren. Deswegen starten wir eine Crowdfunding-Kampagne, die man auf unserer Website oder auf Facebook findet, und freuen uns über finanzielle Unterstützung, aber auch über Instrumente für Kinder.

 

Was dürfen wir uns vom Benefizkonzert am 19. Juni im Theater am Saumarkt erwarten?

Eberle Das Konzert soll auch die Vielfalt widerspiegeln. Es werden Studierende des Vorarlberger Landeskonservatoriums für und mit uns musizieren. Die Stücke reichen von der Klassik bis in die Gegenwart und es werden einige Eigenkompositionen, deren Komponisten und Komponistinnen selbst musizieren, zu hören sein. Dazwischen wird es kurze Textfragmente geben, die von Matthias Seewald gelesen werden. VN

Lea Christa und Hannah Eberle waren gemeinsam am Musikgymnasium.
Lea Christa und Hannah Eberle waren gemeinsam am Musikgymnasium.

19. Juni, 20.15 Uhr, Theater am Saumarkt, Feldkirch, Weltklänge-Benefizkonzert mit dem Fidelis-Quartett und Freunden: www.weltklaenge.at