Mit gewissen Dingen den Nagel auf den Kopf getroffen

14.06.2019 • 20:39 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
VALIE EXPORT mit einer Installation, die sie vor einigen Jahren im Kunsthaus Bregenz verwirklichte. Vn/Paulitsch
VALIE EXPORT mit einer Installation, die sie vor einigen Jahren im Kunsthaus Bregenz verwirklichte. Vn/Paulitsch

Österreichische Künstlerin VALIE EXPORT erhält einen der renommiertesten Kunstpreise.

Zürich, Bregenz VALIE EXPORT erhält den mit 150.000 Schweizer Franken (rund 134.000 Euro) dotierten Roswitha-Haftmann-Preis. Damit wird die 1940 geborene österreichische Filmemacherin, Medien- und Performancekünstlerin, die seit 1967 ihren Künstlernamen als künstlerisches Konzept und Logo führt, für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Sie zählt zu den wichtigsten internationalen Pionierinnen der genannten Kunstgattungen. Die Auszeichnung, welche die Stiftung seit 2001 an lebende Künstlerinnen und Künstler vergibt, wird VALIE EXPORT am 27. September im Kunsthaus Zürich übergeben. Ihre Körper-Aktion „Tapp und Tastkino“, bei der Passanten ihre in einem Pappgehäuse entblößten Brüste berührten, löste einen filmisch und fotografisch dokumentierten Skandal aus, der, gemäß der Jury, zum Gründungsmythos des sogenannten Aktionismus gehört und bis heute nachwirkt.

VALIE EXPORT nahm in den Jahren 1977 und 2007 an der Weltkunstschau documenta in Kassel teil und repräsentierte 1980 Österreich zusammen mit Maria Lassnig (ebenfalls Haftmann-Preisträgerin) auf der Biennale in Venedig. Sie hatte Professuren an den Kunsthochschulen in Wisconsin-Milwaukee, Berlin und Köln inne und war und ist bis heute in zahlreichen internationalen Ausstellungen vertreten. Sie lebt und arbeitet in Wien.

In Bregenz und Innsbruck

Das Kunsthaus Bregenz präsentierte unter Yilmaz Dziewior ihr Archiv sowie neue Arbeiten vor einigen Jahren in einer umfangreichen Ausstellung. Auf die damalige Interview-Frage, wie die Leute auf ihre legendären Performances im öffentlichen Raum, die filmisch dokumentiert sind, aus ihrer Perspektive wirklich reagiert haben, meinte sie: „Verwundert und belustigt, die Leute haben ja noch gar nicht so wirklich gewusst, was Performances sind. Das sind auch Projekte, die, wie man sieht, bis heute wirken. Es ist einfach so, dass man mit gewissen Dingen den Nagel auf den Kopf getroffen hat.“ Auf Schloss Ambras in Innsbruck hat die Kunsthistorikerin Sabine Folie im Vorjahr eine vielbeachtete Schau mit Werken der Künstlerin kuratiert, in der auf die weiblichen Aspekte in der Geschichte des Ortes Bezug genommen wurde.

Die Auszeichnung geht auf die Initiative von Roswitha Haftmann (1924–1998) zurück. Seit 2001 vergibt ihre Stiftung den Preis an lebende Künstlerinnen und Künstler, deren Werk von überragender Bedeutung ist. Der Jury gehören die Direktorinnen und Direktoren des Kunstmuseums Bern, des Kunstmuseums Basel, des Museum Ludwig in Köln und des Kunsthaus Zürich an. Hinzu kommen Mitglieder, die vom Stiftungsrat berufen werden. VN