Mit Poseidon in der Disco

14.06.2019 • 17:51 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die „Titanen in der Box“ zogen die Blicke auf sich. sorko
Die „Titanen in der Box“ zogen die Blicke auf sich. sorko

Im Kunstraum Innsbruck werden konventionelle Ausstellungspraxen auf den Kopf gestellt.

Innsbruck Etablierte Strukturen sollen gesprengt werden. Das Künstlerkollektiv „Experimental Setup“, bestehend aus Bosko Gastager und Kata Hinterlechner, verzichtet auf gewöhnliche Präsentationsformen. Die Künstler verfolgen die Intention, die standardisierte Rollenaufteilung zwischen den Akteuren und den Beobachtern aufzuheben. „Es ist ein Versuch und es wird nicht der letzte bleiben. Wir sind kein Künstlerkollektiv, das ein Konzept streng durchzieht, das wäre uns viel zu langweilig“, sagt Gastager. „Es bleibt für die Rezipienten spannend, die Betrachter und Betrachterinnen werden nicht alle dasselbe sehen, auch wiederkehrende Besucher werden auf Veränderungen stoßen“, ergänzt Hinterlechner. Auf eine klassische Vernissage, Eröffnungsreden und Werkbeschreibungen wurde verzichtet, stattdessen fand ein „Prolog“ statt. Ein DJ legte Musik auf, der Ausstellungsraum wurde abgedunkelt und durch bewegliche Lichtprojektoren beleuchtet. Als Besucher konnte man sich am Anfang durchaus nicht sicher sein, ob man sich gerade in einer Ausstellung befindet, oder doch in einer Disco. Schlussendlich war aber eines klar, die Besucher beschäftigten sich intensiv mit den 60 Objekten, die sich auf griechische Mythen und Göttergeschichten beziehen.

Protagonisten schnallten sich Kunstobjekte um und wanderten durch die Besuchermenge hindurch. Die Künstler bauten für Zeus einen kleinen Altar. Seinem Bruder Poseidon, dem Gott des Meeres, wurde im Rahmen eines Werks eine filigrane Disco gewidmet. Die berühmte Weissagungsstätte Orakel von Delphi wurde von dem Künstlerkollektiv ebenfalls aufgegriffen. Mehrere blonde Haarzöpfe wurden auf einen weißen Sockel platziert und sollen Assoziationen an das geflügelte Pferd Pegasus hervorrufen. In einer Kiste platzierten die Künstler zwei lebensgroße Figuren in Arbeitskleidung. Dieses Werk zog besonders viele Blicke auf sich, da die Kiste mit den „Titanen in der Box“ erst im Laufe des Abends geöffnet wurde. Zweifelsohne wurde die Ausstellung zu einem Kommunikationsort.

Erfahrbar gemacht

Auf den ersten Blick ist es kaum möglich, alle Werke zu erfassen. Das Duo hat sich auf kein Material beschränkt, gearbeitet wird unter anderem mit getrockneten Blüten, Styropor, Pflanzen oder auch mit Glas. Die Installation soll aus Sicht der Künstler eine fortschreibende Erzählung sein. Die Anordnung der Objekte und auch der Ablauf wird sich während der Ausstellungsdauer verändern. Gastager: „Bei vielen zeitgenössischen Ausstellungen ist die Theorie sehr dominant, oftmals fehlt den Menschen der Zugang. Dadurch wird die Erfahrung von Kunst weitgehend verdrängt.“ mir

Geöffnet im Kunstraum Innsbruck bis 22. Juni, Di bis Fr 12 bis 18 Uhr, Sa 10 bis 15 Uhr.