Schlecht erzogen, die Politiker von heute

14.06.2019 • 20:39 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Stück „An der Schwelle“ der Vorarlberger Autorin Daniela Egger wurde am Freitagabend in Bregenz uraufgeführt. lt/köhler
Das Stück „An der Schwelle“ der Vorarlberger Autorin Daniela Egger wurde am Freitagabend in Bregenz uraufgeführt. lt/köhler

„An der Schwelle“ von Daniela Egger wurde mit Jugendlichen und dem interkulturellen Verein Motif uraufgeführt.

Christa Dietrich

Bregenz Die Leistungen von Frauen wurden in der Geschichtsschreibung gerne einmal unterschlagen. Der Umstand ist bekannt, hinnehmen wollten ihn die Mitglieder des Jugendclubs 13+ des Vorarlberger Landestheaters jedoch nicht. Die Generation, die mitverfolgt, wie die Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg wahrgenommen wird, geht zum Ende der Theatersaison nicht auf die Straße, man holt die Menschen zu sich. Gestern Abend hat das bestens funktioniert. Gemeinsam mit dem schon seit Jahren aktiven interkulturellen Verein Motif und der Vorarlberger Schriftstellerin Daniela Egger wurde das Stück „An der Schwelle“ konzipiert und uraufgeführt.

Großer Jubel herrschte im Bregenzer Theater Kosmos, das dieses Mal das Podium für ein Projekt zur Verfügung stellt, das abgesehen vom Inhalt auch aufgrund weiterer Faktoren Aufmerksamkeit generiert. Die Zusammenarbeit des Landestheaters mit dem von Yener Polat geleiteten Verein Motif ist gewiss für beide Unternehmen befruchtend, und während bei den letzten Jugendclub-Projekten die Erarbeitung eines Stücks im Mittelpunkt stand, das dann meist nur ein Mal präsentiert wurde, schickt man „An der Schwelle“ auf eine kleine Tournee. Dem Publikum in der Kummenbergregion, im Bregenzerwald und in Dornbirn ist in den nächsten Tagen und Wochen Partizipation in Aussicht gestellt, eine Initiative, die hervorzuheben ist.

Viel Gespür

Dass mit dem Begriff Geschichtsschreibung vor allem Konflikte bzw. Kriege gemeint sind, kommt auch hier zum Tragen. Egger heroisiert den Kampf von Bregenzerwälderinnen während der Schwedenkriege jedoch genauso wenig wie das Eingreifen von Halide Edib in der Türkei oder die Taten der Guta im mittelalterlichen Bregenz. Die historischen Ereignisse, die nach Möglichkeit aus verschiedenen Perspektiven und auch mit ein wenig Ironie betrachtet werden, mit dem grausamen gegenwärtigen Geschehen am Mittelmeer zu verknüpfen, dazu braucht es aber schon besonderes Geschick und viel Gespür. Ohne auf agitatorische Mittel zurückgreifen zu müssen oder Video-Effekte einzusetzen, wird mit dem Regisseur Michael Schiemer ein guter Weg gefunden, der die jugendlichen Schauspieler auch nicht überfordert. Wie immer bei solchen Fällen sind unter den gut 20 Akteuren ein paar herausragende Spiel- und Rhetorik-Begabungen, grundsätzlich braucht es aber jeden Mitwirkenden und das kommt auch so beeindruckend wie berührend zum Ausdruck.

Ihnen zuhören

Und somit kann die Produktion auch nicht nur in einer Thunberg-Rede gipfeln, in der Anmerkungen zur Gleichgültigkeit der Politiker bzw. Entscheidungsträger viel Zustimmung bzw. Szenenapplaus erhalten, im Zentrum steht die äußerst intensiv nachempfundene Erzählung von Pia Klemp. Dabei geht es nicht um Ereignisse von damals, sondern um das gegenwärtige Sterben im Mittelmeer. Die jungen Menschen wollen es ansprechen. Es ist das Mindeste, ihnen aufmerksam zuzuhören.

Weitere Aufführungen im Theater Kosmos am 15. und 16. Juni, 20 Uhr; im KOM in Altach (22. Juni), Hittisau, Dornbirn und Bizau: www.landestheater.org