Beeindruckende Virtuosität, sensible Musikalität

Kultur / 16.06.2019 • 18:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
David Kessler mit dem Orchesterverein Götzis unter Benjamin Lack. JU

Der 19-jährige David Kessler war Star der Götzner Orchestermatinee am Sonntag.

GÖTZIS Zweimal jährlich tritt der Orchesterverein Götzis mit Konzerten vor sein Publikum. Im Advent ist es in der Alten Kirche die gekonnte Pflichtübung unter der Führung seines bewährten Konzertmeisters Markus Ellensohn, im Juni aber, bei der Kür, läuft das Orchester jeweils zur Hochform auf, wenn ein Dirigent vom Format und dem Einfühlungsvermögen eines Benjamin Lack beweist, zu welchen Leistungen an Klangschönheit, Sauberkeit und Spielfreude auch ein aus Musiklehrern und Amateuren semiprofessionell aufgestelltes Orchester in der Lage ist.

Bei der gestrigen zehnten Matinee in der gut besuchten Kulturbühne AmBach kommt für das Orchester die traditionelle Verpflichtung hinzu, bei diesem Anlass auch jeweils einem heimischen Solisten ein Podium zu bereiten, bei dem er sich im Zusammenspiel frei entfalten kann. Der solistisch hier noch wenig in Erscheinung getretene David Kessler ist gerade 19, hat eben die Matura am Musikgymnasium Feldkirch bestanden und studiert bei Rudolf Rampf an der Musikhochschule Trossingen. Orchestererfahrung sammelte er bei internationalen Jugendorchestern wie der Orchesterakademie der Wiener Philharmoniker. Kessler ist Preisträger von Wettbewerben in Österreich, der Schweiz und Italien und gewann 2014 einen Sonderpreis für „beeindruckende Virtuosität, gepaart mit sensibler Musikalität“.

Hochbegabter junger Feldkircher

Und genau mit diesen Eigenschaften trumpft der hochbegabte junge Feldkircher in Mozarts bekanntestem Violinkonzert D-Dur so sehr auf, dass das Publikum aus dem Staunen nicht herauskommt. Ein Künstler ohne Künstlichkeit, mit einem gesunden Zugriff und dabei Feinsinn für die Schönheiten der Partitur, die er mit berückendem Ton und großer Sicherheit unaufgeregt und auswendig umsetzt. Lack verschafft ihm mit gemessenen Tempi einen schönen Freiraum zur Entfaltung, seine Jugendlichkeit eröffnet ihm einen erfrischenden Zugang zu dieser Musik. Dazu machen eine bereits erstaunliche Professionalität und Reife aus dem jungen Musiker den vom Publikum einhellig bejubelten Star dieses Vormittags, der stolze Vater Markus Kessler sitzt wie seit Jahren hier am zweiten Geigenpult. Da bahnt sich eine große Karriere an.             

Das Orchester hat seine Begleitfunktion mit aufmerksamem Zusammenspiel und einem wunderbar ausgewogenen Mozartklang glänzend bestanden und präsentiert sich im Umfeld nicht weniger kompetent mit einem neu einstudierten Repertoire eigener Orchesterwerke. Dafür hat Konzertmeister Markus Ellensohn diesmal abseits ausgetretener Konzertpfade zwei kostbare Raritäten ausgewählt, von denen man hier kaum die Komponistennamen kennt, und mit den Musikern vorstudiert. Es sind Werke, mit denen auch Benjamin Lack in seinem finalen Feinschliff als Dirigent seine Musiker fordern kann, ohne sie dabei zu überfordern.

Erst in neuerer Zeit wiederentdeckt wurde das Werk des deutschen Frühklassikers Anton Fils (1733-1760), dessen gefällige Symphonie g-Moll sich durch hübsche Einfälle und eine gekonnte Verarbeitung auszeichnet. Das Werk, das bereits den kommenden Mozart erahnen lässt, ist ideal für das Niveau des Orchesters, gelingt in sprühender Lebendigkeit und federnder Leichtigkeit. Von ganz anderem Zuschnitt ist eine spätromantisch geprägte Suite des ebenfalls wenig bekannten schwedischen Komponisten Kurt Atterberg (1887 -1974). Die fünf Sätze sind so etwas wie Studien für ein gut gebrieftes Streichorchester, mit leicht verfremdeten tänzerisch nordischen Volksweisen und endlos langen elegischen Melodien aus der weiten Landschaft des Nordens. Das ist Musik, die in ihrer Programmatik in Melodie und Harmonik doch besondere Anforderungen an die Ausführenden stellt, dank Lacks klarem Dirigat jedoch als kompaktes Klangpaket gelingt. Ein weiterer Erfolg dieses sogenannten Amateurorchesters auf seinem Weg zu professioneller Qualität.   Fritz Jurmann

Nächstes Konzert des Orchestervereins Götzis: 8. Dezember, Maria Empfängnis, Alte Kirche Götzis, Leitung: Markus Ellensohn