Mit der Gabe, Kompliziertes in überschaubare Konzepte zu übersetzen

Kultur / 16.06.2019 • 22:40 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Holzbauer plante zahlreiche Großbauten und mehrere Theaterhäuser. APA
Holzbauer plante zahlreiche Großbauten und mehrere Theaterhäuser. APA

Architekt Wilhelm Holzbauer, Planer des Bregenzer Landhauses, ist 88-jährig gestorben.

Wien Der bekannte österreichische Architekt Wilhelm Holzbauer ist im Alter von 88 Jahren in Wien verstorben. Er zählte zu den prominentesten, aber auch am meisten beschäftigten heimischen Architekten. Allein in Wien plante er u. a. Bürobauten in der Lasallestraße, den Andromeda-Turm auf der Donauplatte, ein Einkaufszentrum am Kärntner Ring oder die neue Fassade der Volksoper. In seiner Geburtsstadt Salzburg, wo er am 3. September 1930 zur Welt kam, gestaltet Holzbauer das Stadtbild wesentlich mit. Dort stehen seine wichtigsten frühen Bauten, etwa die Kirche in Parsch oder das Bildungshaus St. Virgil, sowie mehrere Bürogebäude, die Naturwissenschaftliche Fakultät und das neue Haus für Mozart im Festspielbezirk. Von 1977 bis 1998 hatte er eine Professur an der heutigen Universität für angewandte Kunst in Wien inne, von 1987 bis 1991 war er deren Rektor. 2000 wurde er mit dem Großen Österreichischen Staatspreis ausgezeichnet.

„Wilhelm der Erbauer“

Van der Bellen würdigte Holzbauer als „bedeutenden österreichischen Architekten“, der auch international tätig war. Kulturminister Schallenberg bezeichnete Holzbauer als „großen und wegweisenden Architekten. Holzbauers Architektur prägt unseren Alltag wie kaum ein anderes Schaffen eines österreichischen Architekten“, betonte er. Der Rektor der „Angewandten“, Gerald Bast, erinnert auch an die Tätigkeit Holzbauers als Hochschullehrer. Er habe nicht nur als Architekt „Großes“ geleistet, „sondern er bereitete insbesondere als Universitätsprofessor eine Vielzahl von Studierenden auf eine erfolgreiche Architekturkarriere vor“, würdigte der Rektor das verstorbene Ehrenmitglied der Universität. „Seine Persönlichkeit, die von Energie und Enthusiasmus gekennzeichnet war, wird unvergessen bleiben.“ Er habe den Beinamen „Wilhelm der Erbauer“ getragen. In Amsterdam realisierte er 1986 einen Opernneubau, in Baden-Baden dockte er ein mächtiges Festspielhaus an einen alten Bahnhof an. Gemeinsam ist allen Projekten, dass sie von der Gewaltigkeit der Baumassen wie von der Wucht der Architektursprache her kaum zu übersehen sind. „Er hat die Gabe, komplizierte Funktions- und Raumprogramme in Computerschnelle in räumliche, einfach überschaubare Konzepte zu übersetzen“, urteilte einmal Architekturkritiker Friedrich Achleitner.

Überlebender der „Andrea Doria“

Nach dem Besuch der Technischen Gewerbeschule in Salzburg studierte Wilhelm Holzbauer Anfang der 1950er-Jahre gemeinsam mit Gustav Peichl bei Clemens Holzmeister an der Wiener Akademie der Bildenden Künste. 1952 gründete er mit Friedrich Kurrent und Johannes Spalt die legendäre „arbeitsgruppe 4“. Ihre Entwürfe und Ideen galten als Meilensteine der österreichischen Architekturgeschichte. Beinahe wäre seine Karriere jedoch bereits 1956 zu Ende gewesen. Seine Reise als Fullbright Stipendiat in die USA mit der „Andrea Doria“ endete in einer Schiffkatastrophe. Holzbauer war unter den Geretteten. Einige Jahre lehrte er als Gastprofessor in den USA und Kanada. Trotz eines lukrativen Jobangebots von einem der größten Architekturbüros der Welt in Chicago kehrte er wieder in seine Heimat zurück. Weit mehr als 500 Projekte umfasst sein Werksverzeichnis. „Ich bin nicht mehr zu den Aufgaben gekommen, die mich wirklich interessieren“, sagte er in einem Interview. Als sein letztes großes Projekt bezeichnete er das Konzerthaus für Konstanz. Der Plan fiel allerdings bei der Bevölkerung durch und wurde nie realisiert.

„Bekenne mich zu einer Architektur, deren Wurzeln in einer pragmatischen Haltung liegen.“