Leiter der Art Bodensee mit einem Appell an die Sammler

Kultur / 21.06.2019 • 22:15 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Milan Mladenovic,  Artist in Residence (r.) mit Aram Haus, dem künstlerischen Leiter der Art Bodensee. Oliver Lerch
Milan Mladenovic, Artist in Residence (r.) mit Aram Haus, dem künstlerischen Leiter der Art Bodensee. Oliver Lerch

Aram Haus, Leiter der Art Bodensee, will auch die Galeristen in der Region stärken.

Christa Dietrich

Dornbirn Er habe immer gehört, dass es in Vorarlberg üblich sei, Kunstkäufe nicht im eigenen Bundesland zu tätigen, wünschen würde er sich aber, dass die Vorarlberger Sammlerinnen und Sammler verstärkt das Gegenteil tun, sich nämlich zu den Galerien vor Ort bekennen. Vor einigen Monaten wurde Aram Haus zum künstlerischen Leiter der Art Bodensee bestellt. Die Kunstmesse, die zum 19. Mal in Dornbirn stattfindet, bietet Gelegenheit, derlei Initiativen zu ergreifen. Haus hat Geige studiert, dann Kommunikationswissenschaft, hat im Bereich Performance und Musiktheater gearbeitet – hier auf einem Toplevel mit Bob Wilson -, leitet den Achse-Verlag, der etwa Koch-Kunstbücher herausbringt oder der Diskriminierung des weiblichen Geschlechts entgegentritt, und etabliert Kulturprojekte im Bereich von Aktivitäten diverser Unternehmen der EU.

62 Galeristen, viele Institutionen

Vor rund vier Monaten hat ihn die Dornbirner Messeleitung sozusagen aus der Tüte gezaubert, in einer Woche wird die Art Bodensee eröffnet. Einiges ist in der Tat neu. Nach einem Einbruch bei der Qualität und dem Rückzug fast sämtlicher Galerien aus Vorarlberg nach der kurzerhand erfolgten Verabschiedung der bisher tätigen Juroren im Vorjahr, war der Relaunch dringend notwendig. Hört man sich nun bei Vorarlberger Galeristen um, heißt es zuerst einmal, dass man mit Aram Haus einen dialog- und diskursbereiten, auf Kommunikation setzenden Experten an Land gezogen habe. Bei der Frage nach den Ausstellern im Gespräch mit den VN benennt Haus zwar die Zahl der Galeristen mit 62, zählt dann aber nicht die Kunsthändler, sondern die Institutionen auf. Wichtige Kunstvermittler sind die Galeristen zwar auch, aber das Kunsthaus, die Museen, den Kunstraum Innsbruck, den Kunstraum Dornbirn oder die Künstlervereinigung zusammenzuführen, ist Haus ein besonderes Anliegen. Dass er Maria Simma-Keller, die neue Präsidentin der Berufsvereinigung bildender Künstler Vorarlbergs, kennenlernen konnte, freut ihn besonders. So kommt eine Kooperation zustande. Maria Hassabi, die in New York tätige, aus Zypern stammende Performance-Künstlerin, die im Rahmen eines Projekts von Mathias Kessler nach Bregenz kommt, tritt auch in Dornbirn auf.

„Alle sind willkommen“

„Kulturquartier“ nennt er die Messe-Plattform, auf der sich die Leiter, Akteure und Künstler der verschiedenen Institutionen in der Region mit ihrem Publikum treffen sollen. Überhaupt will Aram Haus das tun, was viele tun, nämliche alle Menschen einladen. Ihm nimmt man es allerdings auch ab, wenn er meint, dass er Sorge hat, dass sich viele Leute nicht über die Schwelle trauen. „Es darf nicht sein, dass die Leute meinen, Kunst sei nichts für sie. Es ist mir sehr wichtig, dass das Ganze nicht zu intellektuell wird“, sagt er offen. Und es sei für ihn sozusagen eine Selbstverständlichkeit, dass er die Führungen für Kinder selbst übernimmt. Kunstvermittlung könne auch das Interesse am Erwerb von Kunst schüren, ist er überzeugt, womit die Kernaufgabe einer Kunstmesse angesprochen ist.

Experten-Jury

Die Galeristen kommen heuer vor allem aus Deutschland, aus Österreich, der Schweiz, Frankreich und Spanien. Dass sich in Osteuropa Interessantes tut, weiß er. „Das interessiert mich sehr, wir arbeiten daran, Verbindungen herzustellen.“ Die Wiener Unternehmen, die der Art Bodensee in den letzten Jahren fern geblieben sind, hat er wieder zu gewinnen versucht. Ein paar sind auf der Liste, die Galerie Krinzinger, deren Unternehmensgeschichte an sich im Westen Österreichs begann, werde im kommenden Jahr dabei sein. Die Art Bodensee soll auch ein Treffpunkt für neue Sammler oder Kunstliebhaber mit kleinerem Budget bleiben. Mit weniger als 1000 Euro ist man bereits dabei, Werke, deren Verkaufswert über die 100.000-Euro-Grenze hinausgehen, sind in Dornbirn ebenso vertreten. Eine Jury, für die keine Galeristen nominiert wurden, hat auf die Qualität geachtet. Ihr gehören Michaela Hetzel (Nitsch-Foundation), die Kunstmanagerin Ema Kaiser-Brandstätter, der Kunsthistoriker und Kurator Adrian Alexander Kowanz und Aram Haus selbst an. Der feministische Touch ist ihm wichtig: „Die Kunstwelt war absolut unfair auf weiße Männer ausgelegt, wir sind in der Bringschuld, diese Ungerechtigkeit etwas auszugleichen.“

Einen „Featured Artist“ hatte die Art Bodensee bekanntermaßen bis zum Jahr 2017 präsentiert. Der Künstler Harald Gfader war für die Auswahl verantwortlich. Erster Artist in Residence unter Aram Haus ist Milan Mladenovic aus Serbien, der bereits vor Ort arbeitet. Auf der Künstlerinnenliste der Sonderschauen steht Elke Krystufek.

Die Kunstmesse Art Bodensee findet vom 28. bis 30. Juni in Dornbirn statt, Fr, 14 bis 20 Uhr, Sa, 11 bis 18 Uhr, So, 11 bis 17 Uhr; Preview: Fr, 12 bis 14 Uhr.