Uraufführung mit viel Angriffslust

Kultur / 21.06.2019 • 22:23 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Daniela Gaets und Henrietta Rauth in „Zement“ der Schriftstellerin Carolyn Amann im Kosmodrom in Bregenz.Kosmos
Daniela Gaets und Henrietta Rauth in „Zement“ der Schriftstellerin Carolyn Amann im Kosmodrom in Bregenz.Kosmos

Vorarlberger Autorin Carolyn Amann greift in „Zement“ das Thema Grundbesitz auf.

Bregenz Die Immobilienpreise sind in den letzten Jahren horrend gestiegen. Grund und Boden zu besitzen, erhöht die Attraktivität einer Person. Liedermacher haben das hierzulande längst besungen und so manche Redensart bestätigt es. Das Wohnverhalten der Tatsache anzupassen, dass unsere Lebensdauer beschränkt ist, zeichnet sich in einigen Gegenden nicht ab. Vorarlberg ist eine solche.

Menschen, die sich über ihren Besitz definieren, hat die Vorarlberger Schriftstellerin Carolyn Amann (31) ins Visier genommen. Besitz sei ein klassisches Thema, ließ sie, wie berichtet, im Gespräch mit den VN wissen. Im Kurzdrama „Zement“ wird es behandelt. Ausstatter Manuel Menghin hat einen soliden Ziegelsockel ins Kosmodrom gestellt, in dieses Podium des Theaters Kosmos, auf dem die jungen Autorinnen und Autoren seit Jahren von erfahrenen Theatermachern gefördert werden. Neben den Ziegeln und der typischen Bank vor dem Haus wird in der Erde nach Grenzsteinen gegraben, die dokumentieren sollen, dass die Familie schon seit Urzeiten ein Recht auf dieses Stück Boden hat.

Stephan Kasimir hat den Text inszeniert, in dem Sterotype den Dialog zwischen Mutter und Tochter durchziehen, der aber in seiner Direktheit und der intendierten Angriffslust sehr viel Spannung enthält.

Familiäre Prägungen

Daniela Gaets und Henriette Rauth geben dem Aufeinanderprallen unterschiedlicher Sichtweisen zum Besitz mit Gestik und Betonung so viel Raum, dass die zwischen den Zeilen stehende Auseinandersetzung über Lebensentwürfe, familiäre Prägungen und Prioritätensetzung sowie einiger Chauvinismus gut zur Wirkung kommen. Wenn es ein ortsspezifisches Thema gibt, dann wurde es in „Zement“ behandelt und wenn es jemand geschafft hat, die Allgemeingültigkeit anklingen zu lassen, dann ist es Stephan Kasimir mit den zwei Schauspielerinnen, die jede Möglichkeit ergriffen haben, die Carolyn Amann fein eingestreut hat. Das Premierenpublikum hat mit sehr viel Applaus Einverständnis mit dem Inhalt sowie Gefallen und Anerkennung für den Bühnenerstling der jungen Autorin bekundet. VN-cd

Nächste Aufführung von „Zement“ am 22. Juni, 20.30 Uhr, im Kosmodrom des Theaters Kosmos in Bregenz.