Diese Musik will man haben

Kultur / 23.06.2019 • 19:48 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Nach der Österreich-Premiere von „Paris! Paris!“ des Ensembles Die Schurken im Rahmen der Bregenzer Festspiele finden Schulaufführungen statt. BF/A. Köhler
Nach der Österreich-Premiere von „Paris! Paris!“ des Ensembles Die Schurken im Rahmen der Bregenzer Festspiele finden Schulaufführungen statt. BF/A. Köhler

Die Schurken begeistern ihr junges Publikum mit hoch anspruchsvollem Projekt.

Christa Dietrich

Bregenz „Je te veux“ ist unter den vielen Werken von Erik Satie eines der bekanntesten. Im neuen Projekt des Vorarlberger Ensembles Die Schurken (Martin Schelling, Klarinette; Stefan Dünser, Trompete; Goran Kovacevic, Akkordeon; und Martin Deuring, Kontrabass) spielt es nicht nur als Melodie eine große Rolle, „Ich will dich“ ist auch zutreffend. Diese Musik will man haben, und das bekundete auch das Publikum mit vielen Kindern und Jugendlichen, die am Sonntag die Österreich-Premiere von „Paris! Paris!“ erlebten und bejubelten.

Festspielauftakt

Genau genommen war das auch der Auftakt zur diesjährigen Festspielsaison. Bevor es mit den Opern „Rigoletto“ und „Don Quichotte“ Mitte Juli losgeht, gehört die Bühne wiederum den jungen Menschen. Eine hervorragende Idee von Festspiel-Intendantin Elisabeth Sobotka, die das Kulturunternehmen am Bodensee unter die namhaften Schurken-Partner, etwa die Philharmonie Luxemburg und Köln oder die Martinu-Festtage in Basel einreiht. Dass Letztere dabei sind, hat einen besonderen Grund: Bohuslav Martinu, von dem die Festspiele vor Jahren die Opern „Griechische Passion“ und „Juliette“ aufführten, verbrachte prägende Jahre in Paris. Es ist jene Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, in der sich namhafte Musiker, Maler und Schriftsteller in der französischen Hauptstadt austauschten. Dass dabei ein kleines Musikstück auf eine Serviette gekritzelt wurde, die später gesucht wird, ist gut möglich. Der Vorfall ist jedenfalls Ausgangspunkt einer Handlung, in die Regisseurin Annechien Koerselman mehrere Zeitreisen und Verwandlungen einbaut. Ausstatterin Nina Ball entwarf ein paar Hocker, die sich von den Musikern und Akteuren zum Eiffelturm aufstapeln lassen.

Im Mittelpunkt steht die Musik

Voilà, mehr Bühnenbild braucht es nicht, im Mittelpunkt steht die Musik. So wollen es Schelling, Dünser, Kovacevic und Deuring, und wie sie diesem Vorsatz entsprechen, ist bei jedem ihrer Projekte erneut erstaunlich, bewundernswert und einzigartig. Was in dieser Mitmachgeschichte zusammenkommt, ist alles andere als die Aneinanderreihung von einem guten Dutzend in der eigentlichen Fassung schon recht anspruchsvollen Musikstücken von Satie, Giroud, Bartók oder Martinu etc. Das Material, das Die Schurken verwenden, muss klug adaptiert und arrangiert werden. Zuweilen ist es mehr als das, denn der Vorarlberger Komponist Marcus Nigsch hat nur Zitate von Martinu für ein anspruchsvolles Klanggebilde verwendet. Umgesetzt und eingebaut wird es von schauspielenden Musikern, die Interpretation, Interaktion und Kommunikation auf extrem hohem Level verschmelzen und damit bei Jung und Alt, Einsteigern und Experten punkten.

Die Österreich-Premiere von „Paris! Paris!“ des Vorarlberger Ensembles Die Schurken erwies sich am Sonntag auch als grandioser inoffizieller Festspiel-Auftakt. BF/A. Köhler
Die Österreich-Premiere von „Paris! Paris!“ des Vorarlberger Ensembles Die Schurken erwies sich am Sonntag auch als grandioser inoffizieller Festspiel-Auftakt. BF/A. Köhler
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Schulaufführungen von „Paris! Paris!“ am 24., 25. und 26. Juni vormittags (ausverkauft). Crossculture-Night am 14. Juli. Offizieller Festspielstart am 17. Juli.