Affig und auch noch sexy

28.06.2019 • 16:59 Uhr / 6 Minuten Lesezeit

Kunstmesse Art Bodensee bringt sich nach kurzer Talfahrt wieder ins Gespräch.

Christa Dietrich

Dornbirn Wer auf nette Art so richtig viel Geld loswerden will, für den ist die Art Bodensee auch eine Adresse. Die Kunstmesse, die sich aber in erster Linie an das breite Publikum richtet und neben der Information für die Flanierer und Bildungsreisenden, für die Einsteiger sowie mehr oder weniger betuchten Sammler etwas bietet und entsprechende Galerien akquiriert, wird heute zum 19. Mal ausgerichtet. Am Freitagmittag – erstmals vor der Feriensaison – wurden die Türen für einen Event geöffnet, dessen angebliche Generalüberholung in den letzten Wochen wohl etwas sehr laut verkündet wurde, denn eine Messe ist nun einmal das, was sie ist, nämlich ein Verkaufsort, der gegebenenfalls der Information bzw. der Kontaktaufnahme mit Galeristen dient.

Während man diesen zentralen Aspekt im letzten Jahr mit vielen Sonderausstellungen hintanstellte, die über die Vergrätzung regionaler Galerien und die Absetzung des bisherigen Leitungsteams hinwegtäuschen sollten, schaut es heuer diesbezüglich weit besser aus. Die Galeristinnen und Galeristen sind wieder jemand, grundsätzlich gibt man der Art Bodensee, die einige Experten nach der Talfahrt im Sommer 2018 schon abgehakt hatten, wieder eine gute Chance. Absolut uneingeschränkt gilt das nicht, der neue künstlerische Leiter Aram Haus, gelernter Geiger, Verleger und Kunstmanager, nennt im Eröffnungsstatement vor Medienvertretern, Galeristen und Preview-Gästen den Begriff „Sales“ ziemlich zum Schluss. Klar, der Verweis auf den gebürtigen Serben Milan Mladenovic, seinen Artist in Residence, der die Position jener Rookies und Messe-Artists einnimmt, die seit Anbeginn von einem Juror nominiert und präsent waren, sowie auf die Österreicherin Elke Silvia Krystufek, mit deren Arbeiten eine Sonderschau eingerichtet wurde, sind ihm verständlicherweise wichtig.

Frau auf dem Mond

Der erste Blick soll somit hier den gut 60 Galeristen gelten. Die Vorarlberger sind wieder nahezu vollzählig da, die Wiener lassen nach wie vor weitgehend aus, die renommierte Tiroler Galerie Elisabeth und Klaus Thomann konnte, nachdem sie sich kurz nach den Gründerjahren aus Vorarlberg verabschiedete, wieder zurückgewonnen werden. Aus Deutschland sind neue Galerien dabei, weiters fallen etwa Kunstvermittler und -händler aus Spanien auf. Das war aber schon früher so. Was man mitgebracht hat, ist edel und teuer, wenn man bei der Galerie Koch vorbeischaut, die Damien Hirst und Jeff Koons dabei hat, und wenn man die Arbeiten von Richter, Polke und Knoebel, aber auch Immendorff bei Schwarzer betrachtet. Eine der Affen-Figuren ist auch dann ein besonderer Hingucker, wenn sie nicht so oft zitiert wird wie die Pastelle von Francis Bacon, auf die Aram Haus so besonders stolz ist. Die Prominentenreihe ist so oder so lang, lässt sich mit Bruno Gironcoli, Manolo Valdés, Gottfried Bechtold oder Günter Brus fortsetzen. Weiblich ist die Art Bodensee noch nicht, da hat die Jury, besetzt mit Michaela Hetzel (Nitsch-Foundation), der Kunstmanagerin Ema Kaiser und dem Kunsthistoriker und Kurator Adrian Alexander Kowanz wohl noch zu wenig genau hingeschaut.

Dafür lobt man sich Ausnahmen. Galeristin Lisi Hämmerle hat nicht nur Deborah Hirsch und Claudia Larcher dabei, sie punktet auch mit der Österreicherin Michaela Konrad, die mit Comics viel zu sagen hat. Schickt sie doch eine junge Frau auf den Mond, der die Luft nicht ausgeht und die das männliche Verhalten damit scharfzüngig kommentiert.

Apropos gesellschaftspolitsche Kunst: Viel ist nicht da, aber immerhin ist VALIE EXPORT in einer Sonderausstellung dabei, die den merkwürdigen Namen „State of the Kunst“ nicht verdient hätte, aber mit einem unübersehbaren Werk von Ashley Hans Scheirl, das dem Kunsthaus Bregenz gehört, Gender-Themen anheizt. Und wenn Milan Mladenovic den Konsum so kritisch wie witzig kommentiert und einer Rinderlunge (oder ist es die eines anderen Tieres?) mit einem Staubsauger Leben einhaucht, um die Betrachter hellsichtig zu machen, dann ist das selbstverständlich auch ein Statement. Und Elke Krystufek weckt Erinnerungen an ihre Präsenz vor einem Jahrzehnt bei der Biennale Venedig und meldet sich mit ironisierendem Sex Sells zurück.

Viel Qualität, wenige Heuler

Fazit: Auf der 19. Art Bodensee, auf der sich auch viele Kunstinstitutionen des Landes – Museen etc. – mit ihren guten Inhalten präsentieren, sichtet man viel Qualität, nur noch wenige Heuler, in den gut klimatisierten Räumen darf der Besucher bei der Auseinandersetzung mit Gegenwartkunst auch Spaß haben und findet mitunter etwas für sich.

„Es war uns wichtig, in die neue Art Bodensee zu investieren. Auch der Termin ist günstiger.“

50 Jahre nach der Mondlandung liefert Michaela Konrad ein ironisches Statement. Die Art Bodensee versammelt über 60 Galeristen. VN/Hartinger
50 Jahre nach der Mondlandung liefert Michaela Konrad ein ironisches Statement. Die Art Bodensee versammelt über 60 Galeristen. VN/Hartinger

Art Bodensee im Dornbirner Messeareal (Eingang E) bis 30. Juni, Samstag, 11 bis 18 Uhr, Sonntag, 11 bis 17 Uhr.