Düsteres Stück mit tanzenden Tieren

28.06.2019 • 18:24 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die deutsche Sopranistin Marlis Petersen gab ihr Debüt als Salome und überzeugte weitgehend. Staatsoper/Hösl
Die deutsche Sopranistin Marlis Petersen gab ihr Debüt als Salome und überzeugte weitgehend. Staatsoper/Hösl

Szenisch überladene „Salome“ erfährt begeisternde Klarheit durch die Musik.

Christa Dietrich

München, Bregenz In den ersten 15 bis 20 Minuten lässt es sich zwar nur erahnen, doch dann steht unweigerlich fest, dass Kirill Petrenko, der neue Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, zu seinem Abschied als Generalmusikdirektor der Staatsoper München am Pult der „Salome“-Neuinszenierung steht, weil er aus der Strauss‘schen Partitur einmal alles hervorholen und zum Leuchten bringen will, was möglich ist. Sein Konzept ist nachvollziehbar, das auf Vordermann gebrachte Bayerische Staatsorchester lässt es zu, das nur in wenigen Bläsereinsätzen zu erkennen gibt, dass noch etwas Luft nach oben da ist. Petrenko setzt, wie zu erwarten war, auf Farbe, merzt mit höchster Präzision dabei jeden Kitsch aus und schont dabei ausnahmsweise auch seine Sänger überhaupt nicht.

Die Zusammenarbeit zwischen der in der Titelrolle debütierenden deutschen Sopranistin Marlis Petersen und Petrenko ist – man erinnert sich an eine „Lulu“ –  so ausgereift, dass die zeitweise Überdeckung der Stimme durch das Orchester ins Gesamtbild passt, in das sich Petersen mit derart wunderbarer Höhe fügt, dass man einiges Dunkles, das ihr etwas fehlt, nicht vermisst. Pavol Breslik gibt den entsprechend versierten Narraboth und mit Wolfgang Ablinger Sperrhacke gibt ein Herodes alles, den man noch von seinem Einsatz bei den Bregenzer Festspielen kennt. Musikalisch ist somit alles mehr als bestens im Lot, einnehmend und nachwirkend. Die szenische Idee von Regisseur Krzysztof Warlikowski kann da aber nicht mithalten. Es mag inspirierend und vielleicht auch einmal naheligend sein, das 1905 uraufgeführte Werk in die 1930er-Jahre zu versetzen, die Betonung des Religiösen (und der Verfolgung) nimmt ihm jedoch die Kompaktheit, verletzt die Symmetrie.

Ausstatterin Malgorzata Szczesniak verweist auf zerstörte Synagogenmalereien, bringt dabei die Tiere per Mapping-Effekt entzückend in Bewegung, hat dem düsteren Eros-Tod-Thema von Oskar Wilde aber nichts hinzuzufügen, was angesichts eines der meistgespielten Werke von Richard Strauss nicht schon ausgelaugt wäre. Da hilft auch ein qualmender Jochanaan nichts, dessen Enthauptung Theater ist in einer Inszenierungsvariante, die sehr viel will und dabei die Hauptperson zu sehr aus den Augen verliert, deren Bewegungen ins Klischeehafte driften. Jubel für die Sänger und den Dirigenten.

Nächste Aufführung der „Salome“ am 2. Juli an der Staatsoper München. Übertragung am 6.Juli über www.staatsoper.tv