Dunkles, dünnes Märchen

Kultur / 28.06.2019 • 22:47 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Stück „Schlaflose Nächte“ von Christian Kühne wurde am Freitagabend in der Johanniterkirche uraufgeführt. VN/Paulitsch
Das Stück „Schlaflose Nächte“ von Christian Kühne wurde am Freitagabend in der Johanniterkirche uraufgeführt. VN/Paulitsch

Für „Schlaflose Nächte“ ist die Johanniterkirche Theaterschauplatz geworden.

Christa Dietrich

Feldkirch Das „Treulich geführt ziehet dahin, wo euch der Segen der Liebe bewahrt“ erklingt irgendwann fast folgerichtig, denn während das Publikum am Freitagabend auf den Einlass zur Uraufführung des Theaterstücks „Schlaflose Nächte“ vor der Johanniterkirche in Feldkirch wartete, wurde auch Passanten klar, dass es sich um eine Hochzeit handeln könnte, die da stattfinden soll. Für diese wurde der Raum mit hinterlassenen sakralen Objekten und rohen Mauern auf der Seite, der seit Jahrzehnten eine der schönsten Ausstellungsorte des Landes ist, zur Bühne. Das ist nicht zum ersten Mal so, denn Studenten nutzten ihn einmal für die Realisierung eines inszenierten Konzertes im Rahmen der Montforter Zwischentöne und Dietmar Nigsch, jener großartige Theatermacher, der auch das Alte Hallenbad für die Kunst entdeckte, trat bereits vor Jahrzehnten hier auf.

Damals war es das absolut richtige Podium, dieses Mal ist man sich in dieser Einschätzung nicht sicher. Was als Hochzeit mit der Begrüßung der Gäste im Vorraum und wie zufällig improvisierten Elementen beginnt, entwickelt sich zu einer introspektiven Textarbeit, die einiges an Suggestivkraft enthält, im Grunde aber dann doch nur davon zeugt, dass das mit großer Aufmerksamkeit beobachtete und aus gutem Grund äußerst positiv aufgenommene, junge Vorarlberger Theaterensemble Der Sprachfehler mit seinem Autor Christian Kühne nicht in der Lage sein kann, fast im Halbjahresabstand ein gutes Stück nach dem anderen aufs Tapet zu  bringen.

Theater der Langsamkeit

„Schlaflose Nächte“ handelt von einer Frau, die vor ihrer Eheschließung steht. Während ohnehin kein Bräutigam, sondern nur ihr Großvater zugegen ist, beginnen nicht nur ihre Zweifel, für die Zuschauer entwickelt sich ein dunkles Märchen vom Erwachsenwerden mit Ängsten und Abgründen. Derlei Textinhalte über Unverarbeitetes könnten sich festsetzen, wenn Regisseur Andreas Jähnert nicht auf ein zuweilen hilflos wirkendes Theater der Langsamkeit gesetzt hätte, in dem das Publikum zu Mitlaufaktionen aufgefordert wird, die das Projekt noch weiter zerdehnen. Isabella Jeschke ist als Schauspielerin präsent. Da ist sehr viel Potenzial vorhanden, sofern sie sich die wienerische Sprachfärbung ausreden lässt. Hanno Dreher wirkt wie ein Anker in einem Werk, in dem sich einige wohl wiederfinden mögen, das streckenweise dünn wirkt, durch ein großartiges Vokalensemble mit Andreas Tomczak, Christiane Christidis, Cordula Kredit und Markus Kessler und dem Organistin Stefan Aichinger aber Aufwertung erfährt.

Weitere Aufführungen am 29. Juni, 2. und 3. Juli, jeweils 20 Uhr in der Johanniterkirche Feldkirch (Marktgasse 1): www.theaterdersprachfehler.com