Ein vielversprechender Auftakt

Kultur / 28.06.2019 • 20:24 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Apollon Musagète Quartett hat am Freitagnachmittag einen neuen, auf mehrere Jahre angelegten Schubert-Zyklus gestartet. schubertiade
Das Apollon Musagète Quartett hat am Freitagnachmittag einen neuen, auf mehrere Jahre angelegten Schubert-Zyklus gestartet. schubertiade

Apollon Musagète Quartett machte bereits
mit dem Start seines Schubert-Zyklus Furore.

Schwarzenberg Das fängt ja gut an: Gleich der Beginn eines auf mehrere Jahre angelegten Zyklus aller 15 Streichquartette von Franz Schubert mit dem Apollon Musagète Quartett wurde am Freitagnachmittag bei der Schubertiade zum bejubelten Event.

Und machte auch deutlich, warum gerade dieses Ensemble, dessen unglaubliche Repertoire-Breite von der Wiener Klassik bis zu Uraufführungen mit der Performance-Gruppe „Nico and the Navigators“ reicht, mit dieser ebenso heiklen wie dankbaren Spezialaufgabe betraut wurde. Ein neuer, unverbrauchter Schubert ist da zu erwarten.

Mit dem Konzertmeister des SOV

Schuberts Streichquartettschaffen ist sozusagen ein Spiegelbild seines Lebens, ein Suchen nach Form und Ausdruck. Es  zieht sich von ersten Kompositionsversuchen im Konvikt als Vorstufe zu späteren Symphonien bis zur Erfüllung in seinem letzten großen Quartett. Und genau diesen weiten Entwicklungsbogen vollzieht dieses erste Konzert im Zyklus, in einer abrupten Abkehr von der oftmals brav chronologischen Reihung der Werke. Schon dieses Qualitätsmerkmal steht für die hohe fachliche Kompetenz, die sich das vielfach ausgezeichnete polnische Ensemble auf internationalen Podien angeeignet hat. Sein Primarius Pawel Zalejski ist übrigens in seinem Zweitberuf als Konzertmeister des Symphonieorchesters Vorarlberg im Land überaus geschätzt.

Schuberts erstes Streichquartett in g-Moll/B-Dur D 18 ist die Talentprobe des damals 14-Jährigen und auf charmante Art neu und unfertig, teils noch im Fahrwasser seiner Vorbilder. Er schreibt einfach vier Stücke im strengen vierstimmigen Satz, aber ohne Bedachtnahme auf ihre charakteristischen Satzunterschiede, und wagt sich dabei sogar an eine Fuge, obwohl Schubert auch später nie ein Kontrapunktiker war. Als 16-Jähriger ist er in seinem Werk D 46 in C-Dur schon weiter, indem er mit der Chromatik spielt und als Finale mit einem Bauerntanz auftrumpft. Bei aller Unfertigkeit, bei der freilich oft das spätere Genie durchschimmert, lassen die vier exzellenten Musiker diesen besonderen Fundstücken alle Aufmerksamkeit an Präzision und feinen Emotionen angedeihen und erhöhen damit deren Wirkungsgrad und Attraktivität.

Widerborstige Wiedergabe

Mit seinem letzten, fast einstündigen Quartett G-Dur öffnet sich für die Zuhörer endlich der Schubert-Himmel. Dieses Stück, das viele Grenzen sprengt, entstand 1826 und ist eine Offenbarung, ein Vermächtnis, in dem Schubert alle seine Erkenntnisse im Streichquartett auf faszinierende Weise bündelt. Eine willkommene Gelegenheit für das AMQ zur Darstellung seiner reibungslosen Spieltechnik, seiner klanglichen Geschlossenheit und eines von größter Spannung geprägten Gestaltungswillens, mit dem die Musiker dieses Werk in einer aufgerauten, widerborstigen Wiedergabe weit über übliche Darstellungen hinausheben.

Schubertiade Schwarzenberg heute: 11 Uhr, Hagen Quartett; 16 Uhr, Paul Lewis, Klavier; 20 Uhr, Matthias Goerne, Bariton, Sarah Christ, Harfe.