Klare Botschaften und das Scheitern einer Beziehung

28.06.2019 • 20:47 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Andrea Gerster, Teilnehmerin beim Bachmann-Preis. apa
Andrea Gerster, Teilnehmerin beim Bachmann-Preis. apa

Am Sonntag stehen die Preisträger beim Bachmann-Wettbewerb fest.

Klagenfurt, Bregenz Der österreichische Autor Clemens J. Setz musste vor seiner Eröffnungsrede zu den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt darauf verweisen, dass er seine Rede bereits im April abgeben musste, als die politische Landschaft in Österreich noch eine andere war. In Richtung der Politik hatte er jedoch eine klare Botschaft: „Den Rechtsradikalen und Rechtspopulisten, die nun überall in Europa langsam ihre Faust um wichtige Institutionen zu schließen beginnen, kann man getrost die Mitteilung machen: Natürlich werdet ihr verschwinden.“ Und weiter: „Euer System ist ein geschlossenes, und wie alle geschlossenen Systeme erstickt es irgendwann an sich selbst.“ 

14 Autorinnen und Autoren aus Österreich, Deutschland und der Schweiz sind dabei. Andrea Gerster ist Schweizerin, ist jedoch in Vorarlberg in der Literaturvermittlung tätig, womit ihr hierzulande besonderes Interesse gilt. In „Das kann ich“ berichtet sie aus der Sicht einer Großmutter vom Auseinanderbrechen der Beziehung ihres Sohnes. Dabei drängt sich die Erzählerin in den Vordergrund, um nicht nur ihren Enkel für sich zu beanspruchen, sondern auch für ihren Sohn, der für seine Frau – eine Chirurgin – alles aufgegeben hat, einmal mehr alles zu richten. In der Jury löste der Text wenig Begeisterung aus. Klaus Kastberger stellte schlicht fest: „Eine biedere Figur rechtfertigt nicht diese biedere Form.“ Allein Insa Wilke und Hildegard Keller versuchten, den Text zu verteidigen. So fand Wilke Gefallen an der Biederkeit des Textes, da diese Biederkeit zur Figur gehöre. Daher sei die Autorin „konsequent“. Für Keller kommt der Text „aus einer anderen Welt und führt in die Innensicht einer Figur, die sehr langsam eine Lebenslüge erkennen muss.“ Zudem gefalle ihr, dass Gerster aus einer selten beschriebenen Perspektive erzählt, nämlich jener des Scheiterns einer Mutter-Sohn-Beziehung. Für Michael Wiederstein „schrammt der Text immer wieder an einem Telenovela-Absturz vorbei“. Es gebe aber immer wieder Szenen, „wo ein völlig alltäglicher sozialer Clash auf den Punkt gebracht wird. Da sind ein paar gute und feine Beobachtungen drin.“

Der Wettbewerb endet mit der Bekanntgabe der Preisträger am Sonntagmittag. 3sat überträgt die Lesungen und Diskussionen sowie die Preisverleihung live.