Ohne sie gibt es keinen Halt im Leben

Kultur / 28.06.2019 • 19:38 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Auf die FreundschaftRafik SchamiVerlag Manesse448 Seiten

Auf die Freundschaft

Rafik Schami

Verlag Manesse

448 Seiten

Geschichten und Weisheiten über die „Schwester der Liebe“ .

Erzählband. Am besten ist sie dick, fest und alt. Sie kann aber auch zart und locker sehr schön sein. Ohne Freundschaft gibt es kein ausgefülltes, glückliches Leben. Und nie zuvor waren Freunde so wichtig wie heute, schreibt der syrisch-deutsche Schriftsteller Rafik Schami. Aus mehreren Jahrhunderten und Kulturen hat er Geschichten und allerlei Weisheiten über die „Schwester der Liebe“ zusammengetragen. Der Band „Auf die Freundschaft“ enthält Unterhaltsames und Überraschendes. In der Moderne driften die Menschen auseinander, beobachtet Schami. Viele seien „in aufgezwungener Mobilität und der Ummantelung durch die elektronischen Medien“ isoliert, lebten „in einem unsichtbaren Exil, entwurzelt, einsam“. Was kann helfen? Auf jeden Fall Freunde. Ohne sie gibt es keinen Halt im Leben. Und was macht einen Freund aus? Das hat schon viele große Geister beschäftigt. So sind auch Elias Canetti, Oscar Wilde, Marcel Proust, Franz Kafka, Lew Tolstoi, Else Lasker-Schüler, Natsume Soseki oder Patricia Highsmith in der Schami-Sammlung vertreten. Albert Einstein: „Ein Freund ist ein Mensch, der die Melodie deines Herzens kennt und sie dir vorspielt, wenn du sie vergessen hast.“ „Ein Freund ist ein Mensch, der dich mag, obwohl er dich kennt“, lautet eine Weisheit aus China. George Bernhard Shaw befand: „Freunde sind Gottes Entschuldigung für Verwandte.“

Bei Schami geht es auch um falsche Freunde, um halbe und Viertelfreunde, enttäuschte Beziehungen, Neid und Eifersucht. Ebenso um glückliche, wohltuende Bindungen – die ganze Palette der denkbaren Freundschaften also. Nüchterne Bewertungen sind zu lesen. So lässt der 1990 gestorbene italienische Autor und Politiker Alberto Moravia eine Protagonistin in seinem Aufsätzchen bilanzieren: „Die einzigen wahren Freunde sind die Moneten. Die anderen kommen und gehen.“ Die Freundschaft hat noch eine Tochter“, die Gastfreundschaft. Er erzählt von ihren Wurzeln, ihrem Wandel und wie Diktaturen in arabischen Ländern die Menschen misstrauisch machen, so ihre Gastfreundschaft aushöhle. So ist ein Kulturgut der Menschheit gerade dabei auszusterben.

Und dann hat die Freundschaft also noch eine Schwester, die Liebe. Aus Schamis Sicht verhält es sich damit so: „Die Liebe ist eine Erfindung der Natur, die Freundschaft dagegen ist ein Erzeugnis der Kultur.“ Freundschaft baue auf Gegenseitigkeit. „Liebe kann oft, sogar dauerhaft einseitig sein, Freundschaft nie.“