Das SOV präsentierte beim Zwischentöne-Open eine prächtige „Italienische“

30.06.2019 • 17:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Berühmte "Italienische Symphonie" von Mendelsson bildete den Abschluss beim Zsichentöne-Open. Matthias Rhomberg/Veranstalter
Berühmte „Italienische Symphonie“ von Mendelsson bildete den Abschluss beim Zsichentöne-Open. Matthias Rhomberg/Veranstalter

Das Konzert mit dem Symphonieorchester Vorarlberg wurde im gewohnten Rahmen zu einem glänzenden Erlebnis für die zahlreichen Besucher.

Feldkirch Eigentlich war zu befürchten gewesen, dass nach den Inszenierungs- und Interpretationsgewohnheiten der Montforter Zwischentöne auch die berühmte „Italienische Symphonie“ von Mendelssohn zu einer Art mediterranem Happening aufgepeppt würde. Das Werk bildete am Samstag im Montforthaus den Abschluss des als knallbuntes Familienfest ausgerichteten Zwischentöne-Open zum Thema Entdecken, mit vielen Attraktionen in der Stadt. Doch nichts dergleichen geschah. Das Konzert mit dem Symphonieorchester Vorarlberg wurde im gewohnten Rahmen zu einem glänzenden Erlebnis für die zahlreichen Besucher, die man mit diesem Konzept trotz Affenhitze aus den Häusern und weg vom Wasser locken konnte, um sich mit Musik zu befassen.

Großer Publikumsandrang im Montforthaus.
Großer Publikumsandrang im Montforthaus.

Begonnen hat alles mit Die Schurken und ihrem neuen Programm, gefolgt von Lesungen, Darbietungen von Musik-Studenten und den ersten Hugo-Preisträgern. Mit einer neuen Idee trumpften die beiden Kuratoren Hans-Joachim Gögl und Folkert Uhde auf, indem sie in einem Konzertspaziergang an mehreren Schauplätzen in der Altstadt die vielen kleineren Gruppen auftreten ließen, die sich im Laufe der Zeit beim SOV gebildet haben und Rückschlüsse auf dessen Potenz und Vielseitigkeit zulassen. Da gibt es das Trio Flautando, das sogar eine Uraufführung des Dornbirner Komponisten Thomas Thurner im Gepäck hatte, das Streichtrio Drei mal 4, das Violinduo Twinni, das Posaunen-Trompeten-Duo emergenza quattro und das Hornquartett Rheingold. Eine faszinierende Idee: Die Besucher konnten sich ihr Programm selbst zusammenstellen und dann miterleben, wie diese Musiker sich im großen Saal des Hauses zu einem Orchester von respektabler Qualität vereinen.

Starke Frau hat das Sagen

Überaus hilfreich bei deren Umsetzung ist die estnische Dirigentin Anu Tali, die das Orchester bereits im Vorjahr bei einem Abokonzert geleitet hat und durch ihr im positiven Sinn resolutes Auftreten und ihre Ausstrahlung in Erinnerung geblieben ist. Auch diesmal lässt sie vom ersten Moment an keinerlei Zweifel daran, wer hier das Sagen hat: nämlich eine starke Frau. Tali zeigt Haltung, innerlich und äußerlich. Die Musiker verstehen sich auch diesmal sichtlich mit ihrer Leiterin, allen voran Konzertmeister Pawel Zalejski, den man tags zuvor noch als Primarius seines eigenen Apollon Musagète Quartetts bei der Schubertiade in Schwarzenberg erlebt hat (die VN berichteten). Mendelssohns farbenprächtige Symphonie Nr. 4 in A-Dur, bei der im ersten Satz die Elfen und Kobolde aus dem „Sommernachtstraum“ vorbeischauen, wird hier  gemeinsam beim Wort genommen, zeitgeistig auf schlank gestylt, detailreich ausgearbeitet. Das ist weit mehr als leichte Sommerabend-Berieselung, auch wenn sich in dieser Musik mediterrane Leidenschaften, Temperament und sehnsuchtsvolle Schönheit spiegeln. Gerade diese italienische Leichtigkeit scheint Tali zu liegen, auch wenn sie aus dem Hohen Norden stammt. Blitzsauber gelingt die gefürchtete Hornstelle im Trio des Menuetts, übermütig das Finale im Saltarello-Rhythmus. Dass nicht nur die Dirigentin, sondern auch die Musiker dabei eine ganze Menge an guter (Spiel-)Laune verströmen, verfehlt letztlich auch nicht die Wirkung auf das konzerterfahrene Publikum samt Kindern, bevor es für ganz Unentwegte im Atrium des Hauses noch zur ersten „Silent Disco“ geht. Für Einsteiger: Da wird zu einer über Kopfhörer zugespielten Musik getanzt. Fritz Jurmann

Nächste Montforter Zwischentöne, 7. November bis 10. Dezember: „Zwischen Geduld und Geistesgegenwart“ .