Mendelssohn beim Wort genommen

Kultur / 30.06.2019 • 18:23 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Konzert mit dem Symphonieorchester Vorarlberg wurde zu einem Erlebnis für die zahlreichen Besucher. RHomberg/SOV
Das Konzert mit dem Symphonieorchester Vorarlberg wurde zu einem Erlebnis für die zahlreichen Besucher. RHomberg/SOV

Das SOV präsentierte beim Zwischentöne-„Open“ eine prächtige „Italienische“.

FELDKIRCH Eigentlich war zu befürchten gewesen, dass nach den Inszenierungs- und Interpretationsgewohnheiten der Montforter Zwischentöne auch die berühmte „Italienische Symphonie“ von Mendelssohn zu einer Art mediterranem Happening aufgepeppt werden würde. Das Werk bildete am Samstag im Montforthaus den Abschluss des als knallbuntes Familienfest ausgerichteten Zwischentöne-„Open“ mit vielen Attraktionen in der Stadt. Doch nichts dergleichen geschah. Das Konzert mit dem Symphonieorchester Vorarlberg wurde zu einem Erlebnis für die zahlreichen Besucher.

Konzertspaziergang

Begonnen hat alles mit den „Schurken“ und ihrem neuen Programm, gefolgt von Lesungen, Darbietungen von Konse-Studenten und den ersten „Hugo“-Preisträgern. Mit einer neuen Idee trumpften die beiden Kuratoren Hans-Joachim Gögl und Folkert Uhde auf, indem sie in einem Konzertspaziergang an mehreren Schauplätzen in der Altstadt die vielen kleineren Gruppen auftreten ließen, die sich im Laufe der Zeit beim SOV gebildet haben und Rückschlüsse auf dessen Potenz und Vielseitigkeit zulassen. Da gibt es das „Trio Flautando“, das sogar eine Uraufführung des Dornbirner Komponisten Thomas Thurner im Gepäck hatte, das Streichtrio „Drei mal 4“, das Violinduo „Twinni“, das Posaunen-Trompeten-Duo „emergenza quattro“ und das Hornquartett „Rheingold“. Eine faszinierende Idee: Die Besucher konnten sich ihr Programm selber zusammenstellen und dann miterleben, wie diese Musiker sich im großen Saal des Hauses zu einem Orchester von respektablen Qualitäten vereinen.

Überaus hilfreich bei deren Umsetzung ist die estnische Dirigentin Anu Tali, die das Orchester bereits im Vorjahr bei einem Abokonzert geleitet hat und durch ihr im positiven Sinn resolutes Auftreten und ihre besondere Ausstrahlung in Erinnerung geblieben ist. Auch diesmal lässt sie keinerlei Zweifel daran, wer hier das Sagen hat: nämlich eine starke Frau. Die Musiker verstehen sich sichtlich mit ihrer Leiterin, allen voran Konzertmeister Pawel Zalejski.

Mendelssohns farbenprächtige Symphonie Nr. 4 in A-Dur, bei der im ersten Satz die Elfen und Kobolde aus dem „Sommernachtstraum“ vorbeischauen, wird hier gemeinsam beim Wort genommen, zeitgeistig auf schlank gestylt, detailreich ausgearbeitet. Das ist weit mehr als leichte Sommerabend-Berieselung, auch wenn sich in dieser Musik mediterrane Leidenschaften, Temperament und sehnsuchtsvolle Schönheit spiegeln. Gerade diese italienische Leichtigkeit scheint Tali zu liegen. Blitzsauber gelingt die gefürchtete Hornstelle im Trio des Menuetts, übermütig das Finale im Saltarello-Rhythmus.

„Silent Disco“ zum Abschluss

Dass nicht nur die Dirigentin, sondern auch die Musiker dabei jede Menge an guter (Spiel-)Laune verströmen, verfehlt letztlich auch nicht die Wirkung auf das konzerterfahrene Publikum samt Kindern, bevor es für ganz Unentwegte im Atrium des Hauses noch zur ersten „Silent Disco“ geht. Für Unkundige: Da wird zu einer über Kopfhörer zugespielten Musik getanzt.

Nächste Montforter Zwischentöne, 7. November bis 10. Dezember: „Zwischen Geduld und Geistesgegenwart“