Pianist Sir András Schiff sorgte für ein fulminantes Schubertiade-Finale

Kultur / 01.07.2019 • 09:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Wenn der Pianist Sir András Schiff drei Sonaten von Franz Schubert spielt, kennt die Begeisterung keine Grenzen. SCHUBERTIADE

Standing Ovations nach dem Konzert von Pianist Schiff.

Schwarzenberg Es ist jedes Mal ein überwältigender Eindruck, den ungarischen Pianisten Sir András Schiff zu erleben. Schon sein bedächtiger Auftritt im schwarzen Gehrock als eine Art „Hohepriester der Musik“ ist eine liebenswerte kleine Geste zur Einstimmung der Zuhörer in seine Welt. Wenn er dann noch, wie in der gestrigen Matinee, drei Sonaten von Franz Schubert spielt, kennt die Begeisterung keine Grenzen. Diesmal versteht er schon im ersten Teil eine solche innere Spannung aufzubauen, dass das Publikum im ausverkauften Angelika-Kauffmann-Saal bereits zur Pause zu Standing Ovations aufspringt – etwas, was es bislang hier noch nie gab.

Dabei schenkt Schiff sich selbst und seinen Zuhörern nichts, denn seine Programme neigen nicht nur zur Tiefe der Auslotung, sondern auch zur Breite. Und so dauert auch dieses Konzert mit drei ausgewachsenen Sonaten zu je 40 Minuten inklusive Pause nicht weniger als zweieinhalb Stunden, bis halb zwei, und der Jubel will auch dort noch nicht enden, wo bereits der Magen knurrt. András Schiff greift damit auf sein Kernrepertoire zurück, das ihn seit einer Aufführung aller Schubertsonaten 1992 bei der Schubertiade in Feldkirch fast lebenslang begleitet und mit dem er Interpretationen von zeitloser Gültigkeit und enormer Vorbildwirkung geschaffen hat. Inzwischen gilt er hier längst als berufener Nachfolger des großen Alfred Brendel.

Kunstwerk generiert

Dazu kommt, dass Schiff wie üblich seinen eigenen Bösendorfer-Flügel herangekarrt hat und damit sein eigenes Bonmot befolgt: „Steinway ist hochdeutsch, Bösendorfer ist Wiener Dialekt, und den will ich für Schubert.“

András Schiff hat diesmal drei Sonaten ausgewählt, die durch ihre Entstehungsjahre 1825/26 verbunden sind, die bekannte Sonate in a-Moll, D 845, und die noch populärere in G-Dur, D 894. Nie wirklich den Weg zu den Zuhörern gefunden hat dagegen die mittlere, etwas sperrige, sogenannte „Gasteiner Sonate“, D 850. Aber jede für sich bedeutet jenes Kunstwerk, das Schiff aus ihnen generiert. Und wie er diesen Schubert spielt, absolut sauber, sanglich in den melodiösen, mit markantem Zugriff in den dramatischen Teilen, die Sätze fast attaca aufeinander und mit einer traumhaften Anschlagskultur, ist wohl das Maß aller Dinge einer heutigen Schubert-Interpretation. Fritz Jurmann

Nächstes Schubertiade-Konzert: 13./14. Juli, Hohenems