Ein schönes Fest der Klänge

02.07.2019 • 16:52 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ein umjubelter Konzertabend mit Honeck, den Bamberger Symphonikern und den Sängern Simona Šaturová und Benjamin Brunshv
Ein umjubelter Konzertabend mit Honeck, den Bamberger Symphonikern und den Sängern Simona Šaturová und Benjamin Brunshv

Eine Uraufführung und Beethovens monumentale „Missa Solemnis“ zum 30. Geburtstag der Wolfegger Konzerte.

Wolfegg Seit 25 Jahren ist Manfred Honeck der künstlerische Leiter der Internationalen Wolfegger Konzerte, die seit 30 Jahren bestehen. Grund für ein außergewöhnliches Kirchenkonzert, das jüngst enthusiastisch gefeiert wurde.

„Musikalische Schwerathletik“ wurde Ludwig van Beethovens „Missa solemnis“ schon genannt. Zusammen mit den Bamberger Symphonikern, dem Philharmonischen Chor München und einem exzellenten Solistenquartett ist dem Vorarlberger Dirigenten Manfred Honeck (60) eine gültige Aufführung gelungen, die mit kraftvoller Energie tief in die Emotionalität der Messe eindrang. Der Chor und das Orchester begeisterten im lyrischen Piano ebenso wie in heftigster Expressivität, ein Kleinod für sich war das betörende Violinsolo des Konzertmeisters, das über dem Benedictus schwebte. Harmonisch, in faszinierenden Übergängen wuchsen die Solisten – die Sopranistin Christina Landshamer, die Altistin Gerhild Romberger, Tenor Benjamin Bruns und Bass Franz-Josef Selig – aus dem Chor heraus. Manfred Honeck setzte klare Akzente, ließ gewaltige Kontraste zu, wie zum Besiepiel im Übergang von der tiefen Ruhe des „passus et sepultus est“ zum dramatischen „Resurrexit“.

Uraufführung

Vorausgegangen war die Uraufführung eines 20-minütigen Auftragswerks: sieben kleine Reflexionen für Orchester unter dem Titel „Corporis Mysterium“ von Till Alexander Körber (geb. 1967), in denen Honeck seine Verbindung zur Neuen Musik bewies. Körbers Musik führt in die dargestellten Mysterien. Körperlich schmerzt die „Via Crucis“, der schleppende Gang, die Verhöhnung und die Schläge auf dem Kreuzweg. „Himmlisches Geleit“ geben Bläser und tanzende Violinen im „Sanctus Angelorum“, schmerzhaft kehrt die „Consecratio“, das Opfer, zur Dramatik des Kreuzwegs zurück, während die „Communio“ den Zuhörer tröstlich umfängt.

Bis auf den letzten Platz war der Rittersaal im Schloss Wolfegg tags zuvor beim Orchesterkonzert gefüllt. In ungeheurer Dynamik lotet Manfred Honeck Beethovens Fünfte mit den Bamberger Symphonikern aus. Sprungbereit, mit geballter Faust fordert Honeck im ersten Satz gewaltige Crescendi heraus, dann der Kontrast, das Andante. Mit den Bambergern hat er einen exquisiten Klangkörper, der unter seinem Dirigat noch über sich hinauswächst. Es stimmt einfach alles, ob im Pianissimo, dem selbst die Vögel im Innenhof atemlos zuzuhören scheinen, im duftigen Pizzicato oder im Prestissimo, im großen Finale.

Glanzlichter der Oper

Der zweite Teil gehört Glanzlichtern der Oper, gesungen von der Sopranistin Simona Šaturová und dem Tenor Benjamin Bruns. Nach der dramatischen Ouvertüre zu Mozarts „Titus“ stellen sich die Sänger in Arien und einem Duett aus „Don Giovanni“ vor. Schmerz und Leidenschaft Donna Annas trägt die Sopranistin in reicher Schattierung, in glockenklaren Koloraturen in den Raum, während der Tenor als Verführer schmeichelnden Schmelz und vitale Kraft einsetzt.

Herrlich spielt das Duo das Wechselbad der Gefühle im Duett des Verführers mit Zerlina aus. Mitreißend folgt Gaetano Donizettis „Elisir d’amore“: Nemorinos berührende Arie „Una furtiva lagrima“ wie sein komödiantisch ausgekosteter Griff zum Liebestrank. Da darf zuletzt Verdis „Traviata“ nicht fehlen, Alfredos Gefühlsüberschwang, Violettas Erleben einer ihr unbekannten Leidenschaft, beider strahlendes Liebesglück im Duett „Libiamo“, mit begeisternder Kraft modelliert. chv