Christa Dietrich

Kommentar

Christa Dietrich

Saison mit starkem Konzept

Kultur / 04.07.2019 • 20:57 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

So viel Euphorie, Empathie, Freude an der Umsetzung von Kunstwerken und der Vermittlung derselben können auch Theaterprofis den Menschen nicht vormachen. Kurz gesagt: Die Bregenzer Festspiele haben viel Übung darin, ihre Probeneinblicke trotz des Premieren­stresses zum Erlebnis zu machen und man nimmt ihnen den Spaß auch ab.

Als so empfindender Kiebitz hat man sich am Donnerstag in guter Gesellschaft gefunden. Draußen mit „Rigoletto“ eine Neuinszenierung, deren Handlung sich in einer riesigen, bewegten Marionette widerspiegelt, drinnen mit „Don Quichotte“ spannend zu entschlüsselnde Männerbilder mit einer Musik, deren Ruf als Belle-Époque-Kitsch zu widerlegen ist. Die Saison macht jedoch viel mehr aus und selten zuvor zeigte sich eine derartige inhaltliche Stringenz. Wie es etwa David Pountney nach der von Alfred Wopmann so wunderbar zementierten Bregenzer Dramaturgie gut vormachte, geht es Elisabeth Sobotka heuer nicht um die Darlegung eines vielfältigen Komponistenschaffens, sondern um die Inhalte.

Cervantes‘ Antiheld als Oper und als Schauspiel, Michael Köhlmeiers Blick auf Narrenfiguren in der Literatur, Schnitzlers „Reigen“ in verschiedenen Vertonungen und dazu die libidinösen Verstrickungen, die Tschaikowsky und Puschkin in „Eugen Onegin“ aufzeigten, umgesetzt mit lauter jungen Sängern. Das nennt man ein starkes Konzept.

Christa Dietrich

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