„Wenn du weißt, dass du nicht der Einzige mit Gänsehaut bist“

05.07.2019 • 16:59 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Bilderbuch-Bassist Peter Horazdovsky (rechts im Bild) hat heuer mit seinen Bandkollegen das Album „Vernissage My Heart“ herausgebracht. MASCHIN RECORDS
Bilderbuch-Bassist Peter Horazdovsky (rechts im Bild) hat heuer mit seinen Bandkollegen das Album „Vernissage My Heart“ herausgebracht. MASCHIN RECORDS

Die Band Bilderbuch tritt wieder beim Poolbar-Festival auf. 

Feldkirch Die österreichische Band hat sich mitterweile einen Namen gemacht und wird zum wiederholten Male auf dem Poolbar-Festival zu sehen sein, diesmal unter freiem Himmel beim „Poolbar auf der Wiese Open Air“. Bilderbuch-Bassist Peter Horazdovsky spricht über seine Sicht auf das Festival und die Zukunft der Band.

 

Zum ersten Mal habt ihr das Poolbar-Festival 2011 besucht, zuletzt 2016 – kommt einem wie ein anderes Leben vor. Wie hat sich eures seitdem verändert? Immerhin seid ihr jetzt Popstars!

Horazdovsky 2016 war ein fantastisches Konzert. Kann man eigentlich nicht vergessen. Aber klar, im Unterschied zu 2011 können wir uns den Luxus leisten, das zu tun, was wir lieben, und das ist doch das Schönste, was es gibt. Dass wir rund um die Uhr Musik machen können und uns nicht darum kümmern müssen, im Museum, Eisgeschäft oder bei der Post Nebenjobs nachgehen zu müssen, ist eigentlich die größte Veränderung.

 

Apropos Popstars: Was würden Maurice, Peter, Philipp und Michael heute tun, wenn sie was „G‘hörigs“ gelernt hätten?

Horazdovsky Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Maurice und ich haben zwar studiert, aber ob wir die Nerven gehabt hätten, das Ganze abzuschließen, weiß ich nicht. Mizzy ist sowieso mit der Gitarre verheiratet, und Pille hat auch an der Linzer Musikuni studiert. Plan B vor 30 war eigentlich tabu.

 

Ihr habt mit dem Song „Europa 22“ und der EU-Ausweis-Aktion klar politisch Stellung bezogen. Wart ihr zufrieden mit dem Feedback bzw. gab es auch Kritik? Inzwischen ist die Europawahl vorbei, und die Regierung in Wien zerbrochen. Wie muss es weitergehen im Land?

Horazdovsky Wir waren überwältigt von der Masse an Menschen, die sich Pässe ausgestellt haben. Das war ja trotzdem eine kleine Über-Nacht-Aktion. Daran sieht man doch, wie viele Menschen an die europäische Idee glauben, ob die jetzt EU heißt oder auch anders. Nationalstaatliche Eitelkeiten sollten wir eigentlich im 20. Jahrhundert suchen müssen. Dass das heute noch so wichtig zu sein scheint, ist traurig. Man bräuchte gemeinsame Ziele in Europa. Zum Beispiel, wie wir der Erde etwas von dem zurückgeben können, was wir ihr schuldig sind. Oder wie wir uns daran beteiligen können, die Welt zu einem besseren, faireren Ort zu machen.

 

FM4 kürte „Maschin“ zum besten österreichischen Song des 21. Jhd., Schönbrunn Open Air, Poolbar auf der Wiese Open Air … wo soll das bloß enden? Vielleicht mit der Nummer eins in Amerika?

Horazdovsky Das wäre schön. Wir arbeiten auf jeden Fall daran. Natürlich freut man sich über solche Rankings. Auf der anderen Seite sollte das nie die Motivation sein, Musik zu machen. Uns geht es nicht grundsätzlich um höher, weiter, schneller. Wir wollen Songs schreiben, die in erster Linie uns catchen. Wir wissen, dass wir guten Geschmack haben, also wird das im besten Fall dann auch auf die Leute übergehen. Die schönsten Momente passieren sowohl im Studio, wenn man den magischen Moment gefangen hat, als auch wenn man es schafft, den Moment auf die Bühne zu bringen. Wenn du weißt, dass du nicht der Einzige mit Gänsehaut bist.

 

Das Design des Poolbar-Festivals wird von zahleichen Architektur-, Grafik-, und Kunst-StudentInnen jährlich neu entwickelt – wenn ihr euch in einem 3-D-Drucker etwas designen lassen könntet: Was sollten wir im Poolbar-Generator für euch erfinden?

Horazdovsky Wir haben gerade einen Track im Ofen, der heißt Mr Refrigerator. Wie wäre es mit einem funky Kühlschrank?

 

Und bevor es richtig losgeht: Welchen Drink wollt ihr nach dem Auftritt an der Poolbar serviert bekommen?

Horazdovsky Mein guilty pleasure ist ja Piña Colada. Aber ich glaube, nach dem Gig ist das fast ein bisschen zu viel. Also ich finde, ein kühles Bier tut‘s fürs Erste auch! ED

Für das „Poolbar auf der Wiese Open Air“ am 11. Juli sind noch Tickets verfügbar. Das Poolbar-Festival im Reichenfeld-Areal läuft noch bis 11. August: www.poolbar.at