Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Abschiede im Landtag

Kultur / 06.07.2019 • 05:59 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Die überlasteten Flugrouten in Europa haben mich am Mittwoch einer schönen Tradition beraubt: Seit fast fünf Jahrzehnten besuche ich nämlich die Kulturdebatten im Landtag, einmal im Juli beim Rechenschaftsbericht zum vergangenen Jahr, ein zweites Mal im Dezember bei der Diskussion über das kommende Budget. Diesmal allerdings hinderte mich ein verspätetes Flugzeug an dieser Teilnahme. Aber wir haben ja eine moderne Verwaltung, so war es möglich, die gesamte Debatte über das Videoarchiv des Landtags im Nachhinein anzusehen.

„Man sieht, dass Christian Bernhard sich bemüht hat, die Kultur dieses Landes nicht nur zu repräsentieren, sondern sich auch für sie einzusetzen.“

Bemerkenswert war, dass von den fünf Rednerinnen und Rednern drei dem kommenden Landtag nicht mehr angehören werden: Allen voran Landesrat Christian Bernhard von der Volkspartei, dann Landtagsvizepräsident Ernst Hagen von den Freiheitlichen und schließlich Nina Tomaselli von den Grünen. Am längsten ist Hagen in seiner Funktion als Kultursprecher, nämlich ein Vierteljahrhundert, fünf Jahre war Bernhard Landesrat für Kultur, Tomaselli ebenso fünf Jahre Kultursprecherin ihrer Fraktion. Ein bedeutender Aderlass also für fast alle Fraktionen. Politfarblich ergänzt wurde die Diskussion durch Manuela Auer von den Sozialdemokraten, die wesentliche Anregungen brachte, unter anderem auf die Notwendigkeit einer Landesgalerie verwies.

Ein paar Worte zu den Scheidenden seien erlaubt. Urgestein in der Vorarlberger Kulturpolitik ist Ernst Hagen. Er hatte es nicht immer leicht, aus freiheitlicher Position – früher als Koalitionspartner der ÖVP, jetzt aus der Opposition – die Kultur zu vertreten. Bekanntlich ist die FPÖ nicht jene Partei, die sich die Kultur auf ihre Fahnen geheftet hat. Ernst Hagen aber nahm man seinen persönlichen Einsatz für Kunst und Kultur in der Breite ebenso wie in der Spitze gerne ab. Nina Tomaselli war vielleicht erst zu kurz dabei, um markante Spuren zu hinterlassen. Eines hat sie aber allemal hingekriegt: Den Landtag herzerfrischend aufzumischeln. Schließlich Landessrat Christian Bernhard: Es sei dem Mediziner einerseits zugestanden, dass Kultur nicht gerade sein Spezialfach ist, andererseits darf man durchaus sehen, dass er sich bemüht hat, die Kultur dieses Landes nicht nur zu repräsentieren, sondern sich auch für sie einzusetzen. Das ist schon mehr, als man von so manch anderem Politiker in diesem Hohen Haus sagen kann. Und nicht zuletzt: Mit seinem Schlusswort hat er für die Zukunft angeregt, dass man sich beim Land um eine Landesgalerie bemühen sollte. Damit hat er ein wichtiges und gewichtiges Erbe hinterlassen. Wofür man ihm durchaus die Ehre erweisen darf.

Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.