Viel Lob für die jungen Sänger von „Eugen Onegin“

07.07.2019 • 18:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Noch vor der offiziellen Eröffnung boten die Bregenzer Festspiele aufschlussreiche Einblicke in die Meisterklasse zum Probenstart für die Produktion „Eugen Onegin“. BF/ANJA KÖHLER

Dmitry Vdovin leitet die Meisterklasse bei den Bregenzer Festspielen.

Bregenz Es war zwar nicht die unvergleichliche Brigitte Fassbaender, aber auch dem weltweit renommierten russischen Gesangspädagogen Dmitry Vdovin gelang es,  in seiner Meisterklasse einen überzeugenden Einblick in die Arbeit mit dem jungen Sängerteam von Tschaikowskijs „Eugen Onegin“ bei den Bregenzer Festspielen zu geben. Vdovin, der humorvoll auf Englisch parlierte, ist u. a. seit 2009 Leiter des „Young Singers Project“ am Bolschoi in Moskau. Er erzählte über die große Bedeutung von Puschkins Dichtung in Russland und über Tschaikowskij und führte in die Kunst des russischen lyrischen Belcanto ein. Das Sängerteam stammt mit zwei Ausnahmen aus Russland oder der ehemaligen UdSSR: Die israelische Sopranistin Shira Patchornik ist stimmlich und von der Erscheinung her eine ideale Besetzung der Tatjana, zart und doch mit einer großen Stimme begabt. Sie probte die Briefszene, assistiert von der bereits festspielerprobten Liuba Sokolova als Amme, und war hinreißend in ihrer mädchenhaften Anmut, die sich am Schluss zu einem leidenschaftlichen Ausbruch steigert.

Temperamentvoll

Vdovin ließ es sich nicht nehmen, zeitweise selbst temperamentvoll die Orchesterbegleitung am Flügel zu intonieren, der sonst kompetent von Ekaterina Sapega-Klein gespielt wurde. Dann ist da der erst 20-jährige David Kerber aus Innsbruck, dessen Stimme von Johannes Stecher bei den Wiltener Sängerknaben von Kindheit an geformt wurde. Er singt die kleine Rolle des Franzosen Triquet, die er zuerst im Stil des Liebhabers Lenski anlegte, aber rasch nach Vdovins Anweisungen eher scherzhaft gestaltete. Er bekam das Kompliment, dass sein Tenor eigentlich zu schön für diese Rolle sei. Aytaj Shikhalizada aus Aserbeidschan setzte ihren Mezzo in der Rolle von Tatjanas Schwester Olga zuerst etwas zu opernhaft ein, begriff aber schnell, was Vdovin ihr zur lyrischen Gestaltung ihrer Partie vermittelte. Ein Fest für sich waren die drei Männerstimmen: der Bariton Ilya Kutyukhin als Onegin, Ensemblemitglied am Bolschoi, der Tenor Alexey Nekludov als Lenski von der Neuen Oper Moskau und der Bass – ein wirklicher Bass! – Igor Korostylev als Saretzki und Gremin, seit 2014 Mitglied des „Young Artist Program“ am Bolschoi. Sie brillierten mit der genialen Duellszene, wo die verfeindeten Freunde über dem dumpfen Bassostinato des Sekundanten die Sinnlosigkeit eines Duells beklagen. Korostylev riss das Publikum abschließend mit der Arie des Fürsten Gremin, Tatjanas Gatten, hin. Vdovins Schlusskommentar „I believe in you“ kann man nur zustimmen. Ulrike Längle

Die Oper „Eugen Onegin“ wird am 12., 13. und 15. August im Theater am Kornmarkt in Bregenz aufgeführt.