Musik entlang der Durchfahrtstraße

08.07.2019 • 18:45 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
An den Billboards in Bregenz zeigt der deutsche Künstler Thomas Schütte Arbeiten aus seiner Serie „Blues Men“. KUB/Tretter
An den Billboards in Bregenz zeigt der deutsche Künstler Thomas Schütte Arbeiten aus seiner Serie „Blues Men“. KUB/Tretter

Zumindest sichtbar: Künstler Thomas Schütte erinnert an den KUB-Billboards an Größen des Blues.

Bregenz Zu hören ist nichts Schönes, denn weder der Zug-, noch der Straßenlärm schmeichelt dem Ohr. Dem Auge wird wieder Abwechslung geboten. Vielleicht auch Kontemplation, denn man kann sein Fahrzeug ja parkieren oder zu Fuß wiederkommen, um zumindest von der gegenüberliegenden Straßenseite aus den meist in dunkles Blau getauchten Porträts gebührende Aufmerksamkeit zu schenken. Die Vorlage zu den großformatigen Arbeiten lieferte eine Serie von Zeichnungen mit dem Titel „Blues Men“, die der deutsche Künstler Thomas Schütte (geb. 1954 in Oldenburg) im Vorjahr begann. Gewidmet ist sie großen Musikern wie B. B. King, Charlie Patton, Jimmy Reed, Champion Jack Dupree, Albert King, Leadbelly oder Otis Redding. Die Originale dieser Hommage an Persönlichkeiten der Musikgeschichte sind im Kunsthaus selbst zu begutachten, wo am kommenden Freitag die Personale Thomas Schütte gestartet wird.

Aufmerksame Passanten haben im Zentrum von Bregenz (am Kornmarkt sowie am Platz vor dem Kunsthaus) bereits Zeichen dafür entdeckt, was den deutschen Künstler, ein Teilnehmer an der documenta in Kassel und sonstigen Großausstellungen, dessen Arbeiten auch in namhaften Museeen präsent sind, ausmacht: Mit „Mann mit Fahne“, „Mann ohne Gesicht“ und „Drittes Tier“ wird im Stadtraum auf die bildhauerischen Arbeiten verwiesen, denen im KUB selbst ausreichend Raum reserviert wurde. Dabei tauchen im Übrigen auch weibliche Gestalten auf.

Freiluftkino

Keine Frage, die Großskulpturen von Thomas Schütte bringen auch politische Themen zum Ausdruck, und das Mischwesen, dieses riesige Tier, das etwas von einem Pferd, einem Tapir, aber auch einer Robbe oder einem Fisch hat, regt sowohl zum Schmunzeln als auch zur Reflexion an. Recht politisch ist im Übrigen auch das Filmprogramm, das die Kunsthaus-Crew mit Streifen, die Künstlerinnen und Künstler gewählt haben, ab 24. Juli unter freiem Himmel anbietet. Raphaela Vogel, die das Ausstellungsjahr beschließt, hat „Joan Lui“ von Adriano Celentano gewählt, „Sans toit ni loi“ von Agnès Varda, empfohlen von Miriam Cahn, deren Arbeiten im Frühjahr zu sehen waren, versöhnt ein wenig mit der Tatsache, dass die neuen KUB-Arbeiten – zumindest jene im Außenraum – sehr männlich orientiert sind. Ed Atkins hat sich den Film „Alice“ von Jan Svankmajer gewünscht, wiederum Miriam Cahn ist es zu verdanken, dass es „Blue Steel“ von Kathryn Bigelow zu sehen gibt und Thomas Schütte hat sich mit „Stalker“ von Andrei Tarkowski für einen Klassiker entschieden. VN-cd

Ausstellung Thomas Schütte vom 13. Juli bis 6. Oktober im Kunsthaus Bregenz, bis 31. August tägl. 10 bis 20 Uhr, danach Di bis So, 10 bis 18 Uhr, Do bis 20 Uhr.