Wie aus dem Bilderbuch

Kultur / 08.07.2019 • 20:45 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Das Poolbar-Festival punktet heuer mit guter multifunktionaler Architektur und vielseitigem Programm.

Feldkirch Es klingt fast zu gut, um wahr zu sein: Ein Festival ohne verdreckte WC-Anlagen, Müllberge und schlammige Grünflächen. Wer sich auf den Weg zur Poolbar macht, durchquert auf einem Holzsteg eine Wildblumenwiese und landet schließlich auf einer riesigen Holzterrasse. Eine offene Bühne bildet das Zentrum, rundherum befinden sich zahlreiche Sitzinseln mit integrierten Hängematten. Die temporäre Holzkonstruktion besteht zu einem großen Teil aus Holzpaletten.

Wenn es im Gebäudeinneren heiß hergeht, dient die Terrasse als perfekter Ort, um ruhige Gespräche zu führen und Kontaktdaten auszutauschen. Im Barbereich, der von den Stammgästen liebevoll als Wohnzimmer bezeichnet wird, finden die Besucher überdimensionale Kissen und gepolsterte Flächen vor. Das ehemalige Schwimmbecken im Erdgeschoß wird zur Tanzfläche umfunktioniert. Spätabends kann es schon einmal passieren, dass der staubtrockene Pool fast übergeht.

Innovative Ideen

Seit 2014 kommen im Frühjahr Studierende zusammen und zerbrechen sich im Rahmen des Poolbar-Generators über die Gestaltung des Festivalgeländes den Kopf. Heuer beteiligten sich 40 kluge Köpfe an der Konzeptfindung und widmeten sich der Thematik „Inspirierende Verbote“. In den Räumlichkeiten des Magazin 4 in Bregenz wurden Anfang des Jahres Workshops zu den Themen Architektur, Grafik, Produktdesign, Visuals/Media und Public Art abgehalten. Das Street-Art Labor fand direkt am Festivalgelände statt, um auf die Situation vor Ort reagieren zu können. Im Außenbereich wurden zahlreiche Verkehrsschilder angebracht, die von Elisa Losert und Hanna Klobounik mit englischen Sprüchen versehen wurden. Maria Scharl beschäftigte sich mit kulturellen Phänomenen und bedruckte sechs pinke Flaggen mit den Namen bekannter Musiker, die im Zuge der #MeToo-Bewegung für ihr Verhalten verurteilt wurden. Für den Jazzbrunch, der jeden Sonntag stattfindet, entwickelten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Produktdesign-Workshops Rucksäcke, die mit einer Decke, Besteck, Tellern und regionalen Spezialitäten gefüllt werden können. Die Umsetzung des heurigen Festivalgeländes überzeugt, so ist es auch wenig verwunderlich, dass die Aussichtsplattformen und Sitzgelegenheiten schon am ersten Wochenende von zahlreichen Nachteulen und Turteltauben in Beschlag genommen wurden.

Nicht nur Musik

Beim Poolbar-Festival dreht sich nicht alles nur um Konzerte, es werden unter anderem auch literarische Vortragswettbewerbe und Performances stattfinden. Mit dem neu entwickelten Raumfahrtprogramm sollen kulturell ungenützte Räume Teil des Festivals werden. Heute, Dienstag, wird in der Potentiale Base (Neustadt 14) der Film Whiplash gezeigt. Am 18. Juli findet im Freibad Felsenau in Frastanz die VN-Diskussion „Die Jugend am Wort zur Landtagswahl“ statt. Das neu designte „Poolbarcar“ dient als verbindendes Element und es wird diese Programmschiene begleiten. Durch die Transformation der äußeren Hülle eines italienischen Piaggio Ape entstand eine Bar inklusive Dach, Lichttechnik, Mischpult und Liegestühlen.

Mit der Indierock-Band Friedberg, dem australischen Multi-Instrumentalisten Xavier Rudd, der schwedischen Elektropop-Sängerin Tove Lo und anderen Bands steht wieder ein genreübergreifender Mix auf dem Festivalprogramm. „Unser Ziel ist es, dass wieder 25.000 Besucher Teil unseres Festivals werden. Die Stimmung in unserem Team, das aus knapp 100 Helferinnen und Helfern besteht, soll so gut bleiben, wie sie ist“, erklärt Geschäftsführer Herwig Bauer. In Kooperation mit der Stadt Feldkirch wird zum dritten Mal das „Poolbar auf der Wiese“ Open Air stattfinden. „Bei Freiluftveranstaltungen herrscht eine einzigartige Atmosphäre. Neben der Headliner-Band Bilderbuch werden noch weitere ausgezeichnete Musiker auftreten“, freut sich Bauer.

„Unser Ziel ist es, dass wieder 25.000 Besucher Teil unseres Festivals werden.“

Das Festivalgelände überzeugt mit zahlreichen Sitzgelegenheiten, Kunstinstallationen, Verbotsschildern und ausgefallenen Konzepten. Matthias Rhomberg/Eva Sutter
Das Festivalgelände überzeugt mit zahlreichen Sitzgelegenheiten, Kunstinstallationen, Verbotsschildern und ausgefallenen Konzepten. Matthias Rhomberg/Eva Sutter

Am 11. Juli findet das „Poolbar auf der Wiese“ Open Air statt. Das Poolbar-Festival im Reichenfeld-Areal läuft noch bis 11. August: www.poolbar.at