Wunderbares Understatement

09.07.2019 • 16:29 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
„Madonna am Brunnen“, 1439 von Jan van Eyck. Der Maler signierte auf der unteren Leiste des originalen Rahmens mit seinem Motto „als ich can“. KMSKA, Lukas, KHM
„Madonna am Brunnen“, 1439 von Jan van Eyck. Der Maler signierte auf der unteren Leiste des originalen Rahmens mit seinem Motto „als ich can“. KMSKA, Lukas, KHM

Kunsthistorisches Museum feiert Jan van Eyck mit einer kleinen Sonderschau.

Wien Ausgangspunkt für die Schau mit wertvollen Stücken aus dem OEuvre des 1441 verstorbenen Meisters Jan van Eyck war die 1439 entstandene „Madonna am Brunnen“ aus Flandern, bevor im dortigen Gent 2020 das Eyck-Jahr ausgerufen wird. „Als ich can“ nennt KHM-Kuratorin Sabine Penot die Ausstellung in der Kunstkammer des KHM und bezieht sich dabei auf den Wahlspruch des Künstlers, der als einer der Ersten seine Werke signierte. Jan van Eyck wählt pseudo-griechische Lettern für seinen Wahlspruch, dessen Aussprache ist jedoch niederländisch, bedeutet so viel wie „so gut ich kann (aber nicht so gut, wie ich möchte)“ und ist als Understatement des Künstlers zu verstehen. Penot: „Für uns gilt Jan van Eyck als Gründer der altflämischen Malerei.“ So finden sich in der Schau neben der bedeutenden Leihgabe und weiteren Altniederländern auch jene beiden Gemälde Van Eycks, die sich im Besitz des KHM befinden – „Der Goldschmied Jan van Leeuw“ sowie „Bildnis eines Gelehrten“. „Sie fügt sich ganz wunderbar in unsere Bestände ein“, freute sich auch KHM-Generaldirektorin Sabine Haag über die Madonna aus Flandern.

Die Ölmalerei revolutioniert

Damit stärke man die wichtige Achse zwischen Flandern und Österreich weiter, die man seit einigen Jahren mit dem Fokus auf die flämischen Meister pflege. So dient die kleine Wiener Schau gleichsam als Hors d‘oeuvre, feiert man doch in Gent 2020 das große Van-Eyck-Jahr. Nach Rubens 2018 in Antwerpen und Bruegel 2019 in Brüssel ist nun 2020 Gent mit Van Eyck an der Reihe. Anlass ist die Fertigstellung der Restaurierung der acht Flügel seines Genter Altars, die seit 2012 betrieben wurde. „Wir haben durch den Prozess der Restaurierung eine wesentlich stringentere Sicht auf Jan van Eycks Werk gewonnen“, so Maximiliaan Martens von der Universität Gent. So habe der Maler die Technik der Ölmalerei als solche revolutioniert – auf technischer Ebene wie in der Übertragung der Realität auf die Leinwand. Dazu plant das Museum der Schönen Künste Gent die Schau „Van Eyck. Eine optische Revolution“, die auch eines der beiden Wiener Bilder umfassen könnte.

„Jan van Eyck – Als ich can“ von 10. Juli bis 20. Oktober im Kunsthistorischen Museum in Wien: www.khm.at und www.vaneyck2020.be