Selbstbewusstsein auf allen Ebenen

Kultur / 13.07.2019 • 08:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Ausstellung Alexandra Wacker enthält Landschaftsbilder, Stillleben, Porträts und die künstlerische Auseinandersetzung mit der Familie. VN/PAULITSCH

Die Bregenzer Sommerausstellung ist der Vorarlberger Künstlerin Alexandra Wacker gewidmet.

Christa Dietrich

Bregenz Das Schaffen von Selbstporträts als Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich zu interpretieren, greift bei Alexandra Wacker zu kurz. Man könnte auch Aussagen von Philosophen zur Selbstbeobachtung zu Rate ziehen und läge nicht falsch. Was dazu führt, dass man den Blick von den Arbeiten kaum abwenden kann, ist die Tatsache, dass die Künstlerin die Möglichkeiten der Malerei zum Ausdruck bringt. Nicht mit der Absicht des Experimentierens, sondern mit dem Selbstbewusstsein, dass es so, wie es ist, gerade richtig ist. Das gilt für frühere Arbeiten, mit denen Alexandra Wacker die eigene Körperlichkeit thematisierte, das gilt aber auch für die jüngeren, eher kleinformatigen Werke, die nicht zufällig im Foyer des Palais Thurn und Taxis präsentiert werden. Auf fast allen Arbeiten trägt die Malerin eine Sonnenbrille, die den wichtigsten Teil des Gesichts, nämlich die Augen, verdeckt. Der Betrachter kann durch die Spiegelung Innen- oder Außenräume erahnen, wird durch ein kleines Detail zu Wackers großem Thema Landschaft geführt und gerät in Konfrontation mit den Bildern, die stille Stellungnahmen einfordern.

Könnerschaft

Der banalen Selfie-Flut hält Alexandra Wacker Kunst entgegen, die Obsession, die dabei mitschwingt, ironisiert sie höchst intellektuell mit ihrer Serie als Rauchende, die eine Ungezwungenheit zum Ausdruck bringt: Gewappnet sein, in der diesjährigen Sommerausstellung der Stadt Bregenz weht dem Besucher Könnerschaft entgegen. Es hat lange gebraucht, bis sich die Verantwortlichen dazu entschlossen haben, einmal einer Künstlerin das Feld zu überlassen, mit Alexandra Wacker hat das Palais alles, um zu einem Anziehungspunkt in dieser Saison zu werden. Thomas Schiretz agiert als Kurator und die Künstlerin hat wohl mitentschieden. Ein Frauenporträt aus dem Jahr 1989, das man auch als Hommage an die Malerin Paula Modersohn-Becker verstehen kann, ist das älteste der vertretenen Werke, als Retrospektive ist die Schau dennoch nicht zu lesen. Es geht um die zentralen Themen und die Herkunft. In den Landschaftsbildern, nicht nur in jenen, die etwa den Blick aus einem fahrenden Zug festhalten, behandelt sie Phänomene der Wahrnehmung, verweist sie auf die Bewegung, die Veränderung oder den narrativen Gehalt jedes Gegenstandes oder jeder Erscheinung in der Natur. Genau so wie sie es mit überzeugendem Ergebnis wagt, sich mit Caspar David Friedrich oder Monet auseinanderzusetzen, tritt sie in Kommunikation mit dem Großvater. Alexandra Wacker, geb. 1958 in Bregenz, ist die Enkelin des Malers Rudolf Wacker (1893-1939). Sie habe an sich eher spät zu malen begonnen, erzählt sie, doch die Akzeptanz in der Familie für den eingeschlagenen Weg, der sie umgehend an die Akademie führte, war gleich da. Mittlerin war die Großmutter Ilse. Mit „Muse“ ist eine Tuschearbeit von Alexandra Wacker betitelt, die einer Fotografie nachempfunden ist. Das Werk zeigt Ilse Wacker mit ihrem kleinen Sohn, daneben steht Rudolf Wacker an der Staffelei. Weitere Arbeiten dieser Serie zeigen den Künstler Edmund Kalb (1900-1952) im Garten oder die Wacker-Villa zu jenem Zeitpunkt als der Urgroßvater, ein Baumeister, einen Pavillon auf dem Dach des Hauses platzierte.

Der Kunsthistoriker Rudolf Sagmeister, ein Wacker-Experte, ließ im Vorjahr an verschiedenen Plätzen in Bregenz und Lindau Stelen mit Rudolf-Wacker-Arbeiten anbringen. Heuer dienen sie auch als Ergänzung zum eigenständigen Werk von Alexandra Wacker, die etwa mit Tuschelandschaften wesentliche Fragen zum Menschsein aufwirft und in einem Blumenstillleben das Thema Schönheit in einer Weise aufgreift, dass Bezüge zur Kunstgeschichte obsolet werden. Es sind Rosen im Hier und Jetzt.

Eröffnung am 13. Juli, 20 Uhr im Palais Thurn und Taxis in Bregenz (Gallusstraße 10), zu sehen bis 25. August, Di bis Sa, 14 bis 18 Uhr, So, 12 bis 18 Uhr.