Unverzichtbares Gipfeltreffen

Kultur / 15.07.2019 • 20:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
In den Volieren vertreten: Edgar Leissing, Lorenz Helfer, Heinz Greissing, Wolf Georg und Helmut King. Vn/Paulitsch, Sorko
In den Volieren vertreten: Edgar Leissing, Lorenz Helfer, Heinz Greissing, Wolf Georg und Helmut King. Vn/Paulitsch, Sorko

„Hor(s)t der Kunst“ versammelt über 20 Künstler, die etwas zu sagen haben, auf dem Pfänder.

Christa Dietrich

Bregenz, Lochau Während diverse Klimatreffen oder Wirtschaftsgipfel, wie man so schön bzw. nicht schön, aber treffend sagt, für die Fische sind, also meist mehr oder weniger ergebnislos verlaufen, zählen Künstlerinnen und Künstler zu jenen Artgenossen, die sich nicht wegducken, wenn die Angelegenheit unangenehm wird. An sich würde man ja meinen, dass das Thema Wasser, zumal im Sommer gestellt, die Lebensgeister weckt, Freude hervorruft, Sea, Sex and Sun erwähnen lässt. Doch da liegt bereits der Hund begraben. Wer etwa das Mittelmeer als Ziel ins Auge gefasst hat und sich die Denkfähigkeit noch nicht abgewöhnt oder wegkonsumiert hat, blendet beim Anblick von lauschigen Buchten und erfrischender Brandung die Tragödien nicht aus, die sich auf dem offenen Wasser zutragen. Lorenz Helfer, der Maler aus Vorarlberg, zählt zu jenen, die den Finger in die Wunden legen. Seine Bilder von Flüchtlingsbooten sprechen Bände, erinnern an Kolonialherrschaft, Waffenhandel und an ein Europa, das die Grenzen hochzieht, anstatt sich der Problematik in ihrer ganzen Komplexität zu stellen.

Das Motto „Wasser“ hat der Galerist Gregor Koller ausgerufen, als er zum vierten Mal rund 20 Künstler in die einstige Adlerwarte unter der Pfänderspitze rief. Die Volieren ließen keine artgerechte Behausung für die Raubvögel zu, als Podium für Kunst haben sie sich bewährt, das Thema wurde von den Geladenen in seiner Vielschichtigkeit aufgegriffen. So bemalte etwa Helmut King Wasserkanister und verweist unübersehbar auf die Ressourcenknappheit, Edgar Leissing lässt die Menschen fischmäulig nach Luft schnappen, und Ona B. nimmt erstmals Abstand von ihrem Markenzeichen, ihre Wasserbilder sind tiefblau, lassen das ihr ureigene Rot nur noch durchscheinen. Martina Feichtinger lädt in einen Dschungel, Heinz Greissing, der renommierte Landschaftsmaler, bleibt bei seinen Streifen, ließ sich aber im hohen Alter zu einem neuen Strandbild inspirieren.

Kunstaustausch geplant

Der Verweis auf die Schönheit unserer Welt soll vorkommen, ist sie doch in der Lage, die Augen für weitere Problemfelder zu öffnen. Luna de Rosa aus Spanien thematisiert mit ihrem Badezuber nicht Entspanntheit, sondern erschreckenderweise noch gängige Foltermethoden. Anna Ripley aus Menorca hat eine Zeitlang Unterwasseraufnahmen gemacht und nachgemalt. Neben der Leichtigkeit, die das Wasser hervorruft, ist der Unrat zu erkennen, mit dem wir die Meere belasten. Werner Geiger aus Vorarlberg und Birk Bo Pedersen thematisieren die Möglichkeiten der Malerei an sich, und Hombrelópez, ebenfalls aus Menorca, bevölkert die Volieren mit mannigfaltigen Fischskulpturen. Unweit davon lauert das Krokodil von Wolf Georg.

Der „Hor(s)t der Kunst“, wie Gregor Koller sein Projekt nennt, fasst die Grenze zum Kunstdesign weit und soll einen Kunstaustausch anstoßen. Franz Kapfer thematisiert die martialische Repräsentationskunst, die Brunnenskulpturen einschließt, Gottfried Bechtold hinterlässt mit seiner Signatur Spuren, die das Künstlerdasein und Rezeptionsmechanismen reflektieren, und Alexandra Wacker wiederum lässt via Landschaftsbilder in Geschichten eintauchen.

Die Ausstellung ist in der ehemaligen Adlerwarte unterhalb der Pfänderspitze bis 31. August, bei gutem Wetter täglich von 10.30 bis 15 Uhr geöffnet.