„Eine gewisse Sanierung der Festspielgebäude ist notwendig“

Kultur / 17.07.2019 • 22:41 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Kulturagenden zu übernehmen, sei eine Umstellung gewesen, sagt Schallenberg.APA
Die Kulturagenden zu übernehmen, sei eine Umstellung gewesen, sagt Schallenberg.APA

Die Renovierung von Seebühne und Co. soll laut Minister auf die Tagesordnung.

Birgit Entner-Gerhold

Bregenz Am Rand der Bregenzer Festspiele sprach Kulturminister Alexander Schallenberg mit den VN über Geld, die Kulturmacht Österreich und die künftige Kulturhauptstadt.

 

Sie haben versichert, dass der Ruf des Präsidenten der Bregenzer Festspiele in Wien nicht ungehört verhallen werde. Wird der Bund als Subventionsgeber bei der Sanierung der Festspielgebäude zuverlässiger Partner sein?

Schallenberg Das wird die künftige Bundesregierung zu entscheiden haben. Aber die Bregenzer Festspiele haben so eine Dimension und so eine Bedeutung angenommen, dass es sicher Gespräche mit dem Bund geben wird müssen. Es ist auch verständlich, dass eine gewisse Sanierung notwendig ist. Ich gehe davon aus, dass es Gespräche geben wird.

 

Was würden Sie Ihrem Nachfolger dabei raten?

Schallenberg Es wird seine Aufgabe sein, zu entscheiden. Ich nehme aber natürlich Sachen aus den vielen Gesprächen mit und werde versuchen, das eine oder andere an Botschaften weiterzugeben. Und das wird sicher dazugehören.

 

Dass eine Sanierung der Festspielgebäude Priorität haben wird?

Schallenberg Dass das eines der Themen sein wird, die auf der Tagesordnung stehen werden.

2016 wurde die Subventionssumme für die Bregenzer Festspiele leicht angehoben. Eine Indexanpassung fehlt aber noch. Wäre eine solche sinnvoll?

Schallenberg Sämtliche Fragen finanzieller Natur, die die Festspiele in Bregenz betreffen, kann man ganz offen zwischen Vorarlberg und dem Bund besprechen. Da gibt es eine sehr gute Gesprächsbasis.

 

Wie beurteilen Sie Österreichs Rolle als Kulturnation in der Welt?

Schallenberg Als Diplomat weiß ich aus eigener Erfahrung, dass wir eine Weltmacht in der Kultur sind. Das ist sicher etwas, was man in der diplomatischen Sprache als „Soft Power“ bezeichnen würde.

 

Diese „Soft Power“ hilft also bei diplomatischen Fragen, aber auch bei Wirtschaftsbeziehungen und ähnlichem?

Schallenberg Natürlich. Jeder Staat dieser Welt hat ein Renommee und bei uns gehört Gott sei Dank die starke Kulturebene dazu. Das nützt bei der Anbahnung von Kontakten. Sie werden es im Ausland selbst erlebt haben. Wenn Sie sagen, dass Sie aus Österreich sind, kommt häufig die Antwort: „Aja, Mozart.“ Eine solche Konnotation ist eine sehr angenehme erste Gesprächsbasis.

 

Aber schafft die Kulturpolitik im Land genügend Spielraum, um die Rolle der Kulturnation abseits von Mozart und Sisi aufrechtzuerhalten?

Schallenberg Sehr wohl. Wir haben einen sehr starken innovativen Aspekt. Natürlich gibt es nie genug Mittel. Es kann aber nie genug geben. Gleichzeitig haben wir ein sehr lebendiges kulturelles Leben auf allen Ebenen. Dazu zählt vieles, das nicht mit öffentlichen Mitteln finanziert wird, sondern durch die Atmosphäre und das Umfeld entsteht.

 

Sie waren eher als Europa- denn als ein Kulturexperte bekannt. Fiel es Ihnen schwer die Kulturagenden zu übernehmen?

Schallenberg Es war schon eine Umstellung, überhaupt in die Übergangsregierung berufen zu werden. Die Kulturagenden sind aber auch sehr spannend und eine Herausforderung, die ich gerne annehme.

 

Haben Sie einen Favoriten bei den österreichischen Anwärtern im Rennen um die europäische Kulturhauptstadt?

Schallenberg Ich habe drei Favoriten.

Zur Person

Alexander Schallenberg

geboren am 20. Juni 1969 in Bern, aufgewachsen in Indien, Spanien und Frankreich, ist seit Juni Minister für Äußeres, Europa, Kunst, Kultur und Medien. Davor leitete der Diplomat die Europa-Sektion im Bundeskanzleramt.