Als Theaterbesucher geht man rein und ist plötzlich ganz allein

Kultur / 18.07.2019 • 18:31 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die „Hundsgräfin“, gespielt von Rahel Jankowski, ist auf der Suche nach Napoleon. Holzmann
Die „Hundsgräfin“, gespielt von Rahel Jankowski, ist auf der Suche nach Napoleon. Holzmann

Bregenz Wer ein Theaterstück auf eine ganz intime Art und Weise erleben möchte, ist bei der Produktion „Diorama Bregenz – Der letzte Mensch“ genau richtig. Und noch eine Besonderheit steht an: Heuer wird die Saison des Vorarlberger Landestheaters in den Sommer hinein prolongiert, das spezielle Format wird ab Dienstag, 23. Juli, bis Mittwoch, 31. Juli, im Magazin 4 in Bregenz umgesetzt. Die Mechanismen sind dieselben wie bei den ersten Aufführungen im Mai dieses Jahres: Fast täglich werden die vier Schauspieler das Stück jeweils 16 Mal realisieren. Alle zwölf Minuten kommt jeweils nur ein Zuschauer zum Zug. Die Besucher werden auf eine Reise durch ein sonderbares Museum mitgenommen. Sie begegnen unter anderem Geistern und Figuren aus der Geschichte Vorarlbergs. Wer möchte, kann auch mit den Schauspielern interagieren und selbst Teil des Stücks werden. Es dauert knapp eine Stunde, der genaue Ablauf kann variieren und hängt von der Reaktion der Zuschauer ab. Sie verbringen rund zehn Minuten mit jeweils einem Schauspieler in einem Raum. Durch das besondere Theaterformat soll Neugier geschürt werden. Der deutsche Theatermacher Bernhard Mikeska zeichnet für die Regie verantwortlich. 

Spannendes Theaterformat

Die Geschichte beginnt in dem nachgebildeten Eingangsbereich eines Natur- und Volkskundemuseum, wo sich auch ein Diorama befindet. Dort erhält der Besucher ein Audiogerät, mit den wichtigsten Informationen rund um den Urmenschen, der vor rund zehn Jahren bei Bauarbeiten zur zweiten Röhre des Pfändertunnels gefunden wurde. Rahel Johanna Jankowski spielt Emilie Kraus Baronin von Wolfsberg (1785-1845), die unter dem Namen „Hundsgräfin“ Bekanntheit erlangte. Die Geliebte von Napoleon wich ihm bis 1814 nicht von der Seite. Im Magazin 4 beschwert sie sich über seine Abwesenheit und löchert den Besucher mit Fragen.

Im nächsten Raum trifft der Theaterbesucher auf Rolf Mautz, der den bekannten Polizeileutnant Paul Grüninger (1891-1972) verkörpert. Der Schweizer war leitender Grenzbeamter und rettete Hunderte jüdische und andere Flüchtlinge vor der nationalsozialistischen Verfolgung. Mautz führt den Besucher in eine weiße Box und stellt sich direkt vor das Gegenüber, um seine Geschichte zu erzählen.

Daniel Blum schlüpft in die Rolle des Urmenschen, um den sich nach wie vor viele Mythen ranken. Im letzten Raum treffen die Besucher auf die Malerin Stephanie Hollenstein (1886-1944), die als Kind einer Lustenauer Bauernfamilie geboren wurde. Sie erlangte durch ihre komplexe Biographie große Bekanntheit. Die Schauspielerin Jeanne Devos verkörpert Hollenstein. 

„Diorama Bregenz – Der letzte Mensch“ wird noch bis zum 31. Juli im Magazin 4 in Bregenz aufgeführt. Verbindlicher Kartenkauf erforderlich: www.landestheater.org