Elisabeth Sobotka: „Das Gleichgewicht ist wieder hergestellt“

Kultur / 20.07.2019 • 10:30 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Intendantin Elisabeth Sobotka nach der Premiere: ",Rigoletto' war die absolut richtige Entscheidung für die Seebühne. VN/Steurer
Intendantin Elisabeth Sobotka nach der Premiere: „,Rigoletto‘ war die absolut richtige Entscheidung für die Seebühne. VN/Steurer

Das Schauspiel soll bleiben und somit ist das Festspielprogramm für Intendantin Elisabeth Sobotka nun komplett.

Christa Dietrich

Bregenz Zwei Premieren, die der Oper auf dem See und der Opernproduktion im großen Haus, haben stattgefunden, die dritte erfolgt am Samstagabend und steht für eine Programmschiene, die es solcher Art länger nicht mehr gegeben hat bei den Bregenzer Festspielen: Das Deutsche Theater Berlin liefert mit „Don Quijote“ nämlich ein neues Stück an den Ort des Koproduktionspartners. Das Werk für zwei Personen mit einem Text von Jakob Nolte nach dem Roman von Miguel de Cervantes wurde von Jan Bosse inszeniert, auf der Bühne stehen mit Ulrich Matthes und Wolfram Koch zwei Künstler, die zu den bekanntesten im deutschsprachigen Raum zählen. Nach der Premiere in Bregenz ist die Produktion ab Oktober im Spielplan des Hauses in Berlin. Es freue sie sehr, dass es gelungen ist, die Zusammenarbeit mit dieser Bühne wieder aufzunehmen, betont Festspiel­intendantin Elisabeth Sobotka im Gespräch mit den VN: „Ich bin dankbar, dass Intendant Ulrich Khuon unsere Idee aufgenommen hat.“ Dieser „Don Quijote“ beleuchte genau den Aspekt, der auch in der Umsetzung der Massenet-Oper „Don Quichotte“ im Mittelpunkt steht, allerdings auf völlig andere Weise.

„Sind komplett“

Wesentlich ist, ob es denn nun bei der Schauspielschiene bleibt. „Wir möchten gerne eine längere Partnerschaft“, verweist Sobotka auf ihre Vorhaben und beantwortet die Frage, was sie denn nun ihrem Programm noch hinzufügen würde, wenn die Finanzierung kein Thema ist, mit dem Vermerk, dass man mit dem Schauspiel nun „komplett“ sei, und das „Gleichgewicht“ gefunden habe. „Ich werde versuchen, dieses Niveau und die Qualität zu halten.“ Dass man am See und im großen Haus mit den jeweiligen Teams derart ausgewogene große Produktionen realisieren konnte, sei auch ein Ziel für die Zukunft. Sie freue sich auf das Opernatelier, in dessen Rahmen im kommenden Jahr die Uraufführung eines Werks des Vorarlbergers Alexander Moosbrugger stattfindet, die seit zwei Jahren vorbereitet wird, danach plane man ja schon für eine weitere neue Oper.

Auf der Werkstattbühne wird heuer das Musiktheaterstück „Der Reigen“ von Bernhard Lang nach Arthur Schnitzlers berühmten Dialogen aufgeführt. „Ich finde es beeindruckend, wie die musikalische Struktur und die Werkstruktur zusammenpassen. Das Werk passt genau in das große Themenfeld, das wir auch im ,Rigoletto‘ behandelt haben. Es hat mich gewundert, dass dieses Stück noch nie in Österreich aufgeführt wurde.“ Das Opernstudio ist als Programmschiene gesichert, nach drei Opern von Mozart und einer von Rossini kommt dort heuer Tschaikowskijs „Eugen Onegin“ zur Aufführung: „Dass das Publikum einen frischen Blick auf ein Stück erhält, das es kennt, ist genau das, was ich mir gewünscht habe. Die jungen Sänger, die wir haben, entsprechen dem Idealbild.“ Es sei im Sinne des Komponisten, das Werk mit jungen, unverbildeten Sängern zu realisieren.

Bilder, die im Kopf bleiben

Ein Erfolgsfaktor für die großen Produktionen auf dem See sei, wenn es gelingt, Bilder zu schaffen, die im Kopf bleiben, erklärt die Intendantin ihre Sicht. Wichtig sei ihr auch, erfahren zu haben, wie beglückt und betroffen die Menschen die Aufführung kommentierten. Ein bleibendes Bild ergibt zweifellos Gilda bei der Arie „Caro nome“ im weit aufsteigenden Ballon. Mit den drei Sopranistinnen, die für die Partie engagiert wurden, habe man ausführlich gesprochen. „Ich war selbst erstaunt, wie die drei das sofort mit Begeisterung für sich umgesetzt haben.“ Dass sich Gilda auch aus dem Ballonkorb lehnt und dann ein Bein hinausstreckt, sei nicht verlangt worden, sondern Teil der subjektiven Rollengestaltung. „Rigoletto“ für den See zu wählen, war, so Sobotka, die absolut richtige Entscheidung: „Es war ein langer Prozess, was sich Philipp Stölzl vorgestellt hat, ist mehr als nur aufgegangen, immer im Sinne der Oper und nie als Effekt.“

Im Haus hat Mariame Clément Massenets selten gespielte Oper „Don Quichotte“ inszeniert. Eine exklusive, aufwendige, ebenfalls bejubelte Produktion, in der Männerbilder abgehandelt werden. Einen Koproduktionspartner habe man gehabt, dann kam es dort aber zu einem Umbau des Hauses. „Wenn es nicht geht, dann geht es nicht, von der Umsetzung von Stücken, an die ich glaube, will ich mich nicht abhalten lassen.“

Unsere drei Gildas haben die Ballonszene mit Begeisterung umgesetzt. Das Rauslehnen aus dem Korb war ihre Idee.

Elisabeth Sobotka, Festspielintendantin