Kunstwerk behandelt Fragestellungen zur Forschungsethik

20.07.2019 • 17:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Installation "Call of Duty" von Ruth Schnell ist bis 17. August in der Galerie Lisi Hämmerle zu sehen bzw. bei Einsatz einer Hololens-Brille zu erleben. Galerie
Die Installation „Call of Duty“ von Ruth Schnell ist bis 17. August in der Galerie Lisi Hämmerle zu sehen bzw. bei Einsatz einer Hololens-Brille zu erleben. Galerie

Ruth Schnell greift mit dem Projekt „Call of Duty“ in der Galerie Lisi Hämmerle ein wichtiges Thema auf.

Christa Dietrich

Bregenz Als Clara Immerwahr (1870-1915) ihr Studium an der Universität, an der sie wegen ihres Geschlechts nur Gasthörerin sein durfte, mit Auszeichnung abschloss, bemüßigte man sich in der Breslauer Zeitung in erster Linie, ihre zierliche Erscheinung zu würdigen und die Worte des Dekans wiederzugeben. Dieser stellte die kluge und beharrlich gegen alle Widerstände nach Bildung strebende junge Frau als Vorbild hin, betonte aber, dass er sich dennoch nicht wünsche, dass Frauen nun in den Bereich der Wissenschaft vordringen, wo ihr Platz doch in der Familie sei. Dass Wissenschaftlerinnen in den jeweiligen Instituten, so sie denn überhaupt zugelassen wurden, gegen Vorurteile zu kämpfen hatten, belegt auch die Biografie von Immerwahr, die den Chemiker Fritz Haber (1868-1934) heiratete. Dass sie bezüglich der Verantwortung, die Forscher haben, eine andere Position einnah, als ihr Mann, der den Einsatz von Gas im Ersten Weltkrieg ermöglichte, bei dem Tausende ums Leben kamen, ist mittlerweile belegt. Ihr Selbstmord wurde damals noch als eine Folge von privaten Zerwürfnissen oder Schwäche kommentiert.

Das allein wäre schon ein Themenkomplex, der, wie bereits erfolgt, nicht nur Stoff für Filme und Theaterstücke liefert, die Medienkünstlerin Ruth Schnell verarbeitet ihn in einer Installation, die mit einer Hololens-Brille erfahrbar wird und die Fragestellungen zur Forschungsethik von damals in die Gegenwart überführt. Hier geht es dann um die künstliche Intelligenz und die Tatsache, dass militärische und friedliche Nutzung kaum noch oder nicht mehr voneinander trennbar sind. Dabei stellt sich auch die Frage, inwiefern ethische Grundsätze, die sich Forschungsabteilungen von Medienkonzernen auferlegten, bereits umgehbar sind.

Großartige Leistung einer Galerie

Ein ziemliches Horrorszenario tut sich gedanklich zu dieser Installation von Ruth Schnell auf. Die aus Vorarlberg stammende Künstlerin und Hochschulprofessorin hat gemeinsam mit Patricia Köstring eine Arbeit entwickelt, die auf einem Theaterprojekt basiert, das in Wien gezeigt wurde. Mit der Hololens-Brille wird der Besucher direkt mit den von Schauspielern gesprochenen Aussagen von Immerwahr und Haber konfrontiert. Bei der Lektüre des zur Verfügung stehenden informativen Lesestoffes dürfen jene, die auf das Freiwerden einer Brille warten, feststellen, dass es dank der von Lisi Hämmerle privat geführten Galerie überhaupt möglich ist, das wichtige Werk in Vorarlberg zu haben, dessen Vermittlung wohl auch Aufgabe subventionierter Kunstinstitutionen wäre. Wenigstens gibt es engagierte Galeristinnen.