Lukáš Vasilek: „Wir sind glücklich, hier Opern zu singen“

20.07.2019 • 18:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Lukas Vasilek: „Es ist uns eine große Freude, mit den Symphonikern im Haus auf der Bühne zu stehen“..Hajska

Lukáš Vasilek (39) gastiert mit seinem Prager Philharmonischen Chor das zehnte Jahr bei den Festspielen.

Bregenz Im Jahr 2010 wurde der Prager Philharmonische Chor als professionelles Ensemble neben dem in der Hauptsache aus Amateuren bestehenden Bregenzer Festspielchor erstmals an den Bodensee verpflichtet und übernahm hier große Aufgaben vor allem in den Opern am See und im Haus, aber auch im konzertanten Bereich. In diesen Jahren ist der Chor in seiner berühmten Klangqualität und Einsatzfreude zu einem nicht mehr wegzudenkenden vokalen Äquivalent zu den Wiener Symphonikern als Bregenzer Festspielorchester geworden. Verantwortlich für diese Einsätze ist der seit 2007 als Hauptchorleiter tätige Lukáš Vasilek.

Herr Vasilek, wie ist Ihr Ensemble organisiert und welche qualitativen Voraussetzungen sind für Mitglieder erforderlich?

Wir werden ebenso wie die Tschechische Philharmonie und das Nationaltheater Prag maßgeblich vom tschechischen Staatshaushalt mitfinanziert. Allerdings müssen wir Teile unserer jährlichen Ausgaben durch Konzerte aufbringen. Alle Mitglieder sind professionelle Sängerinnen und Sänger, das heißt, sie sind bei uns fest angestellt.

Wie viele Mitglieder zählt Ihr Chor?

Der Chor zählt 67 Sängerinnen und Sänger, die den festen Stamm bilden. Für manche der großen Projekte engagieren wir auch externe Sängerinnen und Sänger. Kantaten und Oratorien singen wir mit 80 Leuten. Aber es gibt heuer in Bregenz zum Beispiel nur 40 Stimmen für „Don Quichotte“ und 20 für „Rigoletto“.

Was bedeutet das jährliche Bregenzer Engagement von mehreren Wochen für Sie und Ihre Sänger?

Wir freuen uns immer darauf – vor allem wegen des hohen künstlerischen Niveaus und wegen der großartigen Kolleginnen und Kollegen hier in Bregenz. Aber auch, weil wir hier zur Abwechslung auch Oper singen können. Unser Chor ist eigentlich ein Konzertchor, der Kantaten, Oratorien und A-cappella-Stücke singt.

Die Festspiele haben zu Ihrem zehnten Jubiläum in Bregenz das Verdi-Requiem im 1. Orchesterkonzert der Symphoniker angesetzt.

Es ist ein Stück, das wir lieben und jedes Jahr als Teil unseres wesentlichen Repertoires singen. Die meisten unserer Sängerinnen und Sänger können es sogar auswendig, und unser Chor wird dazu mit weiteren 50 Sängern aufgestockt. 2013 haben wir das Stück im Veitsdom in Prag aufgeführt. Es war eine Kooperation mit der Tschechischen Philharmonie und Fabio Luisi, der auch in Bregenz dirigiert.

Am See werden Sie so wie das Orchester im Festspielhaus über Lautsprecher nach draußen übertragen. Ist diese Lösung für Sie befriedigend?

Für uns ist es definitiv befriedigend, im Festspielhaus zu sein. Vielleicht ist diese Arbeit wegen des Fokus auf das Konzertsingen für uns natürlicher. Und es ist uns eine große Freude, mit den Symphonikern im Haus auf der Bühne zu stehen.
 

Dafür können sich Ihre Leute bei den Hausopern so richtig entfalten, wo neben Ihren gepflegten Stimmen auch ihr Bewegungstalent in einfachen Choreografien gefragt ist.

Es ist für uns sehr unterhaltsam. Der Grund dafür ist wie gesagt, dass wir als Konzertchor glücklich sind, hier Opern zu singen, obwohl die Inszenierungen manchmal kompliziert sind. Das ist auch der Unterschied zu einem festen Opernchor, der manchmal von der Routine der Opernauftritte demotiviert ist.

Was ist Ihnen in diesen Jahren als Besonderheit in Erinnerung geblieben?

Es ist nicht einfach für mich, aber „Die Passagierin“ von Weinberg in der großartigen Pountney-Inszenierung war für uns eine sehr berührende Erfahrung. Wir waren 2010, während unseres ersten Auftritts in Bregenz, Teil dieser Produktion. Das war definitiv einer unserer besten künstlerischen Momente, die ich je erlebt habe. Und natürlich „Hoffmanns Erzählungen“. Herheims Inszenierung war für uns extrem schwierig, weil es nicht nur ums Schauspielern, sondern auch ums Tanzen ging, aber letztendlich funktionierte alles und wir waren sehr glücklich, ein Teil davon zu sein.

Die Arbeit mit der Hausoper „Don Quichotte“ von Massenet heuer war sicher auch für Sie eine komplette Neueinstudierung, dazu in Französisch?

Mariame Clément, die „Don Quichotte“ inszeniert, ist eine großartige Künstlerin, die immer weiß, was ihr Ziel ist und wie sie das erreichen kann. Da gibt es keine Probleme. Unser Chor singt in allen Sprachen, die für ein Chor-Repertoire üblich sind, von Latein bis Russisch. Unser Spezialgebiet sind natürlich slawische Sprachen, weil sie für uns leicht auszusprechen sind. Wir nutzen aber auch Coaches in Französisch, weil das für tschechische Sängerinnen und Sänger schwierig ist.

Ist Vorarlberg für Sie inzwischen eine Art zweite Heimat geworden?

Natürlich ist es das. Wir wohnen alle in Wohnungen und Häusern in Bregenz und Umgebung. Es ist angenehm und bequem, toll für die Freizeit, gut, um sich zwischen schwierigen Proben und Auftritten auszuruhen. Fritz Jurmann

Orchesterkonzert der Wiener Symphoniker, 22. Juli, 19.30 Uhr, Festspielhaus, „Messa da Requiem“  von Verdi mit dem Prager Philharmonischen Chor.

Lukáš Vasilek
Chorleiter
Geboren 13. Februar 1980 in Hradec Králové, Tschechien
Ausbildung Studium in Dirigieren und Musikwissenschaft an der Musikakademie und Karls-Universität Prag

Laufbahn Leitung der Foerster Vereinigung für Kammergesang, zweiter Chorleiter beim Opernchor des Prager Nationaltheaters, seit 2007 Hauptchorleiter des Prager Philharmonischen Chors mit regelmäßigen internationalen Tourneen; zahlreiche CD-Einspielungen