Singende Buhlschaft im weiter ergänzten „Jedermann“

Kultur / 21.07.2019 • 19:09 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Valery Tscheplanowa als neue Buhlschaft mit Tobias Moretti im „Jedermann“ der Salzburger Festspiele.APA
Valery Tscheplanowa als neue Buhlschaft mit Tobias Moretti im „Jedermann“ der Salzburger Festspiele.APA

Auch Tobias Moretti ist am Domplatz noch auf der Suche.

Salzburg Der Jahrhundert-“Jedermann“ 2020 wird von Michael Sturminger inszeniert. Wie er allerdings genau aussehen wird, ist noch nicht klar. Denn die Produktion zeigte sich auch in der dritten Saison deutlich verändert. Und das lag nicht nur an der neuen Buhlschaft Valery Tscheplanowa. Die Premiere, mit der das Salzburger Festspielprogramm am Samstag eröffnet wurde, fand endlich wieder am Domplatz statt. Dass sich kurz nach dem Ende die Schleusen öffneten, passte zur Entwicklung der Inszenierung, mit der Sturminger 2017 demonstrativ profan aufgebrochen war und die sich nun fast schon zu demütig zeigt.

Kruzifixe wie Colts

Auch Tobias Moretti hat seine Suche noch nicht abgeschlossen. Als grundsätzlich grüblerisch und misanthropisch begann er vor zwei Jahren seine Reise mit dieser Figur, heute sieht Geschäftsmann Jedermann seinen Erfolg ganz nüchtern begründet: Er lässt sein Geld eben am besten arbeiten. Ensemble-Neuzugang Helmut Mooshammer bekommt als armer Nachbar, der sich vor Spielbeginn wie ein Sandler durch die Wartenden drängt, Jedermanns neue Lust an der Argumentation zu spüren. Lust an der Erniedrigung anderer hat dieser Jedermann nicht, und brutal wird er ein einziges Mal: Als er seine Buhlschaft, die ihn durch einen innigen Kuss zur Besinnung bringen will, an den Haaren zurückreißt. Aber da ist er bereits ein anderer. Was ihn so verändert, bleibt weiter ein Rätsel. Ganz von dieser Welt ist dagegen die Buhlschaft: Valery Tscheplanowa kommt offenbar aus dem Künstlermilieu, wie sie in mehreren gekonnten Nummern als Sängerin und Tänzerin unter Beweis stellt. Ihre durchaus anspruchsvollen Lieder reichen vom Chanson bis zu Brecht. Weiter zu den Pluspunkten dieser um ein paar Minuten längeren Aufführung zählen Peter Lohmeyer als Tod in Stöckelschuhen, Edith Clever als Jedermanns Mutter, Mavie Hörbiger als herzzerreißende, magersüchtige Werke und Christoph Franken als goldglänzender Mammon, der Jedermann fest im Griff hat. Und Falk Rockstroh ist ein strenger Gottesmann, der im Duell mit dem Teufel seine Kruzifixe wie Colts zieht.

„Jedermann“ steht heuer bis 28. August auf dem Programm der Salzburger Festspiele.