Explosion aus Fantasie, Techniken und Farben

Kultur / 23.07.2019 • 18:19 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Werk „Zaraschmetterling“ von Lukas Moll ist heuer entstanden.
Das Werk „Zaraschmetterling“ von Lukas Moll ist heuer entstanden.

Im Foyer des ORF-Landesfunkhauses werden Werke der Kunstrichtung Art Brut gezeigt.

Dornbirn Was echte Kunst ist, darüber lässt sich diskutieren. Fakt ist aber, dass jedes Werk Spielraum für Interpretationen zulässt. Der französische Maler und Schriftsteller Jean Arthur Dubuffet machte sich Mitte der 1940er-Jahre auf die Suche nach einer neuen Kunstrichtung, die befreit von gesellschaftlichen Konventionen und Erfolgsdruck sein sollte. Er trat mit Menschen in Kontakt, deren Werke nicht als Kunst anerkannt wurden. Vor über 70 Jahren begann er mit dem Aufbau einer eigenen Sammlung und entwickelte den Begriff „Art Brut“. Im anglo-amerikanischen Raum wird auch die Bezeichnung „Outsider Art“ verwendet. Im ORF-Landesfunkhaus werden nun im Rahmen der Ausstellung „& darüber hinaus – Nachrichten aus dem Profanen“ Werke präsentiert, die dieser Kunstrichtung zugeordnet werden können.

Zurück zum Ursprung

Die Arbeiten von Lukas Moll, Daniel Nesensohn, Irmgard Welte, Hans Tonich und Savas Kilinc sind alle im „ARTelier“ Vorderland“ der Lebenshilfe entstanden. Dort arbeiten sie mit der Leiterin Christine Lingg, die selbst als Zeichnerin tätig ist, auf künstlerischer Ebene zusammen. „In unserem Atelier werden keine Themen vorgegeben, jeder kann seine eigenen Ideen umsetzen. Die Kreativschaffenden bringen viel Ausdauer und Leidenschaft mit“, sagt Lingg. Durch die Beteiligung am Atelier bekommen sie die Möglichkeit des technischen Umsetzens. Als Kurator fungiert der Vorarlberger Maler und Soundkonzeptkünstler Harald Gfader. „Die Ausstellungen werden von uns nur zaghaft umgesetzt. Die Künstlerinnen und Künstler sollen nicht verkommerzialisiert werden. Sie sollen kontinuierlich vorgestellt und miteinbezogen werden“, betont Gfader. „Der Ausgangspunkt, wo der Prozess beginnt, ist bei allen Künstlern der gleiche. Der Ursprung, der jeder Kreativität und Kunst zugrunde liegt, wird im Rahmen der Ausstellung aufgeblättert“, erkärt Lingg. „Sie malen nicht aus therapeutischen Gründen, sie verfolgen gezielt ihre künstlerischen Absichten“, ergänzt der Kurator.

Roh und unbeeinflusst

Mit seinen Graphitarbeiten weist Daniel Nesensohn (geboren 1967) auf Grenzen hin und zeigt gleichzeitig die Unendlichkeit auf. Lukas Moll (geboren 1976), der schon seit über zehn Jahren im „ARTelier Vorderland“ tätig ist, beschäftigt intensiv mit der Tierwelt. Savas Kilinc (geboren 1984) gilt als Experte für die griechische Mythologie. Für seine Wimmelbilder verwendet er unterschiedliche Maltechniken, er befasst sich intensiv mit der Acrylmalerei und Eitempera. Hans Tonich (geboren 1970) beherrscht unterschiedliche Mischtechniken und bringt farbenfrohe Landschaften auf die Leinwand. Die Künstlerin Irmgard Welte (geboren 1945) durchforstet für ihre Arbeiten Lexika und greift Abbildungen von Insekten auf. Ihre detaillierten Bleistiftzeichnungen sind sehr arbeitsintensiv. Sie malt unter anderem kauernde Wespenspinnen.

Im Rahmen der Ausstellung werden sehr unterschiedliche Werke präsentiert, die aber im Endeffekt ausgezeichnet zusammenpassen. Manchmal sind es genau die Kunstwerke, die davor fast niemand auf dem Radar hat, die beim Betrachter nachhaltige Spuren hinterlassen.

Savas Kilinc beschäftigt sich im Rahmen seiner farbenfrohen Wimmelbilder intensiv mit der griechischen Mythologie, aber auch mit Alltagsthemen.VN/Sorko
Savas Kilinc beschäftigt sich im Rahmen seiner farbenfrohen Wimmelbilder intensiv mit der griechischen Mythologie, aber auch mit Alltagsthemen.VN/Sorko

Die Ausstellung ist bis 13. Oktober im Foyer des ORF-Landesfunkhauses in Dornbirn geöffnet. Der Eintritt ist frei, das Haus ist täglich 24 Stunden lang geöffnet.