Heuer wird Hamlet zur Frau

Kultur / 24.07.2019 • 17:53 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Das Vorarlberger Ensemble Shakespeare am Berg widmet sich heuer der Tragödie „Hamlet“ und steigt dazu ins Tal herab bzw. hat in der Stadt Bludenz einen Spielort gefunden. oliver lerch
Das Vorarlberger Ensemble Shakespeare am Berg widmet sich heuer der Tragödie „Hamlet“ und steigt dazu ins Tal herab bzw. hat in der Stadt Bludenz einen Spielort gefunden. oliver lerch

Shakespeares Drama „Hamlet“ wird im Vorarlberger Oberland mit Schauspielern und Puppen aufgeführt.

Bludenz „Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage“, solche und andere Zitate von Shakespeare kleben in unseren Köpfen wie Kaugummi unter Schulbänken.

Die Tragödie „Hamlet“ wurde 1602 das erste Mal aufgeführt, heuer wird das Drama rund um den Prinzen im Bludenzer Plettenberg-Park zu sehen sein. Der dänische König ist tot und sein Sohn Hamlet möchte den Mord an seinem Vater rächen. Claudius, sein Bruder, heiratet die verwitwete Königin und besteigt den Thron. Mit welchen absurden Mitteln sich Hamlet der blutigen Wahrheit nähert, bleibt noch ein Geheimnis der von Thomas A. Welte vor vier Jahren gegründeten und nach wie vor geleiteten Theatergruppe Shakespeare am Berg, die immer noch so heißt, auch wenn im Tal, das heißt auf einem Platz in einem Park in Bludenz gespielt wird. „Wir werden diesen Hamlet nicht als die klassische Figur darstellen und haben dementsprechend sehr viel ausprobiert“, erklärt Produktionsassistentin Michaela Spänle.

Neuer Ort

Die Theatergruppe von Shakespeare am Berg konnte sich mit ihren unkonventionellen Umsetzungen von Theaterstoffen bereits einen Namen machen. 2015 wurde „Macbeth“ auf dem Muttersberg gespielt, „Romeo und Julia“ stand im Jahr darauf auf dem Programm. In Anlehnung an Shakespeares „Was ihr wollt“ wurde 2017 das genderkritische Stück „Moustache“ entwickelt. Die Komödie „Ein Sommernachtstraum“ wurde aufgrund der unsicheren Wetterlage auf dem Berg in der Nähe der Talstation der Muttersbergbahn aufgeführt. Heuer ist der Spielort erstmalig der Plettenberg-Park. Die neue Austragungsstätte soll Urbanität und Naturerlebnis miteinander verbinden.

Im mythischen Meer

„Wir werden ,Hamlet‘ mit drei Spielerinnen und einem Spieler inszenieren“, erklärt Spänle und fügt hinzu: „Dies ist selbstverständlich bei der Fülle an Informationen und der Anzahl an Rollen eine große Herausforderung.

Dennoch möchten wir uns treu bleiben und weiterhin in kleiner Besetzung arbeiten. Bei der Umsetzung des Stoffes haben wir uns kleine Freiheiten gegönnt.“ Die etwa zweistündige Textfassung wurde von Autor und Regisseur Thomas A. Welte und der deutschen Schauspielerin Rebecca Selle geschrieben. Als Basis wurden die Fassungen von Schlegel und Frank verwendet. Selle, die sich für eine höhere Frauenquote in der Theaterwelt stark macht, wird auch als Hamlet auf der Bühne stehen und gleichzeitig Horatio in Form einer Puppe verkörpern. Guylaine Hemmer übernimmt mehrere Rollen, sie spielt den Laertes, Güldenstern und die Puppe Ophelia. Der deutsche Schauspieler Philip Butz schlüpft in eine Frauenrolle und wird die Königin verkörpern, gleichzeitig wird er sich in den König, der in Form einer Puppe dargestellt wird, hineinversetzen. Julia Sewing, die ihre Schauspielausbildung an der Zürcher Hochschule der Künste absolvierte, verkörpert Polonius, Rosenkranz, den Totengräber und den Priester.

„Das Stilmittel Puppenspiel wird heuer zum ersten Mal zum Einsatz kommen. Dadurch wird die skurrile und komödiantische Haltung der einzelnen Figuren zur Geltung gebracht“, sagt Welte. „Unser Ensemble hat sich schon Wochen vor Probenbeginn mit den Figuren auseinandergesetzt. Zudem bekamen sie ein Coaching von der Puppentrainerin Regine Breitinger“, ergänzt Spänle. Die Puppen wurden in Zusammenarbeit mit Roland Adlassnigg geschaffen. Die Idee für die Kostüme stammt von Simona Obholzer, geschneidert wurden sie von Kerstin Köck. Die Bühne wird heuer in ein mythisches Wattenmeer verwandelt, dementsprechend werden Schauspieler und auch die Puppen mit wasserfesten Kostümen ausgestattet sein.

Die Theatergruppe möchte ihren Fokus wieder darauf legen, den Zuschauern neue Sichtweisen aufzuzeigen und die Geschichte unterhaltsam darzubieten. Mit der kombinierten Spielweise von Puppenspiel und Schauspiel hat sie sich wieder etwas Besonderes einfallen lassen. Hinzu kommt, dass der Geschlechterwechsel in Bezug auf einige Rollen Fragen aufwerfen wird. VN-MIR

„Das Stilmittel Puppenspiel wird heuer zum ersten Mal zum Einsatz kommen.“

Die Premiere von „Hamlet“ findet am 25. Juli, 21.15 Uhr im Plettenberg-Park statt. Weitere Termine bis 17. August: www.shakespeareamberg.at